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Heidelberg: Bald Tempo 30 in (fast) der ganzen Stadt?

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Von: Florian Römer

Ein Tempo 30-Schild in der Brückenstraße in Heidelberg-Neuenheim.
Wie in der Brückenstraße in Neuenheim könnte bald fast überall in Heidelberg Tempo 30 gelten. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Heidelberg - Die Grünen wollen sich für ein Pilotprojekt stark machen, das auf fast allen Straßen der Stadt Tempo 30 vorschreibt. Der Vorstoß schmeckt nicht allen:

In spanischen Städten gilt es schon: Kommt auch bald auch auf (fast) allen Straßen in Heidelberg Tempo 30? Die Grünen-Fraktion will noch vor der Sommerpause im Gemeinderat einen Antrag diskutieren, der die Regelgeschwindigkeit in der Universitätsstadt auf 30 Stundenkilometer reduziert. Nickt das Stadtparlament den Vorstoß ab, soll Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos) beim Bundesverkehrsministerium ein entsprechendes Pilotprojekt beantragen. Andere Städte wie Freiburg oder Leipzig bemühen sich bereits um Tempo 30-Pilotversuche.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019, Eurostat)
Fläche108,84 Quadratkilometer
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Kfz pro 1.000 Einwohner434 (2019)

Mit dem Antrag auf einen Pilotversuch zur ‚Regelgeschwindigkeit Tempo 30‘ möchte die grüne Gemeinderatsfraktion Heidelberg ein Umdenken im Bundesverkehrsministeriums bezüglich der Thematik erwirken“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christoph Rothfuß. Aktuell liegt die innerstädtische Regelgeschwindigkeit bundesweit noch bei 50 Stundenkilometern. Wollen Kommunen das Tempolimit beispielsweise auf 30 km/h verringern, müssen sie das erst langwierig genehmigen lassen. Mit den Pilotprojekten sollen Erfahrungen gesammelt werden. Ziel der Befürworter ist es, die Straßenverkehrsordnung (StVO) zu ändern ‒ bundesweit soll in Städten Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit gelten. Die Forderung wird ausdrücklich auch vom Deutschen Städtetag unterstützt. Auch die Stadt Heidelberg steht dem Vorstoß positiv gegenüber. Im März hatte die WHO eine weltweite Kampagne gestartet, die Tempo 30 zur Norm auf Straßen in allen Städten machen soll.

Heidelberg: Flächendeckend Tempo 30 ‒ mit wenigen Ausnahmen?

Aus Sicht der Befürworter trägt Tempo 30 nachhaltig zur Verkehrssicherheit und zum Umweltschutz bei. Durch die geringere Geschwindigkeit verbessere sich das Miteinander mit anderen Verkehrsteilnehmern, argumentieren die Grünen. „Kinder, Fahrradfahrer und ältere Menschen haben einen höheren Schutz, nicht zuletzt deshalb, weil sich der Bremsweg mehr als halbiert“, so Verkehrsplaner Rothfuß.

Zudem sorge das Tempolimit für weniger Abgase und weniger Lärm: „Tempo 30 reduziert den Energieverbrauch, den CO2-Ausstoß und die Lärmemissionen.“ Bei Tempo 30 fließe der Verkehr gleichmäßiger und stetiger, weil die Geschwindigkeiten nicht ständig wechseln. Kraftfahrzeuge müssten nicht so häufig bremsen und beschleunigen.

Soll also in ganz Heidelberg Tempo 30 gelten? „In definierten Ausnahmefällen“ kann Tempo 50 weiterhin bestehen bleiben, heißt dazu von den Grünen. Höhere Geschwindigkeiten auf Durchfahrtsstraßen wie der B37 oder der Speyerer Straße machten weiter Sinn. Auf dem Großteil der Heidelberger Straßen soll die Höchstgeschwindigkeit aber bei 30 Stundenkilometern liegen.

Tempo 30 in Heidelberg ‒ „Behindern, Ausbremsen, Bevormunden“?

Die „Heidelberger“ haben „grundsätzlich nichts gegen einen Pilotversuch einzuwenden“, sagt Marliese Heldner für ihre Fraktion. Bei Wohn- und Nebenstraßen sehe man „keinerlei Hinderungsgründe“ für Tempo 30. Bevor aber Hauptachsen einbezogen würden, sollte zunächst aber das Verkehrsamt prüfen und geeignete Straßen vorschlagen. Heldner: „Gerade über die großen Verkehrsadern muss auch zukünftig der Verkehr in Heidelberg flüssig und zügig abgewickelt werden. Es hilft niemandem, wenn auf diesen Straßen der MIV künstlich ausgebremst wird“.

Ähnlich sieht man es auch bei der CDU: 30er-Zonen seien in Wohngebieten anstrebenswert, aber nicht auf Durchgangsstraßen. Dort würde der Verkehrsfluss gehemmt und dadurch weder Stickoxid- noch CO2-Emissionen verringert. „Das Umweltbundesamt und die Bundesanstalt für Straßenwesen kommen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass vor allem der Verkehrsfluss für die Schadstoffmengen entscheidend ist“, sagt Kreisvorsitzender und Stadtrat Alexander Föhr. Die Christdemokraten „streben zum Wohl aller eine Verringerung von unnötigen Standzeiten für die Verkehrsteilnehmer und eine bessere räumliche Trennung der verschiedenen Verkehrsarten an.

Verkehrsschild Tempo 30-Zone in der Schröderstraße in Heidelberg.
Tempo 30-Zone in Heidelberg. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Ein generelles Tempolimit von 30 km/h im Stadtgebiet lehnt auch die FDP ab. Es sei ausreichend, die Geschwindigkeit an Gefahrenstellen wie Schulen und Kindergärten zu reduzieren. Der Vorstoß der Grünen habe das Ziel, „Autofahren in Heidelberg noch unattraktiver“ zu machen, kritisieren die Liberalen. „Hier setzt sich leider wieder einmal eine grün-ideologische Politik des Behinderns, Ausbremsens und der Bevormundung fort“, meint Michael Eckert. „Viele Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, würden ebenso wie der Wirtschaftsverkehr unter einer solch unnötigen Maßnahme leiden.“ Die Maßnahme führe zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch, längeren Fahrzeiten und dem Ausstoß von fast drei Mal so viel Stickoxid. (rmx)

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