1. Mannheim24
  2. Region

Heidelberg: Prozess-Hammer – mutmaßlicher Paketbomber kommt frei

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marten Kopf

Der Angeklagte (M) kommt zu seinem Anwalt Steffen Lindberg (r) in den Gerichtssaal des Landgerichts Heidelberg. Der Angeklagte soll für eine Serie von explosiven Postsendungen verantwortlich sein.
Der mutmaßliche Bombenbauer vor dem Landgericht Heidelberg © Uwe Anspach/dpa

Heidelberg - Der für drei Paketbombenanschläge auf die Wild-Werke, Lidl und Hipp angeklagte Rentner Klaus S. kommt vorerst frei. Das hat das Landgericht Heidelberg entschieden.

Überraschende Wende im Prozess um den mutmaßlichen Paketbomber Klaus S.: Der für die Absendung explosiver Postsendungen an süddeutsche Lebensmittelfirmen angeklagte Rentner kommt vorerst aus der Untersuchungshaft frei. Die zuständige Kammer habe den Haftbefehl gegen ihn am Montag (4. Oktober) aufgehoben, sagt eine Gerichtssprecherin am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Nach derzeitigem Stand liege kein dringender Tatverdacht gegen den Mann mehr vor. Daher ordnet das Landgericht Heidelberg die Freilassung an. Nach Angaben seines Anwalts kommt der 66-Jährige bereits am Montagnachmittag frei.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Fläche108,8 km²
Einwohnerzahl161.485 (2020)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Beim Prozessauftakt am 8. September bestreitet der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm jeden Zusammenhang mit der explosiven Post: „Ich bin nicht die von Ihnen gesuchte Person“, so S. Der Justiz wirft er vor, ihn mit großem Aufwand „zerstören“ zu wollen: „Ich hoffe auf Gerechtigkeit.“ Darüber hinaus äußert sich der Rentner nur zu seinem Werdegang und betont dabei vor allem sein soziales Engagement.

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Der Prozess geht nach Angaben des Landgerichts an diesem Freitag (8. Oktober) weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Sie geht bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Er habe Geld von den Firmen erzwingen wollen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Paketbomber vor dem Landgericht Heidelberg: Explosions-Serie bei LIDL und Capri-Sun

Die Serie der explosiven Postsendungen beginnt am 16. Februar in Eppelheim. Dort wird in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt, als er ein Paket annimmt. Am Folgetag kommt es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert ist, wird in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen.

„Alle drei Pakete sollen versteckte Sprengsätze enthalten haben, die so konstruiert gewesen seien, dass sie beim Öffnen der Pakete zünden und explodieren würden. Dabei soll der Angeklagte damit gerechnet haben, dass beim Öffnen der Pakete die damit befassten Personen durch die Detonation im Gesichtsbereich und an den Fingern verletzt werden würden“, so das Landgericht Heidelberg. (dpa/mko)

Auch interessant

Kommentare