Denkmale von unten

15 neue Stolpersteine in Heidelberg!

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Am 6. Februar 2015 wurden in Heidelberg 15 neue Stolpersteine in Gedenken an Opfer des NS-Regimes verlegt.

Heidelberg – Sie erinnern an die schrecklichen Gräueltaten des NS-Regimes an der jüdischen Bevölkerung in Deutschland – die Stolpersteine. Am Freitag wurden in Heidelberg 15 neue verlegt.

In Handschuhsheim, Neuenheim, Bergheim und in der Altstadt wurden heute 15 weitere Gedenksteine von der Initiative Stolpersteine feierlich verlegt. 

Die Betonsteine (zehn mal zehn Zentimeter) mit einer verankerten Messingplatte erinnern an das Schicksal von Menschen, die vom Nazi-Regime deportiert wurden und werden an den ehemaligen Wohnorten in den Bürgersteig eingesetzt. 

15 neue Stolpersteine in Heidelberg!

50.000 Steine wurden seit 1997 an 1.100 Orten in Deutschland und in 18 weiteren europäischen Ländern bereits verlegt. Den Impuls zu den Stolpersteinen gab der Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Steine auch heute an fünf Plätzen der Stadt und in Anwesenheit von vielen Nachbarn sowie Bürgern des Stadtteils einsetzte.

Handschuhsheimer Landstraße 47a: Hier lebten Isidor und Sara Blumberg, die in der Altstadt eine Metzgerei führten. Am 22. Oktober 1940 wurden sie im Zuge der Deportationen badischer Juden ins südfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt, wo sie bereits nach wenigen Wochen im Alter von 75 bzw. 77 Jahren starben.

Wenige Meter weiter, im Hainsbachweg 1, erinnert ein Stolperstein jetzt an die Familie Demuth. Der Realschullehrer Dr. Ludwig Demuth wurde ebenfalls nach Gurs deportiert, konnte dort aber von seinem bereits vorher nach Frankreich geflohenen Sohn Hans-Werner befreit werden, der wiederum 1942 nach Auschwitz gebracht und dort ermordet wurde. Olga Demuth verstarb 1940; Tochter Gisela konnte den Deportationen nur knapp entgehen.

Bergstraße 32: Hier lebte die Familie des Landtagsabgeordneten Dr. Guido Leser. Leser zog mit seiner Frau Irmingard 1936 nach Berlin, wo sich beide nach Erhalt der Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt das Leben nahmen. Ihr Sohn Conrad verließ das Land bereits 1934.

Max und Rosalie Wertheimer lebten seit 1934 in der Bluntschlistraße 4 in Bergheim. Der Textil-Handelsvertreter Max Wertheimer wurde bereits 1938 mehrere Wochen im Konzentrationslager Dachau interniert. Die Eheleute wurden 1940 ebenfalls zuerst nach Gurs und 1942 nach Auschwitz gebracht und ermordet.

In der Hauptstraße 187 wohnte die Familie von Julius Wertheimer, der eine Schneiderei in der Grabengasse betrieb, die 1934 liquidiert wurde. Julius und seine Frau Klara starben nach kurzer Zeit im Internierungslager Gurs an Typhus. Der älteste Sohn Karl konnte nach Kolumbien fliehen, Sohn Fritz Samuel verlor sein Leben 1943 in Auschwitz.

120 Stolpersteine wurden mittlerweile bei sechs Verlegungen im gesamten Heidelberg Stadtgebiet eingesetzt. 

Bei der abschließenden Gedenkstunde in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte würdigte deren Geschäftsführer Prof. Dr. Walter Mühlhausen die „Denkmale von unten, mit der die Erinnerung aufrechterhalten wird. Gerade in diesen Tagen erkannte man wieder, wie Erinnerungen politisch instrumentalisiert werden können. Mit den Stolpersteinen funktioniert das nicht.

Die Arbeit der Initiative Stolpersteine geht weiter – die engagierten Bürger treffen sich in offener Runde an jedem zweiten Dienstag in der Volkshochschule. Mehr Infos online unter www.stolpersteine-heidelberg.de.

jb/pek

Quelle: Heidelberg24

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