Donnerstags bis samstags

Gastro-Öffnungen in Heidelberg: Grüne fordern Außenbewirtung bis 24 Uhr

Max (l-r), Uwe und Horst sitzen mit einem Bier vor einer Gaststätte in der Innenstadt. Nach monatelangem Lockdown lässt der Südwesten die Zügel bei den Corona-Regeln deutlich lockerer. Ab Samstag sind Öffnungen in der Gastronomie, im Tourismus und in der Freizeit möglich. | Aktuell
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Drei Männer sitzen in der Unteren Straße in Heidelberg.

Heidelberg - Seit Samstag (15. Mai) dürfen Restaurants, Cafés, Kneipen und Bars wieder öffnen – außen und überraschenderweise auch innen. Jetzt haben die Grünen diese Forderung:

Update vom 1. Juni, 14:35 Uhr: Die Grünen-Fraktion hat sich bereits zu Beginn der Pandemie für die unbürokratische Ausweitung der Außengastronomie, das Erlassen von Gebühren für die Außenbestuhlung oder das Erteilen von Sonderkonzessionen zum Beispiel für (Pop-Up-) Biergärten eingesetzt. Davon wurde von der Gastronomie im vergangenen Sommer rege Gebrauch gemacht. „Nach den guten Erfahrungen im Corona-Sommer 2020 begrüßen wir die unbürokratische Ausweitung der Außengastronomie auch in diesem Sommer. Das ermöglicht den Gastronom*innen mehr Umsatz und den Heidelberger*innen mehr Aufenthaltsqualität in den Straßen“, so der grüne Fraktionsvorsitzende Derek Cofie-Nunoo.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019, Eurostat)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Anzahl Gastronomiebetriebe558 (2018)

Außerdem fordert die Grünen-Fraktion in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner (parteilos), die Sperrzeit für die Außengastronomie von Donnerstag bis Samstag im verbleibenden Jahr auf 24 Uhr festzulegen, sobald es die Corona-Verordnung erlaubt.

Eine Verlängerung der Bewirtungszeiten in der Außengastronomie stärkt die wirtschaftliche Situation der Gastronomie. Auch unter Infektionsschutzgründen ist eine Bewirtung im Freien deutlich sicherer. Daher sollten es für Gastronom*innen in Heidelberg die Möglichkeiten geben, in diesem Sommer bis 24 Uhr Außengastronomie anzubieten“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christoph Rothfuß.

Gastro-Öffnungen in Heidelberg: Stadt zieht Fazit nach erstem Wochenende

Update vom 17. Mai, 16:50 Uhr: Die Stadt Heidelberg zieht ein positives Fazit nach dem ersten Wochenende mit Öffnungen in Gastronomie und Hotellerie. „Wir freuen uns sehr, dass wir als eine der ersten Städte in Baden-Württemberg seit Samstag wieder den Bürgerinnen und Bürgern sowie Betrieben in unserer Stadt neue Perspektiven bieten können“, so Oberbürgermeister Prof. Würzner in einer Mitteilung vom Montagnachmittag.

Das erste Öffnungswochenende sei gut gelaufen. „Die Besucherinnen und Besucher haben sich konsequent an die Vorgaben gehalten. Danke auch an die Gastronomen und Hoteliers. Sie setzten die Regelungen vorbildlich um. Die meisten Teststationen hatten auf unsere Bitte hin auch sonntags geöffnet und konnten die vielen Besucherinnen und Besucher in der Innenstadt auffangen. Es hat sich ausgezahlt, dass wir uns auf diese Situation intensiv vorbereitet haben. Ich bedanke mich bei allen, die dazu beitragen, dass wir diese Öffnungsschritte gehen können.“

Heidelberg: Gastro ab heute wieder offen ‒ Wirte stehen vor Herausforderung

Update vom 15. Mai, 18 Uhr: Viele hatten sich so drauf gefreut, aber bei der Wieder-Eröffnung der Gastronomie in Heidelberg spielte das Wetter nur bedingt mit. Teilweise tröpfelte es ‒ deshalb waren die Cafés und Restaurants in der Universitätsstadt am Samstag (15. Mai) nur bedingt gut besucht. Joachim von der Linde zieht dennoch ein positives Fazit vom ersten Tag: „Wir freuen uns, es macht sehr viel Spaß. Die Gäste sind glücklich, wieder ausgehen zu können“.

Erstmeldung vom 14. Mai: Am Donnerstagabend (13. Mai) hat das Land Baden-Württemberg die neuen Regeln der Corona-Verordnung notverkündet, sie tritt am Freitag (14. Mai) in Kraft. In drei Stufen soll das öffentliche Leben wieder geöffnet werden. Wie erwartet dürfen Gastronomiebetriebe in Stadt- und Kandkreisen, in denen die Inzidenz an fünf Tage in Folge unter 100 liegt, wieder Gäste bewirten. Im ersten Öffnungsschritt zunächst zwischen 6 und 21 Uhr, im zweiten von 6 bis 22 Uhr. Zur Überraschung vieler Wirte lassen die neuen Corona-Regeln auch Gäste im Innenbereich zu ‒ im ursprünglichen Stufenplan des Sozialministeriums war in der ersten Stufe nur von einer Öffnung der Außengastronomie die Rede.

In Heidelberg lag die 7-Tage-Inzidenz zuletzt am 24. April über 100 ‒ gelten die Lockerungen dann sofort? Nein, klärt ein Stadtsprecher auf Anfrage von HEIDELBERG24 auf: Das zuständige Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises muss zunächst noch formal bekanntmachen, dass die Inzidenz in der Universitätsstadt an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 war. Die Lockerungen der neuen Corona-VO würden dann ab dem Folgetag, also ab Samstag (15. Mai) gelten. Das Gesundheitsamt hat die formal notwendige Bekanntmachung am Freitag (14. Mai) veröffentlicht, teilt die Stadt Heidelberg mit. Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos): „Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht. Das ist eine tolle Perspektive, aber auch eine riesige Herausforderung für Gastronomie und Hotellerie und eine große Verantwortung für uns alle.

Kurzfristige Gastro-Lockerungen: Überraschung und Vorfreude bei Wirten

Wie im vergangenen Jahr müssen Wirte Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen, das ist jetzt auch digital möglich. Gäste müssen einen negativen Test vorlegen, genesene und voll geimpfte Personen sind von der Testpflicht befreit. Weiterhin gilt auch eine Maskenpflicht. Wie reagieren Heidelberger Gastronomen auf die anstehenden Lockerungen? Grundsätzlich ist bei den meisten Wirten in Heidelberg die Freude groß, dass es endlich wieder losgeht. Die vergleichsweise kurzfristigen Lockerungen stellen einige aber auch vor Herausforderungen. Auch wenn die Öffnungen „überraschend“ kommen, wird das Bootshaus definitiv öffnen, berichtet etwa Fritz Ueberle, der auch das Berghotel am Königstuhl betreiben wird. Auf der Terrasse des Bootshaus finden nach den neuen Regeln 60 Gäste Platz, innen rund 50, meint Ueberle. Ein konkretes Öffnungsdatum für den Berggasthof gibt es noch nicht.

Sobald man die Vorgaben der neuen Verordnung umsetzen kann, will das Hemingway‘s in der Fahrtgasse „noch vor Pfingsten“ öffnen, sagt Betriebsleiter Jan Rische. „Wir und alle unsere Mitarbeiter freuen uns auf die Wiedereröffnung und können es kaum noch abwarten, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen“. Bis dahin müssen sukzessive Geräte und Systeme wieder in Betrieb genommen sowie das Lager aufgefüllt werden. „Nach so langer Durststrecke“ ist man auch im P11 (Café am Römerkreis) über die anstehenden Lockerungen „extrem glücklich“, erzählt Peter Filsinger, wendet aber auch ein: „Eine Eilverordnung am Feiertag ist schon ein sehr schlechter Witz. So spontan werden wohl die wenigsten in der Lage sein, wieder zu öffnen.“ Von der Politik fordert Filsinger seit letzten Sommer einen „Fahrplan mit klaren Regelungen, was, wann und wie möglich ist oder eben nicht, wenn verschiedene Szenarien eintreten“. Vorerst werden sich im P11 18 Gäste aufhalten können, auf der Terrasse etwa doppelt so viele.

Heidelberg: Gastronom will „mit aller Gewalt aufmachen“

Wir werden mit aller Gewalt aufmachen“, sagt hingegen Joachim von der Linde, der in Neuenheim die Bar Centrale, das River Café, das Schulzi sowie das BräuStadel am Mathematikon betreibt: „Nixtun ist auf Dauer auch keine Option.“ Wie bei den Gastroöffnungen im vergangenen Jahr sei wieder alles sehr kurzfristig, deshalb werde man nicht alle Läden „komplett hochfahren“, sondern zunächst eine kleinere Karte anbieten. Rund 50 Festangestellte arbeiten in seinen Betrieben, erzählt von der Linde im Gespräch mit HEIDELBERG24. Falls ein Gast mal keinen aktuellen Test vorweisen könne, kann er einen Schnelltest im Laden zum Selbstkostenpreis erstehen ‒ dafür habe er extra 1.000 Tests geordert. Zudem werde das Testzentrum im Bürgerhaus Neuenheim extra auch am Sonntag öffnen, lässt von der Linde wissen.

Das River Café in Neuenheim öffnet am 15. Mai wieder.

Essighaus öffnet 14 Tage später

Im Essighaus in der Plöck war man beispielsweise von Öffnungen um Pfingsten herum ausgegangen. Nachdem es zunächst hieß, zuerst sollte Außengastronomie wieder erlaubt werden, war für die Betreiber eigentlich klar: das Essighaus bleibt weiter geschlossen. Das wird sich auch vorerst nicht ändern. „Der Schnellschuss mit der Öffnung der Innenbereiche kam für uns zu schnell“, sagen sie.

Das Essighaus öffnet am 28. Mai wieder.

Zwar könnte nach den neuen Regeln im Innenbereich des Traditionslokals 51 Gäste bewirtet werden, dennoch müsse man sich gut überlegen, „was aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht“. Immerhin biete das Essighaus normalerweise bis 23:30 Uhr warme Küche an ‒ jetzt wäre die Küche nur bis 20:30 Uhr geöffnet. Um die Gaststätte wieder zum Laufen zu bringen, brauche es etliche Tage ‒ Nahrungsmittel und Bierbestände müssen aufgefüllt, Speisen teilweise vorgekocht und Mitarbeiter zurückgeholt werden. Deshalb wird das Essighaus ‚erst‘ in zwei Wochen (Freitag, 28. Mai, 17 Uhr) öffnen.

Gastro-Lockerungen in Heidelberg: Personal wird zur Herausforderung

Die größte Herausforderung in den kommenden Wochen wird die Personalsuche, darin sind sich die Wirte einig. „Ein Großteil unseres Teams besteht aus Werkstudenten und Aushilfen, der lange Lockdown hat dazu geführt, dass sich viele von ihnen nach einer Alternative umschauen mussten“, lässt Hemingway‘s-Betriebsleiter Rische wissen. Für den Start habe man im P11 zwar ausreichend Personal, dafür mangele es noch Küchenpersonal. Eventuell werde man das Angebot beim Mittagstisch vorerst reduzieren, sagt Filsinger.

Auch in seinen vier Betrieben „fehlt an allen Ecken und Enden Personal“, erklärt Joachim von der Linde. Viele Minijobber in der Gastro haben sich wegen des monatelangen Lockdowns anderweitig umgeschaut. „Eine unserer Mitarbeiterinnen arbeitet jetzt im Impfzentrum“, erzählen beispielsweise die Essighaus-Betreiber. Die könne man nicht so kurzfristig zurückholen. Jetzt hoffen viele Wirte, dass ihre Mitarbeiter zurückkommen. Immerhin könne man mit Zuschlägen und Trinkgeld im Service gut verdienen. Dazu braucht es aber eine langfristigere Perspektive, meint Fritz Ueberle. (rmx)

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