Sofort-Maßnahme

Verkehrschaos im Feld: Was bringt ein P&R-Parkplatz an der A5?

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Blick auf das Handschuhsheimer Feld (Luftbild).

Heidelberg-Handschuhsheim - Ende 2018 sickerte durch, dass die Stadt in der Nähe der A5 bei Dossenheim einen P&R-Parkplatz samt Shuttle-Bus einrichten will. Wo der Bus lang fahren soll: 

Eine Buslinie durchs Handschuhsheimer Feld?

Oberbürgermeister Eckart Würzner sieht darin kein Problem: „Bei meinem Haus fahren täglich auch im 20-Minuten-Takt Busse vorbei. Deshalb halte ich die Shuttle-Busse für vertretbar“, sagt das Stadtoberhaupt beim Neujahrsempfang des Stadtteilvereins Handschuhsheim am Sonntag (6. Januar).

P&R-Parkplatz und Shuttle-Bus durchs Feld

Um die angespannte Verkehrssituation im Neuenheimer Feld zu entzerren, will die Stadt in der Nähe der A5 bei Dossenheim einen Park&Ride-Parkplatz einrichten, von dem aus Shuttle-Busse Pendler ins Neuenheimer Feld bringen soll. Für den geschotterten Parkplatz am nördlichen Ende der Farrwiesenäcker würden rund 10.000 Quadratmeter Ackerfläche versiegelt werden. Neben 400 Parkplätzen sollen Bushaltestellen, Fahrradabstellanlagen und eine Next-Bike-Station errichtet werden.

Unseren Informationen zufolge soll der Shuttle-Bus von den Spitzäckern über den Allmendpfad fahren, am Klärwerk abbiegen und über die Verlängerung der Tiergartenstraße (Fennenbergerhöfe) bis ins Neuenheimer Feld fahren. Der Haken: Für den Busverkehr müssten teilweise holprige Feldwege zweispurig ausgebaut werden, damit die Busse aneinander vorbeifahren können.

Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung rund 5 Millionen Euro für die Maßnahme in den Haushalt 2019/20 eingestellt.

Kommt erst der Bus, dann der ‚normale‘ Verkehr? 

Auch wenn das Sofort-Programm von der Verwaltung lediglich als „Provisorium“ bezeichnet wird, befürchten viele Handschuhsheimer, dass mit der provisorischen Maßnahme am Masterplanverfahren vorbei Fakten geschaffen werden, die den seit Jahren diskutierten Nordzubringer ins Neuenheimer Feld zur Folge haben.

Dabei würde der P&R-Parkplatz nahe der A5 den Verkehr auf der Dossenheimer Landstraße nur um 2 Prozent reduzieren, auf der Ernst-Walz-Brücke nur um 0,1 Prozent. Zu diesem Schluss kommt Systemanalytiker Dieter Teufel vom Umwelt- und Prognoseinstitut (UPI). 

Sollte der P&R-Platz tatsächlich eingerichtet werden, könnte das für viele Einpendler aus dem Norden den Anreiz erhöhen, mit dem eigenen Wagen bis in direkte Feldnähe zu fahren: Bislang müssten ÖPNV-Nutzer, die aus dem Norden ins Feld kommen, drei Mal umsteigen – mit der P&R-Option an der A5 nur ein Mal, argumentiert Teufel

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Sinnvoller wäre es aus Sicht von Teufel, alle Parkplätze im Neuenheimer Feld kostenpflichtig zu machen. Dafür sollen die großen Institutionen im Feld ihren Mitarbeitern den Sockelbeitrag des Job-Tickets finanzieren. Zeitgleich müsste die Taktung im ÖPNV erhöht werden, um die Attraktivität zu erhöhen. 

Zudem müsste ein Weg gefunden werden, dass mehr Leute in einem Auto ins Feld fahren, fordert Teufel. Startups wie Matchrider bieten bereits Apps, die Fahrgemeinschaften organisieren. Schon eine relativ geringe Erhöhung des „Pkw-Besetzungsgrads“ von derzeit 1,25 auf 1,4 könnte die Summe der Autofahrten ins Feld um 10 Prozent reduzieren helfen, rechnet Teufel – das ist eine fünf Mal höhere Reduktion als durch den P&R-Platz im Handschuhsheimer Feld.     

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Am 23. Januar soll das Thema im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss (17 Uhr) besprochen werden. Den Bezirksbeiräten soll die Maßnahme bislang nicht vorgelegt werden. Es könnte aber sein, dass der SEVA das Thema in die Bezirksbeiräte verweist. 

rmx

Quelle: Heidelberg24

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