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Heidelberg: Einzelhandel in Corona-Not – warum die Weihnachtszeit entscheidend wird

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Die verschärften Corona-Maßnahmen werden auch die Krise im Einzelhandel weiter vergrößern, befürchtet der nordbadische Handelsverband. Schon jetzt sind Umsatzeinbußen enorm:

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch (25. November) die verschärften Corona-Regeln bis Jahresende festzurrte, dürfte vielen Einzelhändlern in Heidelberg bereits klar gewesen sein, dass die Einschränkungen das ohnehin schon schleppende Geschäft weiter erschweren dürften. Dabei hatte der stationäre Handel in Deutschland schon vor dem Virus Schwierigkeiten, in vielen Einkaufstraßen mehren sich die Leerstände. Corona verschärft diese Krise.

Laut einer Erhebung des Handelsverbands Deutschland (HDE) hat die Pandemie den Strukturwandel hin zum Online-Geschäft verstärkt: Während der Gesamthandel im Jahr 2020 einen Zuwachs von rund 1,5 Prozent verzeichnet, hat der Online-Handel im gleichen Zeitraum um 15 Prozent angezogen. Online wird der Handel im Weihnachtsgeschäft sogar um 19 Prozent wachsen, insgesamt aber „nur“ um 1,2 Prozent. Dieses strukturelle Problem bekommen auch die Einzelhändler in Heidelberg verstärkt zu spüren, bilanziert der Vorstand des Handelsverband Nordbaden, Swen Rubel.

Heidelberg: Fast die Hälfte der Einzelhändler mit ein Drittel weniger Umsatz

Zwei von drei Einzelhändler in Heidelberg vertreiben ihre Waren ausschließlich im Laden, nur jeder Dritte „leistet“ sich gleichzeitig auch einen Online-Shop. Über 50 Prozent der Inhaber empfinden die Stimmung ihrer Kunden als „mittelmäßig“, ein Fünftel sogar als „schlecht“. Eine Verbraucherbefragung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zeigt außerdem: Kunden kaufen dieses Jahr verstärkt im Heimatort und weniger in der näheren Umgebung. Auch das ist in Heidelberg zu spüren. Fast 40 Prozent der Befragten geben zudem an, sich durch Masken in ihrem Konsumverhalten eingeschränkt zu fühlen.

Die Altstadt von Heidelberg gleicht am Freitagabend einer Geisterstadt.
Kommen mit den neuen Corona-Regeln noch schwerere Zeiten auf den Einzelhandel in Heidelberg zu? © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand

Speziell für Händler von Schuhen, Bekleidung, Schmuck und Uhren sei 2020 ein schwieriges Jahr, erklärt Rubel. Das Einkaufsflair leide momentan auch an den geschlossenen Cafés, Kneipen und Restaurants. Fast die Hälfte der Händler in Heidelberg hat im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent verzeichnet, jeder zweite Inhaber fast ein Drittel weniger Kunden. Den „Lockdown light“ habe die Politik vorteilhaft für den Handel dargestellt, schließlich bleibe ja alles geöffnet. Gleichzeitig werde aber gemahnt, zuhause zu bleiben und Kontakte zu reduzieren, bemängelt Rubel.

Einzelhandel in Heidelberg will mit besonderen Aktionen punkten

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, versuchen es die Einzelhändler mit Kreativität: einige wollen mit Lieferservices, besonderen Einkaufsschecks, Werbekampagne oder anderen Aktionen Kunden in die Stadt locken. Zudem hofft man beim Citymarketingverein Pro Heidelberg weiter auf die Durchführung der Langen Einkaufsnacht am 12. Dezember, verrät dessen Vorsitzende Susanne Schaffner.

Einen Beitrag will auch das Amt für Wirtschaftsförderung leisten: Anfang Dezember bekommen 130.000 Heidelberger über 16 Jahren einen „Dankeschein“ zugeschickt. Damit können Kunden ihre Lieblings-Läden, -Vereine oder -Betriebe unterstützen, erklärt Matthias Friedrich von der Wirtschaftsförderung. Kunden die für mindestens zehn Euro eingekauft haben, können den „Dankeschein“ bei ihrer Lieblings-„Dankstelle“ abgeben. Der betreffende Laden muss den „Dankeschein“ einfach nur einscannen und bekommt von der Stadt noch einmal zehn Euro geschenkt. Gut 200 „Dankstellen“ haben sich mittlerweile registriert. Welche das sind, findet man unter „vielmehr.heidelberg.de“.

Handelsverband kritisiert Quadratmeterregel

Kritik übt der Handelsverband an der erneut beschlossenen Beschränkung der zulässigen Kundenzahl. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Politik nicht aus „ihren Fehlern im Frühjahr“ gelernt habe, ärgert sich Rubel. Besonders kleine Läden könnten die Quadratmeter-Regelung fast nicht umsetzen, erklärt Karaaslan. Wenn sich in kleinen Geschäften nur ein Kunde aufhalten darf, würden die ohnehin schon schmalen Umsätze zusätzlich kleiner.

Und auch in Supermärkte dürften die neuen Regeln für längeres Anstehen und „Chaos im Vorweihnachtsgeschäft“ sorgen. Denn: Fast jeder Lebensmittelmarkt sei größer als 800 Quadratmeter. Die Regel schreibe bis 800 Quadratmeter 10 Quadratmeter Platz pro Kunde vor, ab 800 aber 20 Quadratmeter. Beim Handelsverband befürchtet man schon wieder Hamsterkäufe, wenn „riesige Schlangen den Eindruck von erhöhter Nachfrage und Warenknappheit vermitteln.“ Diese Entwicklung gelte es unbedingt zu vermeiden. (rmx)

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