Podiumsdiskussion im Urban Kitchen

„Neuer Betriebshof auf die nächsten 10 bis 20 Jahre zukunftsfähig“

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Podiumsdiskussion zum Betriebshof am Ochsenkopf.

Heidelberg - Betriebshof verlagern und dafür das Zentrum von Bergheim für günstiges Wohnen und einen Stadtpark frei machen? Darüber wird am Mittwoch im Urban Kitchen diskutiert. 

Es wird das stadtpolitische Thema des Sommers: Wird der neue RNV-Betriebshof auf der Ochsenkopf-Wiese gebaut oder nicht? Eine Bürgerinitiative startet nach der Gemeinderatsentscheidung im Dezember 2018 eine Unterschriftensammlung. Seit vergangener Woche steht fest: Die Heidelberger Bürger werden am 21. Juli über die Ochsenkopf-Wiese als Betriebshof-Standort entscheiden.

Wie bei der Veranstaltung vergangene Woche im Literaturcafé gehen die Meinungen für und gegen einen Betriebshofneubau am Großen Ochsenkopf auch bei der von der CDU initiierten Podiumsdiskussion am Mittwoch (15. Mai) im Urban Kitchen weit auseinander. 

Bergheim wird das Stadtzentrum der Zukunft

Architekt Dirk Rulffes, der mit dem Verein „Neckarorte“ die Stadt wieder näher an den Fluß bringt, regt zu einem „Blickwechsel“ an und zeigt in seinem Eingangs-Statement anhand von Luftbildern die Stadtentwicklung. Seit 1900 wandere das Zentrum von der Altstadt aus kontinuierlich nach Westen, deshalb ist für Rulffes klar: „Bergheim wird das Stadtzentrum der Zukunft.“ Dort brauche es dann auch Grünflächen und Wohnanlagen, aber keinen Betriebshof.  

Stadtrat Alexander Föhr (CDU) zeigt Verständnis für die Bürgerinitiative und die Menschen, die die Grünfläche erhalten wollen. Aber: „Was bedeutet es, wenn in der Mitte von Bergheim so ein Funktionsgebäude steht? Nach Abwägung aller Argumente wie bezahlbares Wohnen und einem Stadtpark in der Stadtmitte spricht mehr für die Verlagerung als dagegen“, findet Föhr.

Wir sollten Grünflächen dauerhaft erhalten“, kontert Rainer Zawatzky, der mit der Bürgerinitiative über 10.000 gültige Stimmen für einen Bürgerbegehren gesammelt hat. „Die Ochsenkopf-Wiese ist die größte Naherholungsfläche in Bergheim. Hier stehen 100 große Bäume. Hier leben Solitär- und Soziale Bienen, die Fläche ist Lebensraum für Heckenbrüter.“ Mit dem bestehenden Betriebshof an der Bergheimer Straße gebe es schon einen idealen Standort, auf dessem Dach auch noch zusätzliche Wohn- und Gewerbeflächen gebaut werden könnten.

Hans-Jörg Kraus (CDU) erinnert daran, dass die Ochsenkopf-Wiese „kein ewiges Biotop ist, sondern immer noch eine ausgewiesene Gewerbefläche“, die eben nicht als Naherholungsgebiet genutzt werde. Kraus zufolge sollte Heidelberg mit der „Ressource Fläche“ schonend umgehen. Wenn man den Betriebshof schon überbauen wolle, dann „sollten wir 400 bis 500 Sozialwohnungen darauf bauen.“    

Kritik am Flyer, mit dem die Bürgerinitiative während der Unterschriftensammlung geworben hat, übt indes Heinrich Hörtdörfer. In Wahrheit gehe kein Luftstrom des Neckartälers über die Ochsenkopf-Wiese in ein Wohngebiet. „Zu behaupten, da fließe Luft nach Wieblingen und in den Pfaffengrund ist wissenschaftlich unterste Schublade“, moniert Hörtdörfer. Inzwischen, mutmaßt der ehemalige SPD-Bezirksbeirat für Bergheim, habe die Bürgerinitiative wohl gemerkt, dass das Thema Kaltluft nicht so ein wichtiger Aspekt ist. 

Kurz vor der Internationalen Klimakonferenz, die am 22. und 23. Mai in Heidelberg stattfindet, ruft OB Eckart Würzner für Heidelberg den „Klimanotstand“ aus.  

Was wird aus Bergheim? Die Diskussion

Prinzipiell müssen man sich fragen, was wichtiger sei, argumentiert Föhr: „Bergheim eine Perspektive geben oder die Grünfläche am Großen Ochsenkopf und damit den Status quo erhalten?“. 

Gesamt-Heidelberg ist in einer Zwickmühle“, ergänzt Rulffes. Seit über zwanzig Jahren diskutiere man über die Entwicklung von Bergheim. Schon der Stadtteilrahmenplan von 1997 priorisiert eine Verlagerung des Betriebshofs an den Ochsenkopf. Die spannende Frage sei doch: „Falls die Ochsenkopf-Wiese durch den Bürgerentscheid geschützt wird, bauen wir dann die neue Stadtmitte mit einem Betriebshof zu?“ Und an Zawatzky gerichtet fragt Rulffes: „Was passiert mit der Fläche, falls sie gerettet wird? Damit wäre sie ja für drei Jahre geschützt.

Davon träumen wir halt“, antwortet Zawatzky. „Die Stadt hat über 200 Hektar Konversionflächen hinzu bekommen, wieso braucht man da die drei Hektar am Ochsenkopf?“ Ein positiver Bürgerentscheid bedeute keinen dauerhaften Schutz, weiß Wolfgang Weber, „dazu muss der Gemeinderat den Flächennutzungsplan ändern.“ Es sei ein „Trugschluss“ zu glauben, dass die Konversionsflächen ausschließlich für Wohnen und Gewerbe genutzt würden, erklärt Kraus. Schließlich seien in der Südstadt mit dem „Grünen Band des Wissens“ und dem „Anderen Park“ auch große Grünflächen geplant. 

Für Bergheim sei es wichtig, „ein neues Quartier, ein neues Zentrum, und damit auch alle Chancen zu bekommen“, fordert Föhr. Dazu müsse der Betriebshof eben verlagert werden. Dafür bekomme man günstiges Wohnen im künftigen Stadtzentrum. Aus stadtplanerischer Sicht sei es wünschenswert, dass wir die Stadtmitte „frei bekommen, die momentan noch durch den Betriebshof belegt ist“, sagt Rulffes. Ob der dann allerdings auf die Grünfläche am Ochsenkopf verlegt werden müsse, sei zumindest diskutabel. Genau das fordert der Stadtteilrahmenplan seit 1997 vom Gemeindratrat, erinnert Hörtdörfer. Bergheim sei zu lange „stiefmütterlich behandelt worden“ und habe es verdient, dass das Zentrum nicht mehr länger von einem Betriebshof versperrt ist.    

Preiswertes Wohnen nach dem Hospital-Prinzip sei am jetzigen Betriebshof-Standort gar nicht möglich, moniert Weber. Dafür seien die Grundstückspreise an der Bergheimer Straße einfach viel zu hoch. Günstiger Wohnraum lasse sich auch „woanders“ bauen.

Wie zukunftsfähig wird ein neuer Betriebshof am Ochsenkopf?

Sollte der Betriebshof an den Großen Ochsenkopf verlagert werden, wie es der Gemeinderat beschlossen hat, würden acht bis zehn Jahre bis zu seiner Fertigstellung vergehen, warnt Weber. Wenn man die Fläche um die Alte Feuerwache erweitert, könnte man einen zukunftsfähigen Betriebshof auch am jetzigen Standort realisieren. 

Ein Umbau im laufenden Betrieb ist logistisch eine viel größere Herausforderung als ein Neubau an einem anderen Standort“, erklärt Föhr. Bei den Diskussionen dürfe man auch nicht die RNV-Mitarbeiter vergessen, die unter schlechten Bedingungen arbeiten müssten. Dass am neuen Betriebshof elf Busse woanders abgestellt werden müssten, sei auch nicht mehr aktuell.  

Ohnehin sei die Zukunftsfähigkeit eines neuen Betriebshofs für zehn bis 20 Jahre gewährleistet, verrät Moderator Dr. Wolfgang Heindl (CDU). Das habe ihm ein Planer von der RNV gesagt. RNV-Pressesprecher Moritz Feier bestätigt am Donnerstag (16. Mai) die Angaben auf Anfrage von HEIDELBERG24: „Die Angaben sind seriös. Für mögliche Straßenbahnstrecken ins Neuenheimer Feld, nach Schwetzingen oder ins PHV hätten wir am neuen Standort genügend ‚Aufwuchsfähigkeiten‘. Auch im Busbereich haben wir Erweiterungskapazitäten. Das schließt auch den Ersatz bestehender Buslinien durch E-Busse ein.“ 

Wie es über den Zeitraum von 20 Jahren hinaus weitergeht ist indes offen. Angesichts von geplanten Kosten von 87 Millionen Euro für einen Neubau am Ochsenkopf ist die Frage der langfristigen Zukunftsfähigkeit des Betriebshofs allerdings alles andere als trivial … 

Teilnehmer Podiumsdiskussion

  • Alexander Föhr (CDU, Listenplatz 2)
  • Hans-Jörg Kraus (CDU, Listenplatz 16)
  • Dirk Rulffes (Architekt, Vorsitzender Verein Neckarorte)
  • Rainer Zawatzy (DKFZ, BUND, Mit-Initiator Bürgerbegehren Ochsenkopfwiese)
  • Wolfang Weber (Bürgerinitiative Bündnis Klimaschutz Heidelberg)
  • Heinrich Hörtdörfer (SPD, ehemaliger Bezirksbeirat Bergheim)

Moderation: Dr. Wolfgang Heindl (CDU, Listenplatz 17)

rmx

Quelle: Heidelberg24

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