Landgericht Heidelberg

In Flüchtlingsheim gezündelt: Das Urteil

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Einer der Angeklagten soll an sechs verschiedenen Stellen in der Flüchtlingsunterkunft gezündelt haben.

Heidelberg - Nach einem feuchtfröhlichen Abend bei Bekannten in einer Flüchtlingsunterkunft soll Adil M. mehrere Gegenstände angezündet haben. Jetzt wurde das Urteil gesprochen:

Im Oktober 2015 soll der 25-jährige Adil M. mehrere Gegenstände in einer Flüchtlingsunterkunft in Heidelberg-Pfaffengrund angezündet haben. Sein 27-jähriger Bekannter Mohamad R. soll ihn dabei begleitet haben. Bei den Tätern handelt es sich um zwei pakistanische Staatsangehörige, Mohamad R. ist selbst ehemaliger Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft (WIR BERICHTETEN). 

Nun fällte das Landgericht Heidelberg das Urteil. M. wurde der Sachbeschädigung in fünf tateinheitlichen Fällen und der versuchten Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung für ein Jahr und fünf Monate auf Bewährung schuldig gesprochen.

Sein Komplize R. wurde wegen Beihilfe zur Sachbeschädigung und der Beihilfe zur versuchten Brandstiftung in Tateinheit mit Brandstiftung zu acht Monate auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit wurde jeweils auf einen Zeitraum von drei Jahren ausgesetzt.

Versuchte schwere Brandstiftung an Flüchtlingsunterkunft

Am Montagmorgen, 21. März, kommen beide Angeklagte mit Fußfesseln in den Verhandlungssaal am Heidelberger Landgericht. Adil M. (25) zieht die Kapuze seines Pullovers tief ins Gesicht. Der zweite Angeklagte, Mohamad R. (27), betritt den Saal mit verschränkten Armen. Die beiden Angeklagten schauen sich nicht in die Augen, beachten sich kaum.

Zwei Polizeibeamte, die mit dem Fall betraut waren, werden befragt. Anschließend trägt eine Gutachterin ihre Ergebnisse vor. Auffällig: Adil M. erinnert sich während seinen Vernehmungen an zahlreiche Details des Tatabends, ebenso auch an Einzelheiten, die sich nach der Tat zugetragen haben. Zu dem Vorfall selbst will oder kann er sich jedoch nicht äußern: „Genau weiß ich nicht, dass ich das gemacht habe. Wenn mich jemand gesehen hat, dann habe ich das Feuer gemacht“, wird aus einem Vernehmungsprotokoll verlesen. 

Die Plädoyers:

Staatsanwaltschaft: Der Staatsanwalt erklärt, dass an der Schuld von Adil M. kein Zweifel besteht. Er soll zwar nicht unbedingt mit der Absicht, das Gebäude in Flammen aufgehen zu lassen, gehandelt haben – dafür soll er es aber zumindest billigend in Kauf genommen haben. Ihm wird besonders schwere Brandstiftung zu Last gelegt. Zudem wird ihm versuchte Brandstiftung in Tateinheit mit einer Sachbeschädigung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert daher eine Gesamtstrafe von drei Jahren für Adil M. 

Mohamad R. soll sich dagegen der psychischen Beihilfe schuldig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft hält eine Strafe von zwei Jahren für gerechtfertigt. Zudem sollen die Beschuldigten die Kosten des Verfahrens tragen. 

Anwalt Adil M.: Auch der Verteidiger von Adil M. kommt zu dem Ergebnis, dass sein Mandant die Tat ausgeübt hat, jedoch geht er davon aus, dass Adil M. sich nicht über die Schwere der Tat im Klaren war. „Eine Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes.“ Zudem gibt er zu bedenken, dass der Angeklagte bereits mehr als fünf Monate in Untersuchungshaft verbracht und deshalb seinen im Januar geborenen Sohn noch nie zu sehen bekommen hat. Der Anwalt fordert ein Strafmaß von neun Monaten zur Bewährung ausgesetzt. Der Haftbefehl soll aufgehoben werden. Adil M. selbst entschuldigt sich in gebrochenem Deutsch, betont jedoch erneut, sich nicht an die Tat erinnern zu können. 

Anwalt Mohamad R.: Der Anwalt von Mohamad R. gibt zu Bedenken, dass es für eine psychische Beihilfe mehr als nur der bloßen Anwesenheit bedarf. Er fordert deshalb den Freispruch für seinen Mandanten. Der Haftbefehl soll aufgehoben und eine Entschädigung ausgezahlt werden. Der Angeklagte Mohamad R. entschuldigt sich ebenfalls und bittet um Verzeihung. Betont aber, dass er es nicht getan hat.

Hintergrund

Die beiden Angeklagten verbringen einen feuchtfröhlichen Abend bei Bekannten, die in der Flüchtlingsunterkunft Henkel-Teroson-Straße wohnen. Beide sind deutlich betrunken, Adil M. soll einen Alkoholpegel von 2,24 Promille, Mohamad R. einen Alkoholwert von 1,93 Promille gehabt haben. 

Als die beiden die Wohnung des Bekannten verlassen, soll Adil M. an sechs Stellen in und in der direkten Umgebung der Flüchtlingsunterkunft Gegenstände mit einem Feuerzeug Gegenstände angezündet haben. Ein Brandbeschleuniger wurde nicht verwendet. Mohamad R. soll während der Taten neben Adil M. gestanden haben und keine Einwände gegen das Zündeln vorgebracht haben. Dadurch soll er M. in seinem Handeln bestärkt haben.

Nur durch Zufall haben Bewohner des Heims das Feuer entdeckt, es konnte daraufhin schnell gelöscht werden. Insgesamt soll ein Sachschaden von geschätzten 500 Euro entstanden sein, verletzt wurde niemand. 

Die Motive sind auch nach Abschluss der Verhandlungen unklar. Es wird davon ausgegangen, dass Adil M. spontan in seinem Rausch gehandelt hat. Ein Streit oder eine Verängerung soll nicht vorausgegangen sein. 

mk

Quelle: Heidelberg24

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