Zwischen VRN und GRÜNE

Ärger um Kurzstrecken-Ticket: So viele Haltestellen darfst Du wirklich fahren!

Straßenbahn, Heidelberg, Symbolfoto © HEIDELBERG24/Florian Römer
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Heidelberg soll ein Kurzstreckenticket für den Nahverkehr bekommen.

Heidelberg - Seit Januar gibt es im Nahverkehr das „Kurzstreckenticket für alle“. Doch nun sorgt ein Missverständnis für jede Menge Unmut: Wie viele Haltestellen darf man wirklich fahren?

  • Seit dem 1. Januar 2020 gibt es das Kurzstreckenticket in Heidelberg.
  • Für 1,70 Euro kannst Du vier Haltestellen weit fahren.
  • Ticket gilt 60 Minuten lang. 
  • Missverständnis um Anzahl der Haltestellen sorgt für Unmut. 

Update vom 14. Januar 2020., 15.40 Uhr: Seit dem 1. Januar gibt es das Kurzstreckenticket in Heidelberg. Doch das sorgt jetzt für Ärger bei der Grünen-Fraktion. Der Grund: Statt vier Haltestellen könne man nur drei Haltestellen weit fahren, da bereits der Einstieg mitgezählt werde. Nun stänkert die GRÜNE Gemeinderatsfraktion Heidelberg in einer aktuellen Pressemitteilung gegen den VRN: „Es ist uns völlig unverständlich, wie der VRN die Einstiegshaltestelle mitzählen kann. Dies ist in keiner anderen Stadt mit Kurzstreckentarif üblich. Und absurd würde es dort, wo man – anders als in Heidelberg – das Kurzstreckenticket auch für die S-Bahn nutzen kann, dann aber nur für eine Haltestelle, wie z.B. in Stuttgart. Wir Grüne fordern, dass der VRN den Gemeinderatsbeschluss umsetzen muss, so wie er gemeint war, nämlich einsteigen und VIER Stationen fahren. Die Stadt Heidelberg zahlt ja auch einen entsprechenden Ausgleich dafür.

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Heidelberg: Ärger um Kurzstreckenticket – VRN-Pressesprecher weist Vorwürfe zurück

Axel Thiemann, Pressesprecher der VRN, gibt auf Nachfrage zu: „Ja, die Darstellung war vielleicht zeitweise etwas missverständlich, wurde aber heute entsprechend klarer formuliert und korrigiert. Tatsächlich ist es so, dass die Einstiegs-Haltestelle nicht mitgezählt wird. Dann dürfen vier weitere Haltestellen weit gefahren werden. An der 4. Haltestelle ist der Ausstieg.“ Auch auf der VRN-Seite steht ganz eindeutig beim Kauf eines Kurzfahrtentickets: Einzelfahrschein, gültig im Stadtgebiet Heidelberg für bis zu 4 Haltestellen (die Einstiegshaltestelle zählt nicht mit). Also scheinbar alles nur ein Missverständnis?

Heidelberg: Ärger um Kurzstreckenticket – Bedingungen heimlich korrigiert?

Wie uns Stadtrat Christoph Rothfuß berichtet, habe die VRN jedoch wochenlang „glasklar formuliert“, dass der Einstieg mitgerechnet werde und man mit dem Kurzstreckenticket deshalb nur drei Stadtionen weit fahren könne. „Busfahrer haben dies auch bestätigt“, erklärt er uns am Dienstagnachmittag. Auch ein Schreiben der Stadt Heidelberg, das HEIDELBERG24 vorliegt, bestätigt das: „Der vom VRN beauftragte Gutachter, sowie VRN, rnv und die Stadtverwaltung Heidelberg gingen immer nur von bis zu vier Haltestellen aus. Klar war hierbei, dass die Einstiegshaltestelle bei den Berechnungen mitkalkuliert wurde.“ 

Es sei ein „Unding“, dass die VRN nun eine Korrektur vorgenommen habe, ohne dies zu kommunizieren, sagt Rothfuß empört. Zu Recht, da er sowie die Grüne-Partei wochenlang auf diese Entscheidung gewartet haben. Am Ende können zum Glück trotzdem alle mit dem Ergebnis zufrieden sein – vor allem die Nutzer des Kurzstreckentickets.

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DasKurzstrecken-Ticket gilt im Stadtgebiet Heidelberg für maximal vier aufeinanderfolgende Haltestellen, dabei wird die Einstiegshaltestelle nicht mitgerechnet. Das heißt, ab der Einstiegshaltestelle können vier weitere Haltestellen befahren werden, auch wenn die Haltestellen in verschiedenen Stadtteilen liegen.

Das Stadtteil-Ticket gilt in den Bussen und Straßenbahnen innerhalb eines Heidelberger Stadtteils in der Großwabe Heidelberg und berechtigt zum Befahren von beliebig vielen Haltestellen innerhalb des gewählten Stadtteils. 

Heidelberg: Allgemeine Infos und Preise der neuen VRN Tickets

Beide Tickets kosten 1,70 Euro und gelten für eine Fahrt in eine Richtung. Umsteigen ist gestattet, Rund- und Rückfahrten nicht. Das jeweilige Ticket gilt für 60 Minuten. Gefahren werden kann mit allen Bussen und Straßenbahnen im Stadtgebiet Heidelberg. Die Tickets gelten nicht in den Zügen der Deutschen Bahn und der Abellio GmbH (RB, RE und S-Bahn). Der Verkauf erfolgt zunächst nur beim Busfahrpersonal der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) und an den Fahrscheinautomaten. Das Stadtteil-Ticket gibt es zusätzlich in der Mobilitätszentrale in Heidelberg. 

Hinweis: Aufgrund technischer Probleme in der elektronischen Mobilitätsauskunft kann der Preis für beide Tickets im Moment noch nicht richtig dargestellt werden. Eine Aktualisierung der Preise wird zeitnah erfolgen.

Günstiger ÖPNV „für alle“: Kurzstreckenticket soll 1,70 Euro kosten

Update vom 28. März: Am Donnerstagabend stimmt der Gemeinderat einstimmig für das Kurzstreckenticket. 

Meldung vom 8. März: Heidelberg soll ein Kurzstreckenticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen. Bislang gibt es in der Universitätsstadt das Cityticket für 1,40 Euro, das allerdings lediglich für das Dreieck Hauptbahnhof-Bismarckplatz-Brückenstraße gilt. Wer kein Smartphone besitzt und auf den günstigeren Luftstrecken-eTarif (1,30 Euro plus 20 Cent pro Kilometer) zurückgreifen kann, zahlt selbst für kurze Strecken im Heidelberger Stadtgebiet 2,60 Euro. Das könnte sich im Juni ändern. 

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Kurzstreckenticket soll in Heidelberg eingeführt werden – 4 Haltestellen für 1,70 Euro

In den vorberatenden Gemeinderatsgremien wird derzeit die Einführung eines „Kurzstreckenticket für alle“ diskutiert, mit dem Fahrgäste den ÖPNV für vier Haltestellen oder in einem Stadtteil nutzen können – für 1,70 Euro. Für ein entsprechendes Modell stimmte der Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss einstimmig.

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Schon im Herbst letzten Jahres wurden unterschiedlichen Varianten diskutiert: Die CDU schlug die Einführung eines zeitbasierten Kurzstreckenticket, dessen Gültigkeit auf 15 Minuten begrenzt und vor allem auch „in nicht digitaler Form (Papier)“ zur Verfügung stehen soll, sonst würden Menschen „ausgegrenzt, die kein Smartphone besitzen“. Die SPD wollte lieber ein haltestellenbasiertes Kurzstreckenticket, mit dem man vier Haltestellen oder innerhalb eines Stadtteils fahren kann. „Für kurze Strecken betrachtet ist eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum regulären Fahrpreis in Relation zur Beförderungsstrecke sehr teuer“, argumentieren die Sozialdemokraten. Mit dem haltestellenbasierten Ticket wolle man diesem Effekt entgegenwirken. Auf einen Grünen-Vorschlag geht der Preis für das Kurzstreckenticket zurück: „Alle Bevölkerungsgruppen, aber besonders Bürger mit geringem oder sehr geringem Einkommen sind auf günstige Beförderungstarife angewiesen“, deshalb schlagen die Grünen ein Kurzstreckenticket für vier Haltestellen für 1,70 Euro vor.

Mehrkosten für Einführung des Kurzstreckentickets in Heidelberg durch Haushalt gedeckt?

Ein zeitbasiertes Kurzstreckenticket für 1,70 Euro würde Mindereinnahmen von rund 864.000 Euro jährlich zur Folge haben. Das haben VRN, RNV und ein Gutachterbüro errechnet. Von den 2,3 Millionen Fahrgästen pro Jahr nutzen rund 446.000 den City-Tarif, der bei Einführung des Kurzstreckentickets entfallen soll. Hinzu kämen wohl 123.000 neue Kunden für das Kurzstreckenticket. Für ein zeitbasiertes Ticket müssten RNV und BRN die bestehende Entwertertechnologie ersetzen – einmalige Zusatzkosten: mindestens 1 Million Euro.

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Das haltestellenbasierte Kurzstreckenticket würde im Nahverkehr Mindereinnahmen von 221.000 Euro pro Jahr bedeuten. Bei dem Modell wird mit rund 264.000 Kurzstreckenticketkunden gerechnet. Nur geringfügig höher wären die Mindereinnahmen für das Kurzstreckenticket plus Stadtteil: Die Mindereinnahmen liegen hier laut Berechnungen bei 224.000 Euro jährlich

Im Doppelhaushalt 2019/20 sind für die Einführung des Kurzstreckentickets 250.000 Euro eingestellt. Ob die Finanzmittel für die Einführung eines Tickets und zusätzlich entstehende Kosten reichen, sollen die Verkehrsbetriebe bis zur kommenden Gemeinderatssitzung (28. Dezember, 16:30 Uhr) klären.

Die Stadt Heidelberg will in den kommenden Jahren mehr Anreize für den ÖPNV schaffen und dem Autofahren entgegenwirken. So will die Stadt bis 2022 die Parkgebühren für Autos verdoppeln und den ÖPNV durch die Mehreinnahmen ausbauen.

Heidelberg und Leimen haben mit dem Bau einer Radwegtrasse begonnen, die beide Städte verbinden und die Radweglücke schließen soll.

rmx

Quelle: Heidelberg24

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