1. Mannheim24
  2. Region

Haßloch: Alles aus! GfK beendet Testkäufe in Deutschlands „Musterdorf“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marten Kopf

Kommentare

Marktforschungsprojekt in Haßloch
GfK-Testmarktkarte © dpa/Uwe Anspach

Haßloch – 35 Jahre lang war die Pfalz-Kommune als „Durchschnittsstadt“ der Testmarkt für ganz Deutschland. Doch zum Jahresende soll damit überraschend Schluss sein:

Als die deutsche „Durchschnittsstadt“ schlechthin ist Haßloch (Rheinland-Pfalz) Testmarkt des Konsumforschungsinstituts „Growth from Knowledge“, besser bekannt unter dem früheren Namen „Gesellschaft für Konsumforschung“ (GfK). Die GfK testet hier neue Markenartikel und Konsumprodukte: Im Haßlocher Einzelhandel sind vorab Produkte erhältlich, die erst viel später im restlichen Deutschland eingeführt werden sollen. In das örtliche Fernsehkabelnetz werden eigens gedrehte Werbefilme für diese Produkte eingeblendet, einzelne Zeitschriften werden speziell für Haßloch, das ‚größte Dorf Deutschlands‘ mit Anzeigen für die neuen Produkte herausgegeben.

Einige Bürger besitzen zudem Testkarten mit Strichcodes, die beim Einkauf gescannt werden, sodass Einkäufe einzelnen Haushalten oder Personen zugeordnet werden können. Aber wie die RHEINPFALZ am Mittwoch (20. Oktober) berichtet, soll zum Jahresende Schluss sein mit eben jener GfK-Testkarte. Zum 31. Dezember wird die GfK die Marktforschung zumindest in dieser Form einstellen. Und das kommt durchaus überraschend. Denn schon seit 35 Jahren, seit 1986 nämlich, wird in Haßloch Marktforschung betrieben.

Testmarkt in Haßloch: „Fragestellung der Kunden hat sich verändert“

In insgesamt neun Märkten konnten die „GfK-Korrespondenz-Haushalte“ ihre Testkärtchen scannen lassen. Ende September schloss ein Real-Markt, zeitgleich stiegen die beiden Aldi-Filialen aus dem Panel aus. Noch vor wenigen Tagen hatte die GfK gegenüber der RHEINPFALZ betont, dass die Real-Schließung und der Ausstieg der beiden Aldi-Filialen nichts am Testmarkt-Konzept ändere. Es sei „überhaupt nicht der Grund“ für das Aus des GfK-Testmarkts in Haßloch, zitiert die Zeitung GfK-Kommunikationsleiter Kai Hummel am Mittwoch.

„Märkte, Produktzyklen wie auch die Bedürfnisse und Fragestellungen unserer Kunden haben sich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie grundsätzlich verändert und beschleunigt“, heißt es in einem Brief, den die Testhaushalte zu Wochenbeginn erhielten. Im Zuge dessen habe die GfK reagiert und „auch das Testmarkt-Konzept in Haßloch eingehend betrachtet“. Nach eingehender Analyse sei man zu dem Ergebnis gekommen, „den Testmarkt in seiner bisherigen Form nur noch bis 31. Dezember 2021 weiterzuführen“. Man wolle die Fragestellungen der Kunden in Zukunft „durch alternative Angebote sowie Neuheiten im Produktportfolio beantworten“. 

Ende der Konsumforschung in Haßloch: GfK bittet um Verständnis

GfK-Unternehmenssprecher Kai Hummel warb im Gespräch mit der RHEINPFALZ um Verständnis: Man habe „zuerst unsere Kunden und die Teilnehmer, die uns schließlich alle ihre Daten anvertrauen“, per Brief „persönlich informieren wollen, bevor wir Informationen auch der Öffentlichkeit bekanntgeben“. Und weiter: „Die Fragen haben sich verändert. Unsere Kunden wollen in Echtzeit wissen, wer ihre Produkte wann, wo und zu welchem Preis kauft.“ Mit reiner Datenübermittlung zu einem späteren Zeitpunkt könne man diesem Bedürfnis nicht mehr nachkommen. GfK habe „eine große Transformation vollzogen“. Das bedeute: „Wir sehen uns selbst nicht mehr als Marktforscher, sondern vielmehr als Daten- und Analytikunternehmen.“

Das Büro in der Leo-Loeb-Straße werde laut GfK analog zum Testmarkt-Ende geschlossen. Davon betroffen seien fünf Mitarbeiter vor Ort. Hummel macht zudem klar, dass das Unternehmen verstehe, dass das Testmarkt-Aus für die Haßlocher auch eine „emotionale Bedeutung“ habe: „Haßloch ist seit Jahrzehnten mit uns verbunden, es kommt in quasi jedem Buch über Marktforschung und in unzähligen Berichten vor.“ (mko)

Auch interessant

Kommentare