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Studentin nach Giftanschlag an TU Darmstadt geschnappt: Ermittler gehen von Schuldunfähigkeit aus

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Von: Peter Kiefer

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Darmstadt - Nach dem Giftanschlag an der TU Darmstadt geht die Staatsanwaltschaft bei der Tatverdächtigen Studentin von Schuldunfähigkeit aus.

Update vom 21. August 2022: Knapp ein Jahr nach dem Giftanschlag an der Technischen Universität (TU) Darmstadt hat die Staatsanwaltschaft die Eröffnung eines Sicherungsverfahrens gegen die Verdächtige beim Landgericht beantragt. Wie Staatsanwalt Ansgar Martinsohn am Sonntag bestätigte, geht die Behörde von der Schuldunfähigkeit der Studentin aus Mainz aus.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die 32-jährige Deutsche in einem Gebäude der TU am 23. August vergangenen Jahres Getränke vergiftet habe. Sieben Menschen wurden dadurch verletzt, einer von ihnen schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Spezialisten entdeckten in Milchtüten und Wasserbehältern eine toxische Substanz. Um welchen Stoff es sich dabei handelte, teilten die Ermittler jedoch bis zuletzt nicht mit, da es sich um Täterwissen handle.

TU Darmstadt : Das Areal um das Gebäude L201 auf dem Campus Lichtwiese wird weiträumig abgesperrt.
Am Tag des Anschlags war das Areal um das TU-Gebäude L201 auf dem Campus Lichtwiese in Darmstadt weiträumig abgesperrt. (Archivfoto) © Alexander Rau/dpa

Die Verdächtige wurde im März dieses Jahres festgenommen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Frau ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit dem Wintersemester 2017 als Studentin der Materialwissenschaften eingeschrieben. Die Behörde wirft ihr versuchten Mord im Zustand der Schuldunfähigkeit vor.

Nach Giftanschlag an TU Darmstadt: Verdächtige Uni-Studentin (32) in Psychiatrie verwiesen

Ursprungsmeldung vom 31. März 2022: Sie haben sie! Einen spektakulären Ermittlungserfolg können Staatsanwaltschaft und Polizei im Fall des sogenannten „Giftanschlags“ auf Angehörige der Technischen Universität (TU) Darmstadt vermelden. Am 23. August 2021 hatte es an der Hochschule sieben Verletzte nach dem Verzehr von verschiedenen Lebensmitteln beziehungsweise Getränken gegeben. Die Opfer kamen mit gesundheitlichen Probleme bis hin zu Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus.

Universität\t\tTU Darmstadt
AdresseKarolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Studentenzahl25.179 (WS 2019/20)
Mitarbeiter4.991 (davon 312 Professoren)
PräsidentinTanja Brühl

Verletzte bei „Giftanschlag“ auf TU Darmstadt – Polizei nimmt verdächtige Frau fest

Aufgrund der schwere der Vorkommnisse hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Mordes eingeleitet. Die Ermittlungen übernahm in der Folge die eigens dafür gegründete Mordkommission „Licht“ des Polizeipräsidiums Südhessen.

Durch intensive Auswertung zahlreicher Spuren ist es den Ermittlern in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft nun gelungen, die vorläufige Unterbringung einer 32-jährigen Frau aus Mainz in eine Psychiatrie zu erwirken. Der Unterbringungsbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Amtsgericht Darmstadt erlassen und am 30. März verkündet.

TU Darmstadt: Beschuldigte Studentin seit vier Jahren an dieser Uni

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen liegen dringende Gründe dafür vor, dass die seit dem Wintersemester 2017 eingeschriebene Studentin der TU Darmstadt aus dem Fachbereich Materialwissenschaften verschiedene Lebensmittel im Gebäude L2/01 mit gesundheitsschädlichen Stoffen versetzt hat.

Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet, da der Verdacht besteht, dass die Beschuldigte, die bisher keine Angaben zu dem Vorwurf macht, aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht schuldfähig ist.

Anschlag auf TU Darmstadt: Über 1.000 Zeugen vernommen

Die Beschuldigte, die zwischenzeitlich aufgrund einer betreuungsrechtlichen Entscheidung untergebracht war, geriet bereits frühzeitig in den Blick der Ermittler. Durch die umfangreichen Ermittlungen und Auswertung zahlreicher Spuren und Datenträger sowie die Abklärung von über 1.000 Zeugen gelang es, den Tatverdacht gegen die Beschuldigte zu erhärten.

Unter anderem konnten die Ermittler aufgrund von digitalforensischen Spuren feststellen, dass sich die Beschuldigte mutmaßlich in der Nacht zum 23. August im besagten Gebäude aufhielt. Darüber hinaus fanden die betroffenen Uni-Mitarbeiter teilweise Erwähnung in schriftlichen Aufzeichnungen der Beschuldigten. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass sich die Beschuldigte von den betreffenden Mitarbeitern verfolgt fühlte.

Sieben Menschen mit Vergiftungserscheinungen an der TU-Darmstadt. (Archivbild)
An der TU Darmstadt gab es im August 2021 sieben Verletzte teils mit Vergiftungserscheinungen. (Archivbild) © Andreas Arnold/dpa

Nach Festnahme einer Verdächtigen: Leiter der Mordkommission zufrieden

„Die im Polizeipräsidium Südhessen im Rahmen der Reform der Kriminalitätsbekämpfung neu eingerichtete und erstmals aufgerufene Mordkommission hat sich bewährt. Vom ersten Tag an haben die Ermittler in akribischer Kleinstarbeit Beweise zusammengetragen, um die Tat aufzuklären“, so der Leiter der Mordkommission „Licht“, Kriminaldirektor Jens Peter Thiemel, zum erfolgreichen Verlauf der Ermittlungen.

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