Polizei ist fassungslos

Heilbronn: Schrecklich! Mann liegt im Sterben – Gaffer halten mit Handys voll darauf

Heilbronn – Immer wieder sorgen Gaffer für Negativ-Schlagzeilen. Nach dem jüngsten Vorfall auf dem Marktplatz in Heilbronn meldet sich die Polizei mit einem emotionalen Appell zu Wort:

  • Baden-Württemberg: In Heilbronn ereignet sich ein unfassbarer Gaffer-Vorfall.
  • Ein Mann (41) liegt am Marktplatz regungslos am Boden.
  • Unzählige Schaulustige filmen anstatt zu helfen.
  • Polizei Heilbronn startet einen eindringlichen Appell auf Facebook.

Hilfsbereitschaft ist die edelste Tugend in einer zivilisierten Gesellschaft – gar nicht vorbildlich verhalten sich am Montagabend (24. August) unzählige Passanten in der Innenstadt von Heidelberg: Nach einem regnerischen Vormittag erstrahlt der Marktplatz in der baden-württembergischen Stadt im idyllischen Abendlicht. Der Platz ist gut besucht, als gegen 18:45 Uhr ein 41-Jähriger leblos am Treppenabsatz der Toiletten liegt. Für den Mann besteht akute Gefahr: sein Gesundheitszustand ist kritisch!

Geil, ein Mensch stirbt?

Statement gegen Gaffer, Polizei Heilbronn

Heilbronn: Schonungslose Kritik der Polizei an voyeuristische Gaffer

Offenbar eilt zunächst niemand dem Wehrlosen zur Hilfe – schlimmer noch, es bildet sich eine nicht unerhebliche Zahl von Schaulustigen um das Geschehen, wobei mitunter auch das ein oder andere Smartphone gezückt wird.

Eigentlich ist die Universitätsstadt Heilbronn bekannt ausgedehnten Rebflächen und wird daher auch gerne Stadt des Weins genannt. Der Vorfall vom Marktplatz wirft nun ein schlechtes Licht auf einige wenige Anwohner. Auch die Polizei zeigt sich fassungslos:

Geil, ein Mensch stirbt? Mal schauen wie lange er es noch packt? Ist er schon tot, oder lebt er noch? Was geht in einem vor, wenn man von einem Notfall ein Foto macht? Erste Hilfe ist auch in Zeiten von Corona möglich. Niemand verlangt, dass man sich hierbei selbst in Gefahr bringt, aber: Menschen ansprechen, Atmung prüfen, Notruf absetzen, ggf. Wiederbelebungs-Maßnahmen einleiten, kann von jedem verlangt werden“, heißt es in einem Facebook-Post der Polizei Heilbronn.

Heilbronn: Polizei kann Schaulustige nicht vom Filmen abhalten

Nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte Heilbronn kämpften diese um das Leben des Mannes. Anstatt die Einsatzkräfte in Ruhe ihre Arbeit machen zu lassen die gerade den Mann reanimierten, versammeln sich sogar immer mehr Schaulustige um die Einsatzstelle.

Weitere Gaffer zücken ihre Smartphones und filmen die Szenerie. Nach Angaben der Polizei Heilbronn sind die Beamten ebenfalls in die lebensrettenden Maßnahmen eingebunden, sodass sie die Schaulustigen nicht davon abhalten können.

Heilbronn: Gaffer können mit Freiheitsstrafen bis zwei Jahre bestraft werden

Das Filmen einer Person in einer hilflosen Lage ist nicht nur moralisch und gesellschaftlich nicht hinnehmbar, sondern auch eine Straftat“, kritisiert die Polizei Heilbronn das Verhalten der filmenden Passanten.

Neben der unterlassenen Hilfeleistung ist auch die Verletzung der Persönlichkeitsrechte des 41-Jährigen eine Straftat. So kann das Filmen und Fotografieren einer hilflosen Person mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sanktioniert werden.

Heilbronn: Polizei appelliert an Vernunft der Bevölkerung

Falls Personen, die zum Gaffen neigen, nicht über moralischen Anstand und Mitgefühl verfügen, sei zudem gesagt: Auch das Smartphone kann die Polizei Heilbronn konfiszieren.

In einer weiteren Pressemitteilung appelliert die Polizei Heilbronn an die Vernunft der Bevölkerung: „Wenn sich ein Mensch in einer hilflosen Lage befindet, dann helfen Sie dem- oder derjenigen. Letztendlich kann jeder einmal in eine solche Situation kommen und Hilfe oder Unterstützung benötigen. In einer solchen Lage gefilmt zu werden, möchte vermutlich niemand“.

So sehr das Verhalten der Gaffer von Heilbronn auch empört; unterlassene Hilfeleistung und Behinderung von Rettungskräften kommen immer wieder vor. Es ist kein Einzelfall, dass Menschen ihre teilweise perverse Schaulust über das Wohl Notleidender stellen. In Innenstädten werden solche Vorfälle zum Drama – wie zuletzt auch in Kaiserslautern, wo 100 Schaulustige die Polizei zwingen Verstärkung zu rufen. (pol/esk)

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa & Wolfram Kastl/dpa

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