Branche am Limit

Friseur-Lockdown: Salon-Besitzer machen ernst – schon neun Klagen gegen Schließungen

Friseure im Lockdown: Ein Salon-Besitzer in Rheinland-Pfalz will gegen die Zwangsschließung klagen – und ist damit nicht allein. Deutschlandweit legen Friseure nun Rechtsmittel ein:

Seit in Deutschland der harte Lockdown im Kampf gegen das Coronavirus in Kraft trat, haben auch Friseure im Bundesland erneut geschlossen. Jetzt wollen mehrere Friseure gegen die coronabedingte Zwangsschließung klagen – darunter auch ein Salon-Betreiber in Rheinland-Pfalz. „Die 46-seitige Klage ist fertig und soll noch am Dienstag ans Verwaltungsgericht Trier gehen“, kündigt
Guido Wirtz in Körperich (Eifelkreis Bitburg-Prüm) an. Wirtz ist mit seiner Klage nicht alleine: Auch weitere Friseure im Bundesland klagen gegen die Schließung von Salons.

Friseure im Lockdown: Bundesweit neun Klagen gegen Schließung der Salons

Wie die FAZ berichtet, gibt es deutschlandweit mittlerweile neun Salonbesitzer, die gegen den Lockdown klagen wollen. Die Friseure klagen in Berlin, Bayern, Thüringen und Hessen. Neben der Klage in Rheinland-Pfalz werden laut Bericht auch noch welche in Baden-Württemberg, Saarland und Bremen vorbereitet. Ziel der Verwaltungsklagen sei es, Lockerungen für das Friseurhandwerk und letztendlich die Öffnung der Salons zu erreichen. Laut FAZ ist es das erste Mal, dass Friseure gegen den Corona-Lockdown Rechtsmittel einlegen.

Friseure im Lockdown: Salon-Besitzer gehen auf die Barrikaden – und klagen gegen Schließung

Friseur Guido Wirtz aus Rheinland-Pfalz ist auch Vorsitzender Landesinnungsmeister beim Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland. „Ich kann nur als Unternehmer klagen, aber wenn ich Recht bekomme, bekommen die anderen Friseure auch Recht.“ Wirtz sagt, er finde es „unerträglich“, dass Friseurbetriebe trotz „perfekter Hygiene- und Schutzkonzepte“ nicht öffnen dürften. Die Salons sind seit Mitte Dezember zu. Viele Unternehmer seien nach all den Wochen finanziell am Limit: Sie und ihre Mitarbeiter würden zunehmend in Schwarzarbeit gedrängt, sagte Wirtz. „Es wird auf die heimische Küche ausgewichen.“ Und dort gebe es weder Mindestabstände noch Masken oder Kontaktdaten-Dokumentation.

Doch nicht nur Schwarzarbeit ist ein Problem bei Friseuren im Lockdown. Zunehmend entsteht auch ein „Haarschneidetourismus“ über die Grenze zum Nachbarland Luxemburg. Denn dort dürfen die Salons seit dem 11. Januar unter strengen Auflagen wieder Kunden bedienen. Friseure aus den Gemeinden an der Grenze zu Deutschland berichten von einer extremen Fülle an Terminanfragen. Laut Guido Wirtz gebe es sogar deutsche Friseure, die ihre Kunden nach Luxemburg führen, um sie dort zu bedienen. „Das geht ja komplett gegen den Sinn der Corona-Verordnungen“, sagte er vergangene Woche zur Deutschen Presse-Agentur.

Friseure im Lockdown: Corona zwingt Salons zu Schließungen – rund 30 Prozent der Betriebe betroffen

Wirtz geht davon aus, dass rund 30 Prozent der Betriebe im Zuge der Corona-Pandemie aufgeben werden. In Deutschland gibt es etwa 80.000 Friseursalons mit rund 240 000 Beschäftigten. Zuletzt hatte der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks die Inhaber der Friseur-Salons dazu aufgerufen, 24 Stunden das Licht anzulassen – von Sonntagmorgen bis Montagmorgen, 1. Februar. Damit wollte die Innung auf die dramatische wirtschaftliche Situation der Branche aufmerksam machen. Der 1. Februar wäre ursprünglich der Tag gewesen, an dem die Friseure hätten wieder öffnen dürfen. (kab)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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