Bestreitet Beihilfe

Angeklagter bei Doppelmord-Prozess: „Mord war nicht geplant!“

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Prozess um Mord an Ludwigshafener Unternehmer Torun: Angeklagter bestreitet Beihilfe (Archivfoto)

Frankenthal - Der Prozess um die mutmaßliche Entführung und Ermordung zweier Geschäftsleute hat einer der drei Angeklagten einem Komplizen die Schuld für den Tod der Männer gegeben:

Am Montag (20. November) liest der Anwalt des 38-jährigen Angeklagten dessen Erklärung vor. Er sei zwar an der Entführung beteiligt gewesen, es sei allerdings abgesprochen worden, dass der 64-Jährige „auf jeden Fall freigelassen wird - auch wenn er nicht zahlt", so der Mann. Auf keinen Fall war geplant, dass er umgebracht wird. Neben dem 38-Jährigen sind ein 49-Jähriger und eine 43-Jährige angeklagt

Der Ablauf

Laut dem 38-Jährigen habe der Mitangeklagte beim Überwältigen seine Maske verloren. Es sei aber auch nach der Zahlung des Lösegeldes nicht beabsichtigt gewesen, den Mann zu töten. 

In einem Transporter wollten die beiden Männer das Opfer auf das Land bringen, um ihn auszusetzen. Bei einem vom 49-Jährigen angeordneten Stopp sei dieser kurz nach hinten gegangen. Was dann passiert sei, wisse er nicht, er habe nur einige unklare Geräusche gehört. Dann habe der andere ihm gesagt, dass der 64-Jährige einen Herzinfarkt erlitten habe und tot sei. Von einem Erdrosseln habe er nichts gehört - sonst hätte er später nicht mehr mitgemacht. Jedoch hatte der Leichnam „am Hals eine Schnur von gelber Farbe", schildert er. „Ich war entsetzt.

Als Angeklagte nicht beim Abladen der Leiche habe helfen wollen, habe ihm der Ältere mit der Pistole auf den Kopf geschlagen. Bekannten habe er später gesagt, wenn ihm etwas zustoße, sei der Ältere schuld. 

Lösegeld als Ausgleich für Schaden

Der Mitangeklagte soll den Geschäftsmann als Opfer vorgeschlagen haben. Er habe wegen des Unternehmers einen Schaden von zwei bis drei Millionen Euro erlitten - daher stehe ihm das Lösegeld zu. 

Die Mitangeklagte äußert sich lediglich zu ihrer Person. „Meine Kindheit war bestimmt durch Gewalt, Folter, Drohungen und sexuellem Missbrauch", meint die dreifache Mutter unter Tränen. Sie erkrankte nach eigenen Angaben später an Depressionen.

Weiteres Opfer war geplant

Laut dem 38-Jährigen wollte der ältere Mitangeklagte auch einen dritten Mann entführen, doch das hätten die 43-Jährige und er verhindert. 

Die Aussage des 49 Jahre alten Angeklagten ist für die nächste Sitzung am 1. Dezember vorgesehen. Er hat angegeben, der jüngere Mitangeklagte und ein weiterer Mann hätten ihn gezwungen, bei der Tat zu helfen. Die Mittel, die sie eingesetzt hätten, beträfen seine Intimsphäre. Das Gericht entschied, dass die Öffentlichkeit den Saal räumen muss, wenn in dieser Sache ein Videofilm gezeigt wird.
Außerdem wurden bis zum Juli 2018 neue Termine angesetzt. 

Rückblick

Die Angeklagten sollen Ende November 2016 zunächst einen 64-jährigen Unternehmer aus Brühl entführt haben, um an eine große Summe Geld zu gelangen. Der aus dem früheren Jugoslawien stammende Mann habe 6.000 Euro gezahlt, aber weitere Summen verweigert, so der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankenthal, Hubert Ströber. Dann wurde er erdrosselt. Die Leiche des 64-Jährigen wurde in der Nähe eines Ludwigshafener Schwimmbads gefunden.

Leichenfund am Willersinn: Ermittler suchen nach Spuren 

Ein ähnliches Schicksal ereilte den 49-jährigen Bauunternehmer Ismail Torun aus Ludwigshafen im Januar 2017. Obwohl ein Bekannter dem Entführer-Trio 975.000 Euro ausgehändigt hat, fand man seine Leiche in einem Wald bei Bad Dürkheim. Er wurde mit Kabelbinder stranguliert.

Das Vorgehen sei in beiden Fällen das Gleiche gewesen: Beide Unternehmer wären unter einem Vorwand von der Frau in eine dunkle Lagerhalle gelockt worden. Dann soll die Geschäftsmänner von den Komplizen heimtückisch angefallen, mit scharfen Waffen bedroht und mit Kabelbinder gefesselt haben.

dpa/jol

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