Abzocke am Hauptbahnhof

Stadt duldet Verkauf von dubioser Obdachlosenzeitung

Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof...
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof...
... und liefert die Einnahmen direkt bei einem Hintermann ab wenige Meter weiter ab.
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... und liefert die Einnahmen direkt bei einem Hintermann ab wenige Meter weiter ab.
Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
Der Bahnhofsvorplatz in Heidelberg.
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Der Bahnhofsvorplatz in Heidelberg.
Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.
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Eine junge Frau spricht aktiv Passanten an, verkauft den „Streetworker“ vorm Hauptbahnhof.

Heidelberg-Bergheim – Sie machen mit ihrer Mitleidsmasche ordentlich Kasse! Die Verkäuferinnen der angeblichen Obdachlosenzeitung „Streetworker“ (1,50 Euro). Doch ist das alles legal?

Sie stehen auf dem Bahnhofsvorplatz, sprechen aktiv Passanten an und halten ihnen eine vermeintliche Obdachlosenzeitung unter die Nase...

Die dubiosen Verkäuferinnen des „Streetworker“ (16 Seiten) – angeblich gemacht „Von Obdachlosen für Jedermann“. Kaum haben sie ein Exemplar veräußert, liefern sie das Geld sofort bei einem wenige Meter weiter sitzenden Mann ab.

Zu Recherchezwecken investieren wir schweren Herzens 1,50 Euro für das (sehr) dünne und billigst produzierte Blättchen. Die Titelseiten wechseln wohl übers Jahr, die aussagearmen Texte im Inneren bleiben angeblich stets die gleichen.

Inhalt: Texte über Gott, Geld und die Welt aus diversen Quellen wie der Heidelberger Studentenzeitung „ruprecht“ von 2007, von www.sein.de, www.flegel-g.de oder auch von Heinrich Böll („Die verlorene Ehre der Katharina Blum“). Auffällig: Ganze Textpassagen wiederholen sich!

Null redaktioneller Aufwand, wahrscheinlich alles aus Büchern und dem Internet zusammenkopiert. Fraglich, ob überhaupt mit Genehmigung...

ruprecht-Ressortleiter Kai Gräf: „Wir wissen darüber nichts und wurden vorab in dieser Sache nicht gefragt. Insofern liegt nahe, dass hier Urheberrecht verletzt wird.“ Die Redaktion wolle dies jedoch vorsorglich mit dem Autor des schon älteren Textes abklären.

Beim Polizeipräsidium Mannheim gingen noch keine Beschwerden über den „Streetworker“ ein: „Man müsste mal prüfen, ob mit diesem Blatt gegen Presse- oder Urheberrecht verstoßen wird – dann könnte man zivilrechtlich dagegen vorgehen. Fraglich auch, ob die Gewinne versteuert werden. In jedem Fall ist diese Zeitung Nepp, weil sie mit ihren teils jahrealten Texten null Informationsgehalt hat“, so Polizeisprecher Dieter Klumpp.

Was sagen Herausgeber legaler Obdachlosenzeitungen, die wirklich Gutes bewirken?

Der Verkauf dieser Zeitung ist bei uns in Stuttgart untersagt! Dieser ‚Streetworker‘ wirft ein schlechtes Licht auf legale Straßenzeitungen wie uns. Wenn die Polizei hier einen Verkäufer antrifft, beschlagnahmt sie die Ausgaben“, so erklärt Karin Engel-Hüppe vom „Trott-war“ („Die Straßenzeitung im Südwesten“).

Beim auch in Heidelberg und Mannheim angebotenen „Trott-war“ geht von den 2,10 Euro Verkaufspreis die Hälfte an den Verkäufer (selbst in sozialer Notlage).

Und Engel-Hüppe distanziert sich deutlich von dem dubiosen ‚Konkurrenten‘: „In einer unser letzten Ausgaben hatten wir extra eine ganzseitige Anzeige mit dem Text ‚Nur wo Trott-war draufsteht, ist auch Trott-war drin‘.

Der Behörden-Irrsinn

Der Verkauf von Obdachlosenzeitungen auf öffentlicher Verkehrsfläche ist eine Sondernutzung nach dem Straßengesetz, für die eine Erlaubnis notwendig ist. Für solche Aktivitäten werden in Heidelberg keine Erlaubnisse erteilt, allerdings dulden wir sie dann, wenn die Anbieter die Zeitungen im Stehen, also ohne feste Aufbauten verteilen, und wenn sie nicht fordernd oder aufdringlich auf Passanten zugehen. Insofern handhaben wir das genauso wie beim sogenannten ‚passiven Betteln‘“, so Rathaus-Sprecherin Christiane Calis.

Die Stadt sieht keinen Grund einzuschreiten, da die Passanten schließlich selbst entscheiden, ob sie sich auf einen Kauf oder eine Spende einlassen wollen – und somit nicht in ihrem gesetzlich geschützten Gemeingebrauch behindert werden.

Paradox: Wird die Obdachlosenzeitung wenige Meter weiter unter dem Vordach des Bahnhofgebäudes außerhalb öffentlicher Verkehrsfläche verkauft, gilt das Straßenrecht nicht! Und auch dort wird der „Streetworker“ oft angeboten... 

Da ist es in Rheinland-Pfalz schon wesentlich einfach geregelt: Dort ist der Verkauf des „Streetworker“ verboten!

Kleiner Tipp zum Schluss: Verkäufer von Obdachlosenzeitungen müssen deutlich sichtbare Lichtbild-Ausweise tragen – einen solchen haben wir bei den Damen vorm Hauptbahnhof nicht entdecken können.

Dann lieber die 1,50 Euro einem Obdachlosen direkt in die Hand drücken – dann kommt das Geld wenigstens bei Bedürftigen an!

pek

Quelle: Heidelberg24

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