Nachtleben ist beerdigt

„Nein!“ zu den Sperrzeiten: Studis protestieren auf Heumarkt

Studenten tragen das Nachtleben zu Grabe
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Heidelberg-Altstadt - Erneut gehen Studenten und Kneipen-Gänger auf die Straße um gegen kurze Sperrzeiten zu protestieren. HEIDELBERG24 ist live vor Ort und berichtet:

„Bier trinkt das Volk!“

So lautet eine Parole der Studenten zu einem scheinbar nie endenden Thema: Die Sperrzeiten in der Altstadt. Bereits im Dezember 2016 standen Studenten am Heumarkt, um gegen die verkürzten Öffnungszeiten zu protestieren. Und nun – fast eineinhalb Jahre später – zeigt sich erneut das gleiche Bild.

HEIDELBERG24 live dabei

Am Dienstag (15. Mai) gegen 19 Uhr versammeln sich gut 200 Studis am Heumarkt, mit dabei ein Sarg, Protest-Plakate und Schilder. Diesen wollen sie symbolisch bis zum Marktplatz tragen und damit offiziell das Nachtleben in der Heidelberger Altstadt zu Grabe tragen

Der Veranstalter der Kundgebung ,Lebendige Altstadt Für Alle' – kurz Lafa – hat eine klare Forderung: Er will, dass Öffnungszeiten unter der Woche bis 2 Uhr, am studentischen Donnerstag bis 3 Uhr und am Wochenende bis 4 Uhr bestehen.

Wir begleiten sie live und verfolgen die Kundgebung:

Auf dem Heumarkt machen verschiedene junge Kommunalpolitiker ihrem Ärger Luft. So formuliert Simon Schäfer von DIE PARTEI einige klare Forderungen. Nervende Anwohner gehören seiner Meinung nach abgeschoben – und zwar in die „seelenlose Bahnstadt“.

Überhaupt sollen die Sperrzeiten komplett abgeschafft werden, die Altstadt für alle rund um die Uhr zugänglich sein. Außer für Junggesellenabschiede, die sollen auf das Oktoberfest abgeschoben werden. Dennoch spricht er sich für eine Obergrenze in der Altstadt aus – ein Ober für jeweils zehn Gäste soll die Faustregel sein.

Kommunalpolitiker beziehen Stellung

Weniger humorvoll – dafür eine Portion kritischer – sind die Ansprachen der anderen Politiker. Sarah Mirow (Die Linke) stimmt Schäfer in dem Punkt zu, dass die Sperrzeiten abgeschafft gehören: „Sie sind ein Relikt aus einer alten Zeit“, sagt sie und erntet tosenden Applaus. Darüber hinaus: „Wird zu viel Politik für ältere Menschen betrieben. Dabei sind ein Viertel der Heidelberger Studenten.“

Oliver Priem von den Grünen kommt mit gleich zwei guten Nachrichten im Schlepptau. Zum einen: Hat der Jugendgemeinderat beschlossen, sich für die Version der Regelung zu positionieren, die ein Feiern unter der Woche bis 2 Uhr, Donnerstags bis 3 Uhr und am Wochenende bis 4 Uhr ermöglichen soll. Zum anderen: Ist im Moment noch alles offen. Die Entscheidung des Gemeinderats wird erst am Donnerstag gefällt.

Fabien Giese (Die Linke) ist der Meinung, dass kürzere Öffnungszeiten in der Altstadt das Problem nur noch weiter befeuern: „Dann steht man hier um 1 Uhr herum und weiß nicht, was man machen soll.“ Dass Nachtschwärmer gerade dann auf dumme Ideen kommen könnten, hält er für wahrscheinlich. 

Matthias Kutsch (CDU) bedankt sich zunächst für den Rückenwind. Danach gibt er einen interessanten Einblick in den Gemeinderat. Der spiegelt, so Kutsch, nämlich selbst den Generationenkonflikt wider. Dass man sich 2014 gegen die im Schnitt deutlich älteren Mitglieder habe durchsetzen können, habe vor allem auch daran gelegen, dass eine Solidarität über die Parteigrenzen hinweg bestanden habe.

Entscheidung fällt in zwei Tagen

Am 2. Mai haben die Mitglieder des Hauptauschusses für eine Vorlage der Stadtverwaltung gestimmt, nach der Clubs, Bars und Restaurants in der Kernaltstadt künftig unter der Woche um 1 Uhr und am Wochenende um 3 Uhr schließen müssen. Nun muss der Gemeinderat am 17. Mai eine neue Sperrzeitenregelung erlassen.

jol/jab/gs

Quelle: Heidelberg24

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