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Flut-Katastrophe in RLP: Fünf Wochen danach – die aktuelle Lage im Krisengebiet

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Von: Daniel Hagen

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz - Wochen nach den Wassermassen befindet sich das Ahrtal weiterhin im Aufräum-Modus. Doch es gibt schon kleine erste Lichtblicke.

Seit rund vier Wochen sind tausende Einsatzkräfte und Helfer damit beschäftigt, die Folgen der Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu beseitigen. Unzählige Lastwagen mit Müll und Unrat sind abtransportiert, Häuser entkernt, Bürger versorgt und die Strom- und Trinkwasserversorgung in Teilen wieder hergestellt worden. Dennoch stehen die rund 42.000 betroffenen Bürger noch ganz am Anfang - der Wiederaufbau wird Jahre dauern, sind sich Experten und Politiker sicher. Auch im Ahrtal herrscht Wochen nach der Hochwasserkatastrophe immer noch Ausnahmezustand.

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Wie ist die Lage nach fast einem Monat?

Der Landkreis Ahrweiler ist besonders schlimm von den Wassermassen getroffen worden. Mindestens 17.000 Personen sollen ihr Eigentum verloren haben. Mehr als 3.000 Häuser sollen beschädigt, schätzungsweise 73,9 Kilometer an Straßen zerstört worden sein. Man geht zudem von 141 Toten, 766 Verletzten und vier Vermissten aus (Stand: 16. August) – und das allein in Rheinland-Pfalz. Der entstandene Schaden wird auf Milliarden geschätzt. Doch wie ist heute – fast einen Monat später – die Lage in den Flutgebieten?

NameAhrweiler
Bevölkerung129.727 (2019) Eurostat
HauptstadtBad Neuenahr-Ahrweiler
Vereine und MannschaftenSC 13 Bad Neuenahr, SpVgg Burgbrohl, Ahrweiler BC, SC 07 Bad Neuenahr, SG Bad Breisig

„Es geht weiterhin darum, zu räumen, Ölentsorgung und die Lage bei der Bevölkerung zu stabilisieren“, sagt Thomas Linnertz, Leiter des Krisenstabes des Landes für das Ahrtal. Dabei meint er auch die Versorgung mit Essen, Unterkunft, Kraftstoff und Kleidung. Prekär sei die Lage immer noch in der Verbandsgemeinde Altenahr. „Dort hat es die größten Zerstörungen gegeben an den privaten Häusern, aber auch an der Infrastruktur“, ergänzt Linnertz. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Koblenz Ermittlungen gegen Jürgen Pföhler, den Landrat des Landkreises Ahrweiler, eingeleitet. Es geht um Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Zahlreiche Brücken und Straße zerstört

Neben 60 Brücken, die bei dem verheerenden Hochwasser kaputtgegangen sind, sind zahlreiche Straßen zerstört worden. In Bad Neuenahr-Ahrweiler ist bereits vom Technischen Hilfswerk (THW) eine Behelfsbrücke gebaut worden, fünf weitere im Ahrtal hat das THW in der Planung. Hinzu kommen mehrere Ersatzbrücken, die federführend von der Bundeswehr errichtet werden. Zudem sind zahlreiche Kilometer Straßen zerstört worden. An manchen laufen gerade noch Aufräumarbeiten.

Eine eingestürzte Brücke über einem Fluss.
Zahlreiche Brücken und Straßen sind zerstört worden. © Boris Roessler/dpa

Je nach Zustand können einige vielleicht sogar wieder freigegeben werden. Allein der Kreis Ahrweiler schätzt den dort an kommunalen Einrichtungen insgesamt entstandenen Schaden auf mehr als 3,7 Milliarden Euro. Dies betreffe unter anderem Teile der Infrastruktur, Schulen, Kindertagesstätten und Sportanlagen.

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Arztpraxen und Krankenhaus öffnen wieder

Laut Krisenstab sind im Kreis Ahrweiler bereits gut 60 Hausarztpraxen wieder geöffnet worden. Knapp 20 Praxen seien aber noch nicht am Start, arbeiteten aber daran, wie eine Sprecherin mitteilt. „Es sind sehr viele, die stark betroffen waren.“ Die medizinische Versorgung sei auf jeden Fall gewährleistet. „Klar ist aber, es ist noch nicht alles wie vorher.“ Zudem seien auch 14 Apotheken und sechs Zahnarztpraxen wieder geöffnet. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt außerdem 3 mobile Arztpraxen in Ahrweiler, Kalenborn und Rech, die laut einer Sprecherin sehr gut angenommen würden. Stark gefragt seien vor allem Tetanusimpfungen.

Nach der Hochwasserkatastrophe - Bad Neuenahr-Ahrweiler
Der Wiederaufbau könnte mehrere Jahre lang dauern. © Thomas Frey/dpa

Das Krankenhaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler sei derzeit noch in einem Notbetrieb, plane aber von Mitte des Monats an eine Normalisierung des Betriebs, heißt es vom Krisenstab. Wichtige Untersuchungen wie Computertomographie und Laborauswertungen seien die ganze Zeit über erfolgt. Für die psychosoziale Unterstützung von Betroffenen und Helfern der
Flutkatastrophe hat das Land mehrere Hotlines eingerichtet. Da geht es unter anderem um die Vermittlung von Traumatherapieplätzen und Akuthilfe am Telefon.

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Hier gibt es psychologische Hilfe

Die stationäre Notfallversorgung für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen aus dem Kreis Ahrweiler hat die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach bis auf weiteres übernommen. Für die stationäre Notfallversorgung von Kinder- und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen aus den Landkreisen Bad-Neuenahr Ahrweiler und Cochem-Zell sowie den Verbandsgemeinden Andernach, Mendig, Pellenz, Vordereifel und die Stadt Mayen im Landkreis Mayen-Koblenz ist vorläufig das Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuwied zuständig.

Außerdem sind Schulpsychologinnen und -psychologen mit der Beratung Hilfesuchender im Einsatz. Hessen hat die Entsendung von schulpsychologische Kriseninterventionsteams angeboten, Hilfe haben auch das Saarland, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein zugesagt.

Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz: Finanzielle Hilfe für Hochwasser-Opfer

Es gibt drei Töpfe für Soforthilfen des Landes: für die Kommunen, für Privathaushalte und für Unternehmen. Aus dem auf mittlerweile 60 Millionen Euro aufgestockten Topf für die Kommunen sollen Gemeinden Eilaufträge etwa zur Reparatur von Straßen, Kommunikation, Kanalisation, zur Beseitigung der Trümmer- und Abfallberge und zur Versorgung der Bevölkerung finanzieren.

An Bürger in dem von der Hochwasserkatastrophe besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler sind nach letzten Informationen, die dem Innenministerium vorliegen, bislang 18,8 Millionen Euro bei rund 9.200 Anträgen ausgezahlt worden. Pro Haushalt kann diese Soforthilfe bis zu 3.500 Euro betragen, insgesamt sind dafür zunächst 30 Millionen Euro vorgesehen. Dazu kommt ein weiterer Topf für Unternehmen mit 25 bis 30 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich mit 50 Prozent an der
Soforthilfe. (dpa/dh)

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