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„Fauler Pelz“ in Heidelberg: Unverständnis wegen geplanter Wiedereröffnung – „Idee nicht realisierbar“

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Von: Marten Kopf

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„Fauler Pelz“ in Heidelberg
Der „Faule Pelz“ in der Heidelberger Altstadt © HEIDELBERG24/Manuel Dietrich

Heidelberg - Das hatte man sich so schön gedacht: Im „Faulen Pelz“ sollten Wissenschaftler eine neue Bleibe finden. Doch nach Jahren des Planens könnten jetzt wieder Straftäter einziehen.

Gegen die Pläne des baden-württembergischen Sozial- und Gesundheitsministers Manne Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), das ehemalige Gefängnis „Fauler Pelz“ in Heidelberg wieder in Betrieb zu nehmen, formiert sich zusehends Widerstand. Lucha hatte nach der spektakulären Flucht eines Patienten-Quartetts aus dem Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg Ende September angekündigt, zwei zusätzliche Standorte für den Maßregelvollzug in Baden-Württemberg zu schaffen – und dabei den 2015 außer Betrieb genommenen „Faulen Pelz“ ins Spiel gebracht.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Schon damals wird das Vorhaben in der Stadt mit Überraschung und vor allem Unverständnis aufgenommen. Allen voran zeigen sich Stadtverwaltung und Universität besorgt. Eigentlich nämlich soll der Bau als zusätzliche Fläche für die geisteswissenschaftliche Fakultät genutzt werden, geplant sind Büros und Archive. „Wir hatten große Hoffnungen in eine attraktivere Nachnutzung durch das Land gesetzt. Es wäre eine große Chance für die Altstadt gewesen, dieses Areal zu öffnen und zu beleben“, so Oberbürgermeister Eckart Würzner Anfang Oktober gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. Mitten in der Altstadt zumeist psychisch kranke Straftäter unterzubringen, halte er für problematisch.

Maßregelvollzug im „Faulen Pelz“: Uni-Rektor hält Pläne für „nicht realisierbar“

Nun meldet sich auch der Heidelberger Uni-Rektor Bernhard Eitel zu Wort: „Ich sehe die Zwangslage von Sozialminister Manne Lucha, halte die Idee aber für nicht realisierbar“, so Eitel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Eitel verwies auf die bereits jahrelangen Planungen mit dem Ziel, für die Geisteswissenschaften in direkter Nachbarschaft zum Altstadtcampus mehr Raum bereitstellen zu können. „Um einen Teil des enormen Flächendefizits, unter dem die Universität Heidelberg leidet, auszugleichen, ist die zusätzliche Fläche in der Altstadt unverzichtbar.“

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Unter anderem für die Fächer Geschichte und Kunstgeschichte sowie eine große Zahl von Doktoranden seien bereits mehrere hundert Arbeits- und -Forschungsplätze in dem bis zu 3000 Quadratmeter großen Komplex vorgesehen. Alternative Standorte im Besitz des Landes gebe es nicht; lediglich die Anmietung von Gebäuden sei noch möglich. Das sei aber sicherlich nicht im Sinne des Finanzministeriums, das die Liegenschaften des Landes verwaltet. Lucha dagegen betont, die Nutzung durch die Universität werde nicht infrage gestellt. Er wolle die leerstehende Einrichtung lediglich temporär für den Maßregelvollzug nutzen, bis die Planungen der Universität abgeschlossen seien. „Was sicherlich noch zwei bis drei Jahre dauern wird.“

„Fauler Pelz“ in Heidelberg: Würzner will höchstens temporäre Lösung

Das Geschehen zeige, so Rektor Eitel, wie lang Planungs- und Genehmigungsverfahren zwischen Bauamt Heidelberg und dem Eigentümer Land dauerten. Bei schnelleren Abläufen hätte sich die Frage einer anderen Nutzung der 1848 in Betrieb genommenen und 2015 aufgegebenen Anstalt gar nicht gestellt. Auch für eine Übergangsnutzung sei eine Modernisierung der beiden Gebäude unvermeidlich. Wenn aber einmal investiert worden sei, werde es voraussehbar zu einer Dauernutzung kommen, befürchtet Eitel.

Oberbürgermeister Würzner besteht denn auch auf einer höchstens temporären Lösung. Minister Lucha aber sieht da keinen Gegensatz: „Wir brauchen jetzt schnelle, pragmatische Lösungen, um die zusätzliche Unterbringung der vom Gericht zugewiesenen Patienten zu gewährleisten.“ (dpa/mko)

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