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Eckart Würzner vor OB-Wahl: „Auch Altstadt-Bewohner haben Recht auf bessere Lebensqualität“

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Am Sonntag kommt es zum großen Showdown zwischen Eckart Würzner und Herausforderin Theresia Bauer. Das sagt der amtierende Rathauschef kurz vor der OB-Wahl:

Knapp 107.000 Wahlberechtigte werden am Sonntag (27. November) für die Oberbürgermeister-Wahl in Heidelberg erneut an die Urne gebeten. Sie stimmen darüber ab, wer in den kommenden acht Jahren Stadtoberhaupt der Universitätsstadt wird. Der parteilose Amtsinhaber Eckart Würzner hatte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit knapp verpasst. Herausforderin Theresia Bauer (Grüne) lag deutlich hinter Würzner, rechnet sich für den zweiten Wahlgang dennoch gute Chancen auf einen Wechsel im Rathaus aus.

Kurz vor dem Wahlsonntag haben wir die beiden Spitzenkandidaten noch Mal zur OB-Wahl und wichtigen Themen befragt. Im Interview mit HEIDELBERG24 erklärt Eckart Würzner, wieso er nach 16 Jahren im Amt noch immer der „richtige“ Rathauschef ist und wieso er sein Herzensprojekt „Stadt an den Fluss“ auf jeden Fall umsetzen will.

Herr Oberbürgermeister, Sie haben den ersten Wahlgang klar für sich entschieden, die absolute Mehrheit aber knapp verpasst. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie auch nach dem zweiten Wahlgang die Nase vorn haben?

Würzner: „45,89% der Stimmen sind eine schöne Bestätigung für die Arbeit, die ich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat geleistet habe. Ich bin sehr dankbar für diese Unterstützung. Ich bin viel in den Stadtteilen unterwegs und bekomme durchweg positive Rückmeldungen. Das stimmt mich sehr zuversichtlich. Aber das Wichtigste ist, dass die Heidelbergerinnen und Heidelberger am 27.11. erneut zur Wahlurne gehen, um für die Zukunft unserer Stadt abzustimmen.“

Prof. Dr. Eckart Würzner (61) kandidiert für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister in Heidelberg.
Prof. Dr. Eckart Würzner (61) kandidiert für eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister in Heidelberg. © privat

Herausforderin Theresia Bauer strebt einen Wechsel an der Stadtspitze an. Wieso sind Sie nach 16 Jahren Amtszeit immer noch der richtige Rathauschef für Heidelberg?

Würzner: „Ich stehe für eine Stadt, in der Werte etwas zählen: Verantwortung, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, sozialer Zusammenhalt, Familie, Bildung, Lebensqualität, Sicherheit. Und dafür habe ich ein Programm. Ich möchte diese Arbeit in den kommenden acht Jahren fortsetzen. Überblick und Weitblick, aber auch die Innensicht, Erfahrung, Krisenfestigkeit und vorausschauendes, aber nicht aktionistisches Handeln sind heute wichtiger denn je.“

So sind wir in den vergangenen Jahren besser als andere Städte beispielsweise durch die Finanzkrise oder die Corona-Pandemie gekommen. Neue Herausforderungen erwarten uns bereits. Ich bin bereit, mich ihnen zu stellen.

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner

Sie haben in Ihrer ersten Amtszeit schon dafür geworben, jetzt machen Sie sich erneut für den Neckarufertunnel in der Altstadt stark. Die Grünen kritisieren, eine Mehrheit für das Projekt gebe es seit 2009 nicht mehr, eine mögliche Umsetzung sei heute wenig realistisch. Wie wollen Sie sicherstellen, dass die Idee dennoch bis 2030 realisiert wird und was soll das die Stadt kosten?

Würzner: „Gemeinsam mit der Heidelberger Stadtverwaltung und dem Heidelberger Gemeinderat habe ich in den vergangenen 16 Jahren in vielen Heidelberger Stadtteilen Maßnahmen zur deutlichen Verbesserung der Lebensqualität umgesetzt. Das ist Quartiersentwicklung. Gerade erst haben wir Entwicklungsprojekte in der Südstadt in dreistelliger Millionenhöhe ausgelöst. Das Projekt “Stadt an den Fluss” in der Altstadt ist damit absolut vergleichbar.

Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Altstadt haben ein Anrecht darauf, dass man Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität in ihrem Quartier anstrebt. Dies möchte ich gerne tun, denn davon profitieren wir alle. Wir sind bei diesem Projekt in der Lage, auch massiv Fördermittel von Bund und Land zu beantragen. Wenn uns dies gelingt, und wir dadurch die Investitionssumme der Stadt Heidelberg entsprechend deckeln können, dann ist auch diese Maßnahme realisierbar. Das wäre meines Erachtens eine wunderbare Vorstellung für unser schönes Heidelberg.“

Bezahlbarer Wohnraum zählt zu den drängendsten Themen in der Universitätsstadt. Wie wollen Sie bis 2030 sicherstellen, dass es sich alle Einkommensschichten leisten können, in Heidelberg zu wohnen?

Würzner: „Ich konnte mit meiner Politik in den letzten Jahren den Wohnungsbau kräftig ankurbeln: In zehn Jahren sind in Heidelberg rund 6.000 neue Wohnungen entstanden. Das ist der zweithöchste Anstieg in Baden-Württemberg. Mit unserem städtischen Wohnungsbauunternehmen GGH bieten wir 7.200 Mietwohnungen an. Fast 6.000 davon kosten weniger als 8 Euro pro Quadratmeter! Das dämpft die Preisentwicklung in der gesamten Stadt. 

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Ich habe 2018 das Bündnis für bezahlbares Wohnen initiiert. Darüber entstehen auf den ehemaligen US-Flächen 1.900 Wohnungen – davon mehr als die Hälfte im preiswerten Segment. Diesen Weg möchte ich weiter gehen. Ich werde das erfolgreiche “Bündnis für Wohnen” mit unseren gemeinwohlorientierten Partnern fortsetzen, Wohnraum für 10.000 Menschen aus allen Einkommensklassen im Patrick Henry Village schaffen – von bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnungen bis hin zu Baugruppen. Mit mir wird es weitere Ausbildungshäuser und auch Projekte für Studentisches Wohnen geben. Aber ich bin auch offen für neue Wohnformen von Tiny Houses bis hin zu Mehrgenerationenhäusern.“

Wenn die Konversionsflächen erschlossen sind, stößt Heidelberg an seine räumlichen Grenzen. Hat die Stadt dann auch in Sachen Bevölkerungsgröße seine Grenzen erreicht? Wo können dann noch Bauflächen geschaffen werden?

Würzner: „Wenn PHV entwickelt ist, dann gibt es im Grunde keine größeren Flächen mehr. Der Grüngürtel um Heidelberg ist für mich tabu. Wir müssen diese Wachstumsgrenze akzeptieren. Deshalb sollten wir uns dann darauf konzentrieren, wie wir vorhandene Potenziale besser nutzen können.

Dabei geht es um Themen wie barrierefreien Umbau und die Aufstockung von Gebäuden. Wir müssen auch ältere Menschen in großen Häusern dabei unterstützen, altersgerecht zu wohnen und auch ihren Wohnraum zu verändern. Viele wollen das, schaffen es aber nicht alleine. Dafür wird es in Zukunft eine Beratungsstelle geben.“ (rmx)

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