100 Millionen Impfdosen bis Dezember

Impfstoff von CureVac: Gewaltiger Zuschuss vom Bund soll Wende bringen

Tübingen - Die Biotech-Firma CureVac arbeitet an einem Impfstoff gegen Corona. Bis zum Ende des Jahres will das Unternehmen 100 Millionen Impfdosen herstellen.

  • CureVac aus Tübingen arbeitet an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.
  • Mit 300 Millionen Euro steigt der Bund in das Bio-Tech-Unternehmen ein.
  • Jetzt wurden erste Tests des Corona-Impfstoffs an Freiwilligen zugelassen.
  • Tesla unterstützt CureVac mit speziellen Fabriken.
  • CureVac ist erfolgreich an die Börse gegangen.

Update vom 15. September: Bei einer Pressekonferenz am Dienstag machen es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek offiziell. CureVac erhält einen Zuschuss von 252 Millionen Euro. Das Unternehmen Biontech in Mainz erhält 375 Millionen Euro zur Entwicklung eines Impfstoffes. „Wir setzen nicht nur auf einen Impfstoff, nicht nur auf ein Entwicklerteam und auch nicht auf nur eine Technologie, sondern wir wollen ein breites Portfolio fördern“, sagt Spahn.

Der Minister betont zudem, dass es keine Impfpflicht geben werde, weil eine Herdenimmunität von 55 bis 65 Prozent der Bürger reichen würde. Als drittes Unternehmen soll die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau finanzielle Mittel erhalten. Bis ein breiter Teil der Bevölkerung sich impfen lassen kann, könnte es aber noch bis MItte nächsten Jahres dauern.

Corona-Impfstoff von CureVac: Unternehmen erhält 252 Millionen Euro

Update vom 4. September: Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac gilt als Hoffnungsträger in der Coronavirus-Pandemie. Um ihre Forschung an einem Corona-Impfstoff zu beschleunigen, entschloss sich die Bundesregierung dem Unternehmen unter die Arme zu greifen und finanziell zu unterstützen. Mit ihrer Finanzspritze in Höhe von 252 Millionen Euro erhofft sich die Bundesregierung eine Beschleunigung der Forschung, wie der „Business Insider" berichtet. Abgesehen von Curevac erhält auch das Mainzer Unternehmen Biontech und die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau Geld von der Regierung.

In den vergangenen Monaten konnte Curevac viele Investoren überzeugen, einzusteigen – so auch die Bundesregierung, die mit rund 300 Millionen Euro investierte. Auch der Gang an die Börse spülte Geld in die Kassen des Tübinger Unternehmens. Unterdessen sagte Mehrheitseigentümer von Curevac, Dietmar Hopp, dass er bei der Produktion des Impfstoffs zuversichtlich ist: „Wir planen auf Erfolg und wollen bis zum Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zur Verfügung haben”, erklärte der SAP-Gründer gegenüber dem „Handelsblatt“.

Im Interview stellt Hopp in Aussicht, dass es noch in 2020 zu einer Teilzulassung des Curevac-Impfstoffs kommen könnte. Denkbar sei es, dass der Staat den Impfstoff für bestimmte, gefährdete Berufsgruppen oder Regionen freigebe. „Das müssen die Behörden entscheiden, wenn die Daten vorliegen", so Hopp.

Doch bei allem Optimismus bleibt Hopp realistisch: Curevac werde wahrscheinlich nicht den ersten Impfstoff auf den Markt bringen: „Wir werden sicher nicht die Ersten sein. Dieses Rennen können wir nicht gewinnen. Aber wir wollen das Rennen um den besten Impfstoff gewinnen, und da haben wir gute Chancen”, sagt Hopp.

CureVac-Aktie: Impfstoff-Hersteller geht an die Börse – mit großem Erfolg

Update vom 14. August: Das Unternehmen CureVac aus Tübingen ist an die Börse in New York gegangen – und das sehr erfolgreich. Die Firma erlöst bei der Aktienplatzierung mehr als 200 Millionen Dollar! Der erste Kurs liegt mit 44 Dollar weit über dem Ausgabepreis der Aktie von 16 Dollar. Das Geld soll in die Entwicklung des Corona-Impfstoffs investiert werden. Aus dem Erlös werden dafür rund 150 Millionen Dollar (knapp 130 Millionen Euro) veranschlagt. Mit weiteren 50 Millionen Dollar soll die kurzfristige Produktionskapazität für das Mittel ausgebaut werden. Doch ob das reicht?

Wir werden uns immer nach zusätzlichen Finanzierungsquellen umsehen“, sagt Finanzchef Pierre Kemula der Deutschen-Presse-Agentur. Der Corona-Impfstoff von CureVac ist derzeit in einer Phase-1-Versuchsreihe in Europa. Für die nächste Versuchsrunde mit 20 000 bis 30 000 Personen will das Unternehmen auch nach Asien, Afrika und Südamerika. An der aktuellen Studien-Phase nimmt zudem ein bekannter Politiker aus Tübingen teil – und zwar Oberbürgermeister Boris Palmer.

Corona-Impfstoff von CureVac: „Hundert Millionen Dosen bis Ende des Jahres“

Update vom 21. Juli: CureVac hat rund 110 Millionen Euro von Investoren erhalten. Neue Geldgeber sowie ein Staatsfonds von Katar haben diese immense Geldsumme möglich gemacht. Wie CureVac am Dienstag mitteilt, beläuft sich das Gesamtvolumen der Kapitalbeteiligung auf 560 Millionen Euro. Der Bund fördert die Corona-Impfstoff-Forschung mit 300 Millionen Euro und der Pharamkonzern GlaxoSmithKline mit 150 Millionen Euro.

Update vom 5. Juli: „Es ist unser aller Bestreben, so schnell wie möglich Impfstoff für die Weltbevölkerung zur Verfügung zu stellen“, erklärt Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach. Der studierte Biochemiker und Neffe von Alfried Krupp ist Mitgründer und Mit-Geschäftsführer von dievini und sitzt zusammen mit Dietmar Hopp im Aufsichtsrat von CureVac. Der 57-Jährige steht in einem YouTube-Video Prof.Dr.Felix Herth, Geschäftsführer der Thoraxklinik, Frage und Antwort. Natürlich geht es dabei auch um das Coronavirus und einen Impfstoff, an dem CureVac arbeitet.

Bislang seien die Beobachtungen an den Impfstoff-Kandidaten unauffällig, was Verträglichkeit und Sicherheit angehe. Spannender werde es laut Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach aber erst in den Wirksamkeitsstudien. Erst dort könne man sehen, ob das Mittel auch vor dem Virus schützt. Im Anschluss würden zwei Aspekte eine Rolle spielen, wie lange der Impfstoff braucht, um auf der Welt in Einsatz zu kommen. Wir klären wichtige Fragen zum Corona-Impfstoff.

Corona-Impfstoff: Geschäftsführer rechnet mit Millionen von Impfdosen

Der erste Aspekt sei die Verfügbarkeit des Stoffes. „Da kann ich Ihnen heute sagen, dass wir Ende des Jahres mehrere hundert Millionen Dosen haben werden", sagt der Unternehmer dazu. Der andere Aspekt sei, ob die Behörden in Europa, Amerika und Asien diesen oder einen anderen Impfstoff für den Gebrauch an Patienten freigeben werden. Das hänge von Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit ab – aber auch groß der Druck auf die politischen Systeme ist, mit dieser Krankheit gesellschaftlich umzugehen.

Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach beantwortet Fragen zu einem Impfstoff. (Screenshot)

Die Frage wann der Impfstoff tatsächlich freigegeben wird, ist nicht so sehr eine Frage der physikalischen Verfügbarkeit, die wird da sein, eher eine Frage, wie die Gesellschaft, vertreten durch die Politik, die Notwendigkeit sieht, einen Impfstoff früher oder später freizugeben", meint von Bohlen und Halbach.

Eine Studie aus Frankfurt hat übrigens herausgefunden, dass viele Corona-Genesene Herzschäden erleiden. Auch Infizierte, die nur einen leichten Krankheitsverlauf durchmachen mussten, haben mit Herzproblemen zu kämpfen. Welche Langzeitauswirkungen das hat, ist noch unklar. Weitere Studien sollen folgen.

Corona-Impfstoff: Tesla arbeitet mit CureVac zusammen – und baut spezielle Fabriken

Update vom 3. Juli: Ende Mai schickte Elon Musk noch eine bemannte Rakete seines Unternehmens SpaceX zur Raumstation ISS, heute arbeitet der Tesla-Chef an einem Impfstoff für das Coronavirus. Oder besser gesagt: er unterstützt das Biotech-Unternehmen CureVac aus Tübingen! Das erklärt der 49-Jährige völlig beiläufig auf Twitter. Dort fragt ihn ein Follower, was er von RNA-Impfstoffen halte. Musk antwortet, dass er „erstaunliches Potenzial“ in synthetischer RNA und DNA sehe und dass Tesla RNA-Mikrofabriken für CureVac und eventuell auch andere Unternehmen bauen würde.

Tesla unterstützt CureVac auf der Suche nach einem Impfstoff. (Fotomontage)

Gebaut werden die Fabriken bei „Tesla Grohmann Automation“, dessen Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Prüm sitzt. Eine Sprecherin von CureVac bestätigt der FAZ, dass man mit Tesla zusammenarbeite, über die Partnerschaft aber keine Details verraten wolle. Mit der Hilfe von RNA-Mikrofabriken könnten Moleküle zeitsparend und preiswert produziert werden.

Corona-Impfstoff: So geht es der ersten Probandin

Update vom 22. Juni: Die erste Freiwillige, die in Tübingen den Corona-Impfstoff der Firma Curevac erhalten hat, ist wieder nach Hause entlassen worden. „Es sieht sehr, sehr gut aus, was die Verträglichkeit und Sicherheit des Impfstoffs angeht“, sagt Studienleiter Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin am Montag. Die nächsten drei Teilnehmer sollten im Verlauf des Tages geimpft werden. Die 29-jährige Probandin war am Freitag geimpft und anschließend 24 Stunden stationär überwacht worden. Nun telefoniert sie täglich mit den Ärzten im Tropeninstitut und kommt zu regelmäßigen Kontrollvisiten. Wenn die erste Impfung gut vertragen wird, folgt einen Monat später eine zweite mit höherer Dosis.

Curevac hatte nach der Mainzer Firma Biontec als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie bekommen. Der Impfstoff der Tübinger Biopharmafirma basiert auf dem Botenmolekül mRNA und regt im Körper die Bildung eines Virus-Eiweißes an. Dies löst eine Immunreaktion aus, die den Menschen vor den Viren schützen soll.

Corona-Impfstoff: CureVac darf Menschen testen – wann es los geht

Update vom 17. Juni: CureVac darf seinen Impfstoff gegen das Coronavirus an Menschen testen. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen erteilte dem Tübinger Bio-Tech-Unternehmen die Zulassung für klinische Studien an gesunden Freiwilligen. Das teilt das PEI am Mittwoch (17. Juni) mit. Erste Probanden sollen noch im Juni geimpft werden.

CureVac ist damit das zweite deutsche Unternehmen, das eine Genehmigung bekommen hat, einen Corona-Impfstoff an Menschen zu testen. Bereits im April hatte Biontech aus Mainz eine Impfstudien-Zulassung erhalten.

Corona: 168 Personen sollen CureVac-Impfstoff testen

CureVac arbeitet seit Ende Januar an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. An der ersten Phase der klinischen Studie sollen 168 Probanden teilnehmen. Von ihnen sollen 144 geimpft werden. Voraussetzung für Testpersonen ist, dass sie erwachsen und gesund sind. In der Phase 1 will CureVac zunächst testen, ob der Wirkstoff sicher ist und eine Abwehrreaktion des Körpers auslöst. Die Studie wird in Testzentren in Tübingen, Hannover, München und Gent (Belgien) durchgeführt.

Die vor einer klinischen Studie nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen, teilte das Unternehmen auf seiner Webseite mit. Bereits im Herbst könne eine weitere, größer angelegte Testphase folgen, wenn die Daten aus der ersten Phase das zulassen. Laut CureVac wäre im Erfolgsfall die Produktion von mehreren hundert Millionen Impf-Dosen jährlich möglich.

Corona: CureVac setzt auf mRNA-Impfstoff

Wir betrachten uns als Pionier bei der Entwicklung von mRNA-Therapien“, sagt Franz-Werner Haas, Vorstandsmitglied von CureVac, das seit 2000 mRNA-Impfstoffe erforscht. mRNA ist eine Art Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt.

Für ihren Impfstoff haben die CureVac-Forscher mRNA mit der Bauanleitung für ein Protein des Coronavirus versehen. Die menschlichen Zellen bilden nach der Impfung dieses Protein, was der Körper als fremd erkennt. Er bildet Antikörper und andere Abwehrzellen dagegen. „Die Immunantwort, die wir auslösen wollen, ist sehr ähnlich der natürlichen Immunantwort“, erklärt Mariola Fotin-Mleczek, für Technologie zuständiges Vorstandsmitglied des Unternehmens.

Corona-Impfstoff: Bund steigt mit 300 Millionen Euro bei CureVac ein

Grundtext vom 15. Juni: Die Menschen weltweit hoffen darauf, dass es bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird. Nach Angaben des Verbandes forschender Pharma-Unternehmen gibt es weltweit mehr als 120 Impfstoff-Projekte, von kleinen Firmen wie CureVac und Biontech bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline. Doch ein Endergebnis hat bislang noch niemand vorzuweisen. Die Unternehmen erhalten aber immer mehr Unterstützung um voranzukommen. So zum Beispiel die Biotech-Firma CureVac aus Tübingen, in das jetzt sogar der Bund miteinsteigt.

NameTübingen
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung89.011 (31. Dez. 2011)
OberbürgermeisterBoris Palmer (Bündnis90/Die Grünen)
Hochschule und UniversitätenEberhard Karls-Universität Tübingen, Evangelisches Stift Tübingenn, Hochschule für Kirchenmusik Tübingen

CureVac: Bund beteiligt sich mit 300 Millionen Euro

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier sagt am Montag (15. Juni), dass die staatliche Förderbank KfW rund 23 Prozent der Anteile der schwäbischen Firma übernommen hat – und zwar im Wert von 300 Millionen Euro! Es sei das Ziel, dem Unternehmen
von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit zu geben. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat allerdings keinen Einfluss nehmen. Laut Altmeier sei die Beteiligung „industriepolitisch von hoher Bedeutung“, da man Forschungsergebnisse und Technologien in ganz Europa dringend brauche.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande zudem einen Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca aus Großbritannien abgeschlossen. Eine Impfpflicht, so wie viele Verschwörungstheoretiker befürchten, wird es aber trotzdem nicht geben. Laut einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY hat die Branche innerhalb kürzester Zeit bis Anfang Juni 161 Impfstoff-Kandidaten sowie 242 therapeutische Test-Wirkstoffe hervorgebracht. Dazu gehört auch die Firma Bosch, die einen Schnelltest für Covid-19 entwickelt hat. Das Unternehmen SAP von Dietmar Hopp arbeitet zudem an einer App zur besseren Nachverfolgung von Infektionen. Die Corona-Warn-App ab Dienstag (16. Juni) verfügbar sein.

CureVac: Erste klinische Studien im Frühsommer erwartet

Dietmar Hopp freue sich sehr darüber, dass der Staat den Nutzen der Biotechnologiebranche für Patienten und die Gesellschaft erkannt habe und diese „Schlüsselindustrie“ nun unterstütze. Der 80-Jährige hält über eine Beteiligungsgesellschaft rund 80 Prozent der Anteile an CureVac. Für den Einstieg des Bundes hat er allerdings keine davon verkaufen müssen, da alles über eine Kapitalerhöhung laufe.

Peter Altmaier verkündet die Entscheidung auf einer Pressekonferenz.

Die Biotech-Firma CureVac aus Tübingen hat Anfang April in Aussicht gestellt, dass bereits im Frühsommer erste klinische Studien beginnen könnten. Daraufhin kündigt auch die Europäische Union an, das Unternehmen mit bis zu 80 Millionen Euro zu unterstützen. Auch die USA und Präsident Donald Trump haben wohl Interesse bekundet und versucht, exklusive Rechte an einem Impfstoff zu erwerben! Doch das Unternehmen CureVac dementiert, jemals ein offizielles Angebot erhalten zu haben. Selbst wenn, wäre es abgelehnt worden. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, erklärt Dietmar Hopp dazu.

dpa/dh/rmx

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa - Bildfunk

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