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Corona-Mythos „Morgellons“: Das steckt hinter den ekligen Maskenwurm-Videos

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Von: Daniel Hagen

Würmer sollen sich in Masken befinden. Das steckt dahinter. (Symbolfoto)
Würmer sollen sich in Masken befinden. Das steckt dahinter. (Symbolfoto) © Philipp Von Ditfurth/Screenshot/Telegram/Xavier Naidoo

In den sozialen Medien sorgen aktuell mehrere Videos für Entsetzen. In Masken und Wattestäbchen sollen Würmer oder Morgellons eingearbeitet sein. Das steckt hinter dem Mythos:

Es sind Bilder, die für Angst und Ekel sorgen. Vor laufender Kamera kriechen kleine schwarze Wesen aus Mund-Atem-Masken und Wattestäbchen für PCR-Tests. Die Produkte sind dabei gerade erst geöffnet worden und sollten eigentlich noch unbenutzt sein. Die Personen hinter der Kamera sehen die Wesen und rasten komplett aus. Doch worum handelt es sich dabei? Sind es Würmer, Roboter oder sogar Morgellons? Und warum gehen diese kurzen Clips gerade in der Szene der Verschwörungsideologen viral? All das wird hier geklärt.

NameMark Oliver Benecke
Geboren26. August 1970 in Rosenheim
EhepartnerinInes Fischer
ParteiDie PARTEI

Morgellons: Würmer in Masken und Wattestäbchen? Mark Benecke gibt Entwarnung

Das Phänomen um die Wesen in Schutzmasken und Wattestäbchen ist nicht neu. Schon Ende 2020 sorgten die Videos in den USA für Entsetzen – seit Anfang März geht auch in Deutschland die Angst um. Doch handelt es sich bei den Sichtungen wirklich um Würmer oder sogar Morgellons? Nein. Forscher, wie der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke, sind sich sicher, dass es sich einfach nur um dunkle Textilsasern handelt.

Die könnten aus der Fabrik stammen, in dem die Stäbchen hergestellt wurden - zum Beispiel von der Arbeitskleidung der Mitarbeiter,“ erklärt Benecke der dpa. Die Stäbchen und Masken würden nämlich nicht in einem Reinraum hergestellt, sondern erst nach der Produktion sterilisiert. Der Biologe hat sich mehrere der vermeintlichen Morgellons auch unter dem Mikroskop angesehen und kann ausschließen, dass es sich um Lebewesen handelt.

Morgellons: Darum bewegen sich die „Würmer“ auf Masken

Doch ein Fakt macht bei dieser Aussage stutzig. Warum bewegen sich die Fasern in den Videos? Auch dafür gibt es eine einfache Antwort. „Wenn man auf die Fasern draufhaucht, nehmen sie die Feuchtigkeit und Wärme aus der Atemluft auf und bewegen sich dann. Auch elektrostatische Anziehungskräfte beispielsweise unter der Verpackungsfolie können für die Bewegung verantwortlich sein“, sagt Mark Benecke.

Der Effekt durch elektrostatische Anziehungskräfte wird durch das Material begünstigt. Synthetische Stoffe wie Polyester sind besonders anfällig dafür. Medizinische Bedenken muss man übrigens wegen der Textilfasern nicht haben. Laut Benecke atme der Mensch täglich verschiedene kleine Fasern ein, die aber von Mechanismen unseres Körpers abgewehrt würden. Doch es gibt weiterhin Menschen, die sich mit diesen logischen Erklärungen nicht zufriedengeben werden.

Morgellons: Verschwörungsmythos geht um die Welt

Die Videos der vermeintlichen Morgonells werden derzeit häufig auf Telegram geteilt – dem Ort, an dem Verschwörungsmythen und Fake News rasch um sich greifen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch auf den Kanälen von Xavier Naidoo, Attila Hildmann und Michael Wendler solche Clips zu finden sind. Für Verschwörungsideologen handelt es sich um einen weiteren Beweis dafür, dass die Pandemie nur das Ziel hat, die Menschheit größtenteils auszulöschen. Oder mithilfe der Wattestäbchen durch Corona-Test Mikrochips ins Gehirn zu platzieren. Was absurd klingt, wird von vielen Verschwörungserzählern wirklich geglaubt.

Morgellons: „Würmer“ gehören zu psychischer Erkrankung

In den sozialen Medien werden die vermeintlichen Würmer auch oft als Morgellons bezeichnet. Doch was ist eigentlich? Für Betroffene handelt es sich um eine nicht anerkannte Hauptkrankheit, die sie selbst diagnostiziert haben. Für Mediziner ist es eine psychiatrische Störung als Variante des Dermatozoenwahns. Das bedeutet, die Erkrankten haben die Wahnvorstellung, dass sich Lebewesen wie Würmer unter ihrer Haut befinden.

Der Begriff Morgellons stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde in einem Buch des Arztes Sir Thomas Brown erwähnt. Im Jahr 2002 entdeckte die Mutter eines angeblich betroffenen Kindes das Wort wieder und gründete eine Organisation zur Erforschung. Über das Internet hat sich dann eine wachsende Anhängerschaft gefunden. Ähnlich wie bei dem Verschwörungsmythos über die flache Erde. Die startete ebenfalls im Altertum und kam durch das Internet wieder hoch. Auch Xavier Naidoo ist Anhänger dieses Mythos. (dpa/dh)

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