RKI untersuchte 2.000 Bewohner

Corona-Studie in Kupferzell: 28 Prozent der Infizierten haben keine Antikörper!

Kupferzell: Das RKI hat im Rahmen einer Studie 2.000 Bewohner des kleinen Ortes in Baden-Württemberg getestet. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt:

  • Coronavirus: Robert-Koch-Institut (RKI) startete Studie mit 2.000 Bewohnern aus Kupferzell (Baden-Württemberg)
  • Der kleine Ort galt als Corona-Hotspot – bei einem Konzert infizierten sich 82 Menschen und steckten weitere an.
  • Am Freitag (14. August) wurden die Ergebnisse der Corona-Studie in Kupferzell präsentiert.

Update vom 14. August: Das Robert Koch Institut (RKI) hat am Freitag die Ergebnisse seiner Corona-Studie in Kupferzell präsentiert. Der kleine Ort in Baden-Württemberg wurde im März zum Corona-“Hot Spot“, als sich 82 Menschen bei einem Kirchenkonzert infizierten. Daraufhin wurden rund 2.000 der knapp 6.000 Einwohner im Rahmen des „Corona-Monitoring lokal“-Projekts vom RKI befragt und auf das Virus getestet.

Wie der SWR berichtet, hätte die Studie ergeben, dass die Dunkelziffer in Kupferzell viel höher sei, als bisher bekannt. Demnach seien 3,9-mal mehr Infektionen nachgewiesen worden. Diese Dunkelziffer sei jedoch „spezifisch für Kupferzell“ und lasse sich nicht auf andere Städte und Gemeinden übertragen, wird RKI-Projektleiterin Claudia Santos-Hövener zitiert. Bei 7,7 Prozent der Einwohner seien Antikörper nachgewiesen worden. Diese hätten laut Santos-Hövener somit „eine SARS-CoV-2 Infektion durchgemacht“. Bei Frauen wurden bei der Corona-Studie in Kupferzell mit 8,7 Prozent etwas häufiger Antikörper festfestellt, als bei Männern (6,7 Prozent).

Corona-Studie in Kupferzell: 28 Prozent der Infizierten haben keine Antikörper

Das vermutlich wichtigste Ergebnis der Corona-Studie in Kupferzell: Rund 28 Prozent der getesteten Erwachsenen, die im Fragebogen angegeben hatten, bereits positiv auf das Coronavirus getestet worden zu sein, wiesen KEINE Antikörper auf. Doch was bedeutet das? „Auch aus anderen Studien ist bekannt, dass bei einem Teil der Personen, die nachweislich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren, nach einer gewissen Zeit keine Antikörper mehr nachgewiesen werden können. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht“, zitiert focus.de die RKI-Wissenschaftlerin.

Kupferzell: Corona-Studie in Baden-Württemberg – RKI untersucht 2.000 Bewohner von „Hot Spot“

Erstmeldung vom 20. Mai: Auf der Suche nach Antworten im Kampf gegen das Coronavirus blicken Medizin und Wissenschaft in den kommenden Wochen gespannt auf einen kleinen Ort in Baden-Württemberg: In Kupferzell, einem der sogenannten Corona-Hotspots, sollen rund 2.000 der knapp 6.000 Einwohner befragt und getestet werden. Der Ort ist einer von vier Schwerpunkten der Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch-Instituts (RKI), die am Dienstag vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler sehen ihre Forschung in Kupferzell und weiteren Corona-Hotspots als Ergänzung zur sogenannten Heinsberg-Studie – nicht als Konkurrenz.

Kupferzell: Kleiner Ort in Baden-Württemberg ist „Corona“-Hotspot – RKI startet Studie

Kupferzell in Baden-Württemberg eignet sich laut RKI gut für eine Studie, denn die Gemeinde liegt recht isoliert im ländlichen Raum. Bei einem Kirchenkonzert am 1. März steckten sich dort 82 Menschen mit dem Coronavirus an – unter den Besuchern des Konzert befand sich offenbar ein Urlaubsrückkehrer aus Ischgl. In den folgenden Wochen wurden 112 Bewohner von Kupferzell positiv getestet, drei von ihnen starben. 

GemeindeKupferzell
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung5.850
BürgermeisterChristoph Spieles

In den nächsten Wochen wollen die Forscher des Robert-Koch-Instituts herausfinden, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Außerdem erhoffen sie sich Erkenntnisse über die Dunkelziffer an Infektionen und über den Anteil der Covid-19-Erkrankungen ohne Symptome. Sie wollen zudem erfahren, welche Menschen häufiger betroffen sind und wie oft eine Corona-Erkrankung so schwer verläuft, dass Betroffene ins Krankenhaus müssen. Die Studie in Kupferzell ist Teil von vier großen Testreihen des RKI, bei denen insgesamt 8.000 Menschen aus vom Virus besonders betroffenen Gemeinden mitmachen sollen. Alle weiteren Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Baden-Württemberg liest Du ab sofort in unserem neuen News-Ticker.

Kupferzell: RKI startet Corona-Studie – Ergänzung zu Heinsberg-Studie

Eine ähnliche Studie wie die in Kupferzell hat es bereits im stark vom Coronavirus betroffenen Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg gegeben. Die Ergebnisse der Heinsberg-Studie seien wichtig, bezögen sich aber nur auf die Gemeinde Gangelt, sagt Thomas Lampert, der Leiter der Abteilung für Epidomologie und Gesundheitsmonitoring am RKI. 

Claudia Santos-Hövener vom RKI sagte: „Wir können nicht ausschließen, dass in Gangelt etwas vorlag, das nicht übertragbar ist. Und je mehr Gemeinden wir einschließen, desto besser können wir das beurteilen.“ Es könne etwa berücksichtigt werden, welche Maßnahmen das jeweilige Land oder die jeweilige Gemeinde zur Eindämmung des Coronavirus getroffen hat. So sollen auch in Kupferzell Faktoren ermittelt werden, die eine Ausbreitung des Coronavirus vorantreiben oder hemmen. 

Kupferzell – Corona-Hotspot in Baden-Württemberg wird Teil einer RKI-Studie

Aussagen erhoffen sich die Forscher außerdem über die Dunkelziffer, also über die Zahl der Infizierten, die nicht erkannt wurden. Die Studie in Gangelt habe auf eine große Dunkelziffer hingewiesen, sagte Lampert vom RKI. Man wolle feststellen, ob die Ziffer in den vier Gemeinden ähnlich hoch ist. 

Nach Kupferzell: Weitere Corona-Studien in Baden-Württemberg geplant

Laut dem Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles kommt der großflächige Test in der Gemeinde bei den Bürgern gut an. Viele seien unsicher, ob sie erkrankt waren oder nicht. Es werde mit Sicherheit den ein oder anderen geben, dem der Test die Augen öffne, sagte er. Den Bewohnern von Kupferzell werden ihre Ergebnisse in den Wochen nach ihrem Test mitgeteilt. Bis zum 6. Juni sollen die Tests abgeschlossen sein. Die gesammelten Ergebnisse der Studie sollen laut RKI im Juli präsentiert werden. Nach den Tests in Kupferzell zieht das RKI-Team weiter nach Bad Feilnbach in Bayern. Dort, sowie später in zwei weiteren stark betroffenen Gemeinden, die noch nicht feststehen, werden jeweils weitere 2.000 Menschen getestet und befragt. Sie werden, proportional zur Bevölkerung und zur Altersstruktur, zufällig ermittelt. 

Zusammen mit der Heinsberg-Studie sowie weiteren geplanten Studien anderer Forscher will sich das RKI ein breites Bild über die Krankheit und deren Verbreitung verschaffen. Laut Landesgesundheitsamt sind etwa in Reutlingen und Freiburg ähnliche Studien in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung geplant. (dpa/kab)

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