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Impfung in Praxen: Das passiert, wenn Hausärzte kein AstraZeneca bestellen wollen

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Von: Eliran Kendi

Corona-Impfung: Bisher haben die niedergelassenen Mediziner ausschließlich BioNTech verimpft. Demnächst kommt AstraZeneca hinzu – das stößt auf Widerstand. Jetzt greift das Gesundheitsministerium durch.

Immer mehr niedergelassene Ärzte in Deutschland impfen ihre Patienten gegen Corona. Die Zahl der teilnehmenden Arztpraxen ist um 10.000 auf 45.000 gestiegen, wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Deutschen Presse-Agentur am Montag (12. April) in Berlin mitteilt. Die meisten sollen demnach Hausarztpraxen sein.
Allerdings dürften die Impfzahlen dennoch vorerst nicht weiter spürbar ansteigen, denn die Menge an Impfstoff stagniert voraussichtlich zunächst wie vorhergesagt. Zudem wird zum Vakzin Comirnaty von BioNtech demnächst auch der umstrittene Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca an die Praxen ausgeliefert. Nach einigen Thrombose-Fällen mit Todesfolge hat das Präparat für große Verunsicherung gesorgt und wird daher von einigen Impflingen abgelehnt.

UnternehmenAstraZeneca
ImpfstoffVaxzevria
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich

Impfung in Praxen: Angst vor AstraZeneca bleibt groß

Die Sorge ist teils so groß, dass Menschen nicht zu ihrem Impftermin kommen. Nach Informationen des SWR werden Termine in den Impfzentren in Baden-Württemberg zum Teil nicht wahrgenommen – und dann auch nicht abgesagt, wenn AstraZeneca als Impfstoff feststeht.

In einzelnen Zentren bleiben aktuell Astrazeneca-Termine frei. Das ist zwar verständlich, aber in der Sache unbegründet. Der Impfstoff ist hochwirksam und ungefährlich“, sagt Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag in Stuttgart.

Impfung in Praxen: Hausärzte wollen Vaxzevria nicht bestellen

Jetzt kommen also auch die Arztpraxen hinzu: Dort werden ab dem 19. April sowohl der Impfstoff von BioNtech als auch von AstraZeneca verimpft werden. Von den knapp eine Million Impfdosen-Dosen, die der Bund in der Woche vom 19. bis 25. April bereitstellt, wird jede Praxis zu etwa gleichen Teilen Impfstoff von beiden Herstellern erhalten.

Die Bestellung muss bis spätestens Dienstag (13. April) um 12 Uhr erfolgt sein, wie das Bundesministerium für Gesundheit mitteilt. Gegen die Vorgabe beide Impfstoffe bestellen zu müssen, regt sich seitens einiger Hausärzte jedoch Widerstand. Nach Informationen der Pharmazeutischen Zeitung akzeptieren einige Ärzte diese Bedingung nicht und erklären Vaxzevria nicht abnehmen und stattdessen nur Comirnaty beziehen zu wollen.

BioNTech und AstraZeneca: Gesundheitsministerium greift im Impfstreit durch

Um über dieses Problem zu beraten, haben sich am Montagabend (12. April) Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), des Großhandelsverbands Phagro und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) getroffen.

Nun steht fest: Wenn die Praxis ausdrücklich Comirnaty von BioNtech bestellt, soll die zuständige Apotheke Kontakt mit dem Praxispersonal aufnehmen und über die Vorgabe aufklären. Wolle die Praxis weiterhin nur Comirnaty beziehen, „kann die Bestellung nicht beliefert werden, weil der Großhandel nur gleichmäßige Bestellmengen ausliefert“, teilt die ABDA mit.

Im Klartext heißt das: Sollten sich niedergelassenen Ärzte stur stellen und den Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca verweigern, werden sie abgestraft und gehen gänzlich leer aus. (esk)

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