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Baden-Württemberg: Sind Impfzentren bald Geschichte? Ärzte fordern „Impfturbo“ für Praxen

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Von: Florian Römer

Nicola Buhlinger-Göpfarth (r), Fachärztin für Allgemeinmedizin, impft in ihrer Praxis eine Patientin gegen das Coronavirus. Dabei wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer genutzt. (zu dpa: «Hausärzte im Südwesten haben in der Breite mit dem Impfen begonnen») | Archiv
Hausärztin impft gegen Corona. © Christoph Schmidt/dpa - Bildfunk

Baden-Württemberg - Seit Kurzem impfen auch Hausarztpraxen gegen Corona, die meisten Impfdosen gehen aber weiter an die Impfzentren. Das muss sich ändern, fordern niedergelassene Ärzte:

Die Corona-Infektionszahlen bleiben weiterhin hoch, die Impfkampagne stottert vor sich hin. Zwar haben bundesweit mittlerweile 12,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Erstimpfung erhalten, fast fünf Millionen sind bereits durchgeimpft (Stand: 9. April, 10:15 Uhr), aber vielen Hausärzten geht das Impfen nicht schnell genug. Sie fordern, die Corona-Impfungen weg von den Impfzentren in die Arztpraxen zu verlagern. Statt Impfungen auf teure, oft schwer erreichbare Impfzentren zu konzentrieren, sollten Impfungen schnellstmöglich über Praxen in die Breite gebracht werden, meint die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Stattdessen geht der Bund anscheinend den anderen Weg: Rund 1 Millionen Impfdosen wöchentlichen sollten künftig in Arztpraxen verimpft werden, so der Plan. Auf Druck der Länder wird den Praxen in Kalenderwoche 16 nicht mal die Hälfte des avisierten BioNTech-Vakzins geliefert.

Corona-Impfung: Ärzte fordern Aus für Impfzentren

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat eine bundesweite Petition gestartet, in der das Starten des „Impfturbos“ gefordert wird: „Wir müssen alles unternehmen, damit nun innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Impfungen verabreicht werden“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW Dr. Johannes Fechner. Auch wenn die Impfungen seit 7. April auch auf die Arztpraxen ausgeweitet werden, hätten die rund 60 Impfzentren in Baden-Württemberg weiter Vorrang.

Der Impfstoff werde „bis zur Kapazitätsgrenze“ weiter an die Impfzentren geliefert, nur was darüber hinaus übrig bleibe, gehe an die Arztpraxen. Für die KV der falsche Ansatz: „Die Strategie muss sofort geändert werden. Die zentralen Impfzentren sollen bis auf wenige notwendige Einrichtungen geschlossen und die Impfungen auf die Arztpraxen verlagert werden mit Erstattung des situationsadäquaten Aufwands.Impfzentren seien nicht nur schwer erreichbar und man bekomme nur unter erhöhtem Aufwand einen Termin, sie seien aufgrund des hohen Personalaufwands auch zu teuer, meinen die Kassenärzte-Vertreter.

Ärzte fordern breit angelegte Impfkampagne ‒ in Praxen

Der Impf-Ablauf lasse sich in der Breite viel effizienter und kostengünstiger über Arztpraxen abwickeln. Niedergelassenen Ärzte haben in ihren Praxen weit über 100 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr, rechnet Fechner vor. im Gegensatz zu den Impfzentren, sei die Vorgeschichte der Patienten in Arztpraxen bekannt. Zudem könnten sie ihre Patienten „situationsgerecht“ kontaktieren. „Für die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sind Impfungen Alltag“, erklärt Fechner. „Jedes Jahr werden Millionen Impfungen in den Praxen verabreicht – geräuschlos, effizient und kostengünstig. Genau diese Struktur muss nun genutzt werden.“ 

Die Impfzahlen der vergangenen Zahlen scheinen den niedergelassenen Ärzten übrigens Recht zu geben: Bis Dienstag (6. April) wurden laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums in der Spitze 372.506 Menschen an einem Tag geimpft. Pro 100.000 Einwohner kommt Deutschland aktuell auf 20,5 Impfungen. Seitdem auch Arztpraxen gegen Corona immunisieren, liegt der Tageshöchstwert an Impfungen fast doppelt so hoch wie zuvor: Am Donnerstag (8. April) wurden bundesweit 719.927 Impfungen verabreicht. (rmx)

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