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Corona-Impfstoff: Schaumaplast aus Reilingen baut Kühl-Boxen für Vakzine

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Von: Sylvia Niestroj-Haß

Geschäftssitz des Unternehmens Schaumaplast in Reilingen
Geschäftssitz des Unternehmens Schaumaplast in Reilingen © Sebastian Kahnert/dpa

Reilingen – Die Firma Schaumaplast produziert spezielle Transportboxen für Corona-Impfstoffe – und leistet somit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Bis vor kurzem war den meisten der Name Schaumaplast nicht bekannt. Die Firma stellt seit 57 Jahren Verpackungen und Formteile aus Plastik her. 1964 wurde in Viernheim der Grundstein für das mittlerweile internationale Unternehmen gelegt. Inzwischen verfügt die Firma, deren Hauptsitz 1971 nach Reilingen verlegt wurde, neben Standorten in Deutschland auch internationale Produktionsstätten in Łódź (Polen) und Arizona.

Weltweit zählt Schaumaplast 250 Mitarbeiter, 87 davon an ihrem Firmensitz in Reilingen. Bisher hatte sich das mittelständische Unternehmen vor allem auf die Automobilbranche und den Medikamenten- und Organtransport konzentriert. Damit hat das Unternehmen selbstverständlich auch Erfahrung mit der Verpackung und Auslieferung von Impfstoffen. Seitdem die Firma als Hersteller von Thermo-Transportboxen für die Coronavirus-Impfstoffe fungiert, hat sich ihr Bekanntheitsgrad immens gesteigert.

Schaumaplast in Reiligen: Lagerung und Transport von Corona-Impfstoffen besonders anspruchsvoll

Die Herstellung von Transportboxen für die Auslieferung der neuen Corona-Impfstoffe war jedoch auch für das erfahrene Unternehmen eine Herausforderung – schließlich sind die Anforderungen an eine solche Transportbox sehr hoch: So müssen sehr anspruchsvolle Temperaturbereiche von bis zu minus 70 Grad gewährleistet werden – und zwar konstant, über eine Transportdauer von mindestens vier bis fünf Tagen, natürlich ohne Unterbrechung der Kühlkette. Über Monate wurde dafür geforscht und getestet, bis man in den firmeneigenen Klimakammern die sicherste und beste Kombi aus Box und speziellen Kühlelementen gefunden hatte.

Für die Kühlung der Transportboxen sorgt der Einsatz von Trockeneis, also gefrorenem CO₂, welches eine Temperatur von minus 78 Grad erreicht, bevor es anstatt zu schmelzen direkt zu Gas sublimiert. Für den Transport von derart Temperatur-sensiblen Stoffen wie dem Corona-Impfstoff also ideale Voraussetzungen. Auch Kühlakkus werden zur Aufrechterhaltung der „Deep Froze“ Temperaturanforderungen genutzt. Zusammen mit einer mehrschichtigen Styroporverpackung können die Transportboxen fünf bis sechs Tage ohne Stromzufuhr aushalten, ohne dass die Temperatur sinkt.

Schaumaplast in Reilingen – unterschiedliche Temperaturanforderungen für unterschiedliche Impfstoffe

Die Transportboxen werden dabei je nach Anforderungen des jeweiligen Impfstoffes hergestellt: Während der eine Impfstoff eine konstante Temperatur von minus 70 Grad erfordert, müssen andere Impfstoffe bei einer Temperatur von minus 20 Grad, oder 2 bis 8 Grad transportiert werden. Während der hochsensible mRNA-Impfstoff von BioNTech Südpol-Minusgrade für Transport und Lagerung benötigt, reicht beim Impfstoff von Moderna eine Temperatur von minus 20 Grad aus: Die mRNA des Moderna-Impfstoffes verfügt über eine andere, temperaturbeständigere Schutzhülle, als bei dem BioNTech-Impfstoff.

Die größte Schwierigkeit ist es, die Temperatur konstant zu halten, ohne dass es zu einer Überkühlung zu Beginn des Transportes und einer Überwärmung zum Ende des Transportes kommt. Das ist umso wichtiger, wenn es um den Export von Corona-Impfstoffen in südliche Länder geht – und auch hierzulande braucht es angesichts der steigenden Temperaturen mit dem Anbruch der warmen Jahreszeit verlässliche Lösungen. Dafür wird die Box in der firmeneigenen Testanlage unterschiedlichen Außentemperaturen ausgesetzt – um so die Bedingungen eines kompletten Transportes zu simulieren.

Toni Küttner zeigt in einer Lagerhalle des Unternehmens Schaumaplast die Funktionsweise einer Kühlbox. 
Eine Schaumaplast-Kühlbox © Sebastian Kahnert/dpa

Schaumaplast: Qualitätsprüfung unerlässlich für zuverlässliche Impfstofflogistik

Da die Boxen während des Transportes viel aushalten müssen, werden sie in der sogenannten „Falltest-Anlage“ aus mehreren Metern Höhe fallen gelassen. Weil nicht nur das Transportklima, sondern auch die Lieferdauer beachtet werden müssen, verfügen die einzelnen Transportboxen über unterschiedliche Isolierzeiten. Dabei gilt natürlich: Je höher die erforderliche Lagerungs- und Transporttemperatur des jeweiligen Impfstoffes, desto länger kann diese gehalten werden: So kann die Kältebox „O-Box H250“ von OHLRO einen Temperaturbereich von 2 bis 8 Grad für bis zu 10 Tage konstant halten.

Schaumaplast als Hoffnungsträger in der Bekämpfung der Corona-Pandemie

Was also aussieht wie eine unscheinbare Styroporbox, ist Hightech und Hoffnungsträger in der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Dieser Tatbestand zeigt, laut Schaumaplast-Geschäftsführer Bernhard Hauck, wie wichtig einzelne Beiträge für die Pandemiebekämpfung sind. Wenngleich das Familienunternehmen, wie so viele andere Firmen auch, zwischenzeitlich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen hatte, so beschert Corona dem Namen Schaumaplast in den letzten Monaten volle Aufmerksamkeit. Bis zu 1.000 Transportboxen werden alleine im Firmenhauptsitz täglich produziert. Jede einzelne von ihnen wird dabei aufwendigen Tests ausgesetzt.

Schaumplast will Export in entlegenere Erdteile ermöglichen

Für eine Impfstofflogistik innerhalb der EU ist das Unternehmen also bestens ausgerüstet – eine nächste Herausforderung, an der die Firma Schaumaplast derzeit arbeitet, ist der Transport in entlegenere Erdteile mit schlechterer Infrastruktur und eventuell damit zusammenhängenden fehlenden Kühlkapazitäten. Hierbei ist es ganz besonders wichtig, dass auch vor Ort eine optimale Lagerung garantiert werden kann.

Dazu kooperiert das Unternehmen mit großen Palettentransportern, um auch für eine entsprechende Exportmenge an Impfstoff beispielsweise nach Afrika sorgen zu können. In palettengroßen Kühlboxen soll die für den jeweiligen Impfstoff erforderliche Temperatur auf diese Weise für bis zu acht Tage konstant gehalten werden. Denn nur durch eine flächendeckende Impfstoffverteilung kann die Pandemie eingedämmt werden. Schaumaplast leistet mit seiner Arbeit einen ganz bedeutenden Beitrag zum globalen Impffortschritt. (snh)

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