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Corona-Impfstoff: Hacker-Attacke auf Arzneimittelbehörde – Daten von BioNTech betroffen

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Von: Daniel Hagen

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Mainz/Tübingen - Die Unternehmen BioNTech und CureVac könnten durch ihre Arbeit an einem Impfstoff Opfer von Cyber-Attacken werden. Nun ist die Seite der EMA angegriffen worden.

Update vom 10. Dezember:Heute wurden wir von der European Medicines Agency (EMA) darüber informiert, dass die Agentur Opfer einer Cyber-Attacke geworden ist und dass sich zu einigen Unterlagen, die im Zusammenhang mit der behördlichen Vorlage für Pfizers und BioNTechs Impfstoff-Kandidate BNT162b2 stehen und auf dem Server der EMA gespeichert waren, unbefugter Zugang verschafft worden ist“, schreibt das Unternehmen BioNTech am Mittwoch (9. Dezember) auf ihrer Internetseite.

Glücklicherweise habe es aber keine Brüche im System von BioNTech oder Pfizer direkt gegeben, vor denen Experten schon seit Monaten warnen. Zudem habe es wohl keinen Zugriff auf Daten von Studienteilnehmer gegeben. Das Mainzer Unternehmen wartet nun auf den Ausgang der Ermittlungen der EMA. Die Cyber-Attacke habe auch keinen Einfluss auf den Zeitplan der Entscheidung, ob der Impfstoff eine Notfallzulassung erhalten wird. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA wird unterdessen heute ab 15 Uhr mit einer öffentlichen Debatte über eine Zulassung in den USA entscheiden.

Corona-Impfstoff: Fällt BioNTech Hackern zum Opfer? Warnung vor Nordkorea und Russland

Erstmeldung vom 27. November: Auf der ganzen Welt wartet man derzeit auf Impfstoffe gegen das Coronavirus, damit endlich wieder Alltag einkehren kann. In Deutschland zählen die Unternehmen BioNTech aus Mainz und CureVac aus Tübingen zu den großen Hoffnungsträgern. Uğur Şahin und Özlem Türeci haben ihren Impfstoff sogar schon für eine Notfallzulassung in den USA und Europa angemeldet. Doch der Wettlauf um ein funktionierendes Mittel gegen Corona hat auch seine negativen Seiten. So könnten Hacker versuchen, an vertrauliche Daten zu gelangen, um diese dann für sich zu nutzen oder zu verkaufen. Davor warnt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

NameBioNTech
SitzMainz
GründerUğur Şahin, Christoph Huber und Özlem Türeci

Corona-Impfstoff: Bundesamt warnt vor Cyber-Attacken auf BioNTech und CureVac

Die Bedrohungslage der deutschen Impfstoffhersteller schätzen wir als hoch ein“, erklärt Arne Schönbohm der Nachrichtenagentur Reuters. Der 51-Jährige ist Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das seit dem Jahr 1991 für Fragen der IT-Sicherheit zuständig ist. Der Hamburger, der nebenbei auch noch Sprecher des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums ist, sieht in den Unternehmen BioNTech und CureVac attraktive Ziele für Cyber-Angriffe.

Das BSI habe die biotechnologischen Firmen bereits im März gewarnt und auf die Gefährdungslage hingewiesen. „Auch mit dem Gesundheitsministerium sprechen wir darüber, was man zusätzlich etwa für den Schutz der nötigen Logistikketten für Impfstoffe tun kann“, sagt Arne Schönbohm im Hinblick auf die kommende Impfung der Bevölkerung. Dafür werden extra eigene Impfzentren eröffnet. Laut Sierk Poetting, Finanzvorstand von BioNTech, könne im ersten Halbjahr 2021 mit etwa 250 Millionen Impfdosen gerechnet werden.

Corona-Impfstoff: BioNTech erhört Sicherheitsvorkehrungen

Bei BioNTech in Mainz sind in den letzten Wochen die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren worden – sowohl im IT-Bereich, als auch bei Wachleuten. Ob das auch damit zusammenhängen kann, dass Verschwörungsideologen wie Attila Hildmann zu einer Demonstration vor dem Unternehmenssitz aufgerufen haben, ist nicht bekannt.

Wir haben intern eine erhöhte Alarmbereitschaft festgelegt und tauschen uns mit den Kollegen in Frankreich, den USA und Großbritannien aus“, sagt Arne Schönbohm. Ob es bereits Cyber-Angriffe auf Impfstofffirmen in Deutschland gegeben hat, will der 51-Jährige aber nicht beantworten.

Corona-Impfstoff: Hacker-Angriffe aus Russland und Nordkorea

Dass Hacker ihr Glück bei Impfstofffirmen wie BioNTech oder CureVac versuchen werden, zeigt die internationale Erfahrung. Am 13. November warnt der Software-Gigant Microsoft in einem Blogpost vor den Gefahren der Cyber-Kriminalität. Der Vize-Präsident und Sicherheitsbeauftragte des Unternehmens Tom Burt erklärt, dass es in den vergangenen Monaten gleich drei Angriffe gegeben habe. Bei den Zielen soll es sich um sieben pharmazeutische Unternehmen aus Kanada, Frankreich, Indien, Südkorea und den USA gehandelt haben.

Wer hinter den Cyber-Angriffen stecken soll, ist Microsoft sogar bewusst. Es soll sich um eine russische Hackergruppe namens „Strontium“ und zwei nordkoreanische Gruppen namens „Zinc“ und „Cerium“ handeln. Diese versuchen durch einen sogenannten „Passwort-Sprühangriff“ auf die Accounts von Mitarbeitern zuzugreifen. Auch Phishing-Mails werden eingesetzt, die sich als Teil der WHO ausgeben. „Wir denken, dass diese Attacken völlig unzumutbar sind und von der Zivilgesellschaft verurteilt werden sollten“, schreibt Tom Burt dazu. Es wird erwartet, dass der Impfstoff in Deutschland und Europa noch vor Weihnachten zugelassen wird. (dh)

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