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Corona Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann räumt Fehler ein – „Kontrolle entglitten“

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Von: Eliran Kendi

Baden-Württemberg - Kurz vor dem nächsten Corona-Gipfel zwischen Bund und Ländern am 10. Februar räumt Ministerpräsident Winfried Kretschmann Fehler im Krisenmanagement ein.

Am Mittwoch, 10. Februar steigt der große Showdown. Dann entscheiden Bund und Länder ob und wann gegebenenfalls vorsichtige Lockerungen möglich sind. Mit Blick auf mögliche Lockerungen will Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, zunächst das Coronavirus weiter eindämmen: „Erst wenn wir deutlich unter eine Inzidenz von 50 kommen – am besten auf die Hälfte davon – können wir gewährleisten, dass wir wieder alles im Griff haben“, erklärt Kretschmann gegenüber dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Schätzungen zufolge könnte bei einer Verlängerung des Lockdowns eine 7-Tages-Inzidenz von 25 bereits Ende Februar erreicht werden daher scheint der Ministerpräsident nichts überstürzen zu wollen; zumal der Grünen-Mann nicht denselben Fehler zweimal machen will, wie er im Interview freimütig zugibt. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Corona in Baden-Württemberg: Kretschmann räumt Fehler im November 2020 ein

Seit November sind die Infektionsketten nicht mehr nachverfolgbar gewesen, resümiert der Landesvater: „Da ist uns die Kontrolle über die Pandemie entglitten – jetzt holen wir sie uns langsam wieder zurück“. Dieser Umstand sei auch auf Fehler beim Corona-Krisenmanagement zurückzuführen.

Gegenüber dem „Tagesspiegel am Sonntag“ räumt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg auch ein: „Der Lockdown light im November war falsch, die Einschränkungen gingen nicht weit genug“. Von Teilen der Wissenschaft habe man die Ansage bekommen, dass das genügen könnte. „Das war aber ein Irrtum.“ Man habe unter Druck handeln müssen. „Dabei passieren Fehler, das ist leider so“, erklärt Kretschmann.

Corona Baden-Württemberg: Kretschmann sieht Schuld für Impfstoffdebakel bei der EU

Neben falschen Entscheidungen bezüglich der Corona-Maßnahmen, seien auch bei der Planung zu den Corona-Impfungen Fehler unterlaufen. „Die EU hat sich offenbar nicht hinreichend auf die Anforderung einer Massenproduktion konzentriert. Das hängt uns jetzt in den Kleidern.“ Fakt sei, dass durch keine der beschlossenen Maßnahmen, der Mangel an Impfstoff beseitigt werden könnte. Dafür fehle es einfach noch an Produktionskapazitäten, wie echo24* berichtet.

Baden-Württemberg: Akzeptanz für Corona-Maßnahmen schwindet

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur sind 37 Prozent der Bürger für eine Verlängerung der Corona-Maßnahmen über den 14. Februar hinaus, 13 Prozent sind sogar für eine Verschärfung. 30 Prozent der Befragten sind für Lockerungen, 7 Prozent machen keine Angaben.

Die neuerlichen Umfragewerte zeigen auf, dass die Akzeptanz für die ergriffenen Maßnahmen schwindet. Anfang Januar waren noch 65 Prozent für eine Beibehaltung oder Verschärfung des Lockdowns.

Corona in Baden-Württemberg: Kretschmann kann Corona-Verdrossenheit der Bevölkerung nachvollziehen

Der Landeschef kann die Verdrossenheit der Menschen in der Corona-Krise gut nachvollziehen, da es keine Planbarkeit und Verlässlichkeit gebe. In normalen Zeiten seien das berechtigte Anforderungen an die Politik. Momentan gebe es aber keine Planbarkeit. Dies sei für alle eine neue Situation.

Neben der Akzeptanz für die Corona-Maßnahmen nimmt auch die Beliebtheit des Grünen-Politikers bei der Bevölkerung ab. 69 Prozent der Befragten einer SWR-Umfrage stellen dem Landeschef ein gutes Zeugnis aus. Das sind 8 Prozent weniger als noch im Oktober 2020.

Corona in Baden-Württemberg: Kretschmann schlägt Fehleranalyse vor

Für die bessere Aufarbeitung schlägt der Ministerpräsident eine umfassende Fehleranalyse nach Ende der Corona-Pandemie vor. „Wenn sie im Großen und Ganzen vorbei ist, würde ich dem Bundestag empfehlen, umgehend eine Enquete-Kommission einzusetzen, gerne auch schon im Frühsommer.“

Die Enquete-Kommission, die sich sowohl aus Volksvertretern, als auch aus externen Sachverständigen zusammensetzt, soll alle Felder durchkämmen und festhalten, welche Konsequenzen aus der Corona-Pandemie zu ziehen seien. *HEIDELBERG24 und echo24 sind Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks. (esk)

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