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Circular City Heidelberg: So clever will die Stadt Abrissmaterial für Neubauten verwerten

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg - Als europaweit erste Kommune will die Uni-Stadt dank „Urban Mining“ anfallendes Abrissmaterial von Gebäuden für die Errichtung neuer Bauwerke nutzen:

Ökologisch mal wieder ganz weit vorne zeigt sich Heidelberg – und das sogar europaweit. Denn die Stadt will mit dem Abfall aus Umbau und Abriss von Gebäuden sorgsamer umgehen. Materialien wie Beton, Stahl, Holz oder Kunststoff landeten bislang meist auf der Deponie oder als Füllmaterial im Straßenbau, obwohl sie für neue Bauvorhaben dringend benötigt und teuer bezahlt würden, teilten die Stadt und ihre Projektpartner am Donnerstag (23. Juni) mit.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Ziel Klimaneutralität dank „Urban Mining“ erreichen

Das ambitionierte Ziel: Bis spätestens 2050 will Heidelberg klimaneutral werden. „Das schaffen wir nur, wenn wir uns bereits jetzt mit dem enormen Energie- und Ressourcenverbrauch auseinandersetzen, den Bautätigkeiten verursachen“, betonte der Erste Bürgermeister Jürgen Odszuck (CDU).

Laut eigenen Angaben setzt Heidelberg mit dem Projekt „Circular City Heidelberg“ als erste Stadt Europas auf das Prinzip „Bergbau in der Stadt“. Ziel dieses „Urban Mining“ ist eine vollständige ökonomische und ökologische Analyse des gesamten Gebäudebestands in einem digitalen Materialkataster. Dieses soll Auskunft darüber geben, welches Material in welcher Qualität und in welcher Menge verbaut wurde.

Die „Circular City Heidelberg“ will dank „Urban Mining“ anfallendes Abrissmaterial für Neubauten nutzen. (Symbolfoto/Archivbild)
Die „Circular City Heidelberg“ will dank „Urban Mining“ anfallendes Abrissmaterial für Neubauten nutzen. (Symbolfoto/Archivbild) © HEIDELBERG24/Robin Eichelsheimer

Circular City Heidelberg: Statt Deponie – Bauschutt für Neubauten wiederverwerten

„Das Projekt ‚Circular City Heidelberg‘ ist der zukunftsweisende Weg für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft in der Baubranche. In alten Gebäuden schlummern viele Schätze. Bei Gebäudeabrissen landen sie aber zu oft auf der Deponie, obwohl sie wiederverwertbar wären“, so Odszuck beim Greentech Festival.

Mithilfe des neuen Material-Katasters könne man künftig abschätzen, ob bei einem Abriss oder einer Sanierung recycelbare Rohstoffe und Materialien wie Beton, Stahl, Mauerstein oder Kunststoff anfallen.

Circular City Heidelberg – Bürgermeister Odszuck: „Verringert Abhängigkeit von Rohstoffen“

„Das hilft, Ressourcen sinnvoll zu nutzen und Abfallberge zu vermeiden. Wir müssen unsere vorhandenen Gebäude als Rohstofflager betrachten und in der Zukunft bei Neubauten die richtigen Voraussetzungen schaffen. ‚Urban Mining‘ ist die Möglichkeit dafür!“, so Odszuck weiter.

Auf Basis dieser Informationen lassen sich beispielsweise Deponien und Aufbereitungsflächen planen und eine regionale Wertschöpfung durch regionale Lieferketten anstoßen, wie Odszuck erläuterte. „Das verringert die Abhängigkeit von importierten Rohstoffen oder lange Transportwege“.

Rohstoffsubstanz in Deutschland rund 16 Milliarden Tonnen

In Deutschland summiert sich nach den Angaben der Stadt und ihren Experten die Rohstoffsubstanz der Gebäude auf geschätzt unglaubliche 15 bis 16 Milliarden Tonnen – 190 Tonnen pro Person.

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Wiederverwertung von Gebäuden ist kein neues Prinzip: Menschen früherer Jahrhunderte nutzen Steine alter Burgen für den Bau von Siedlungen. Zerstörte Gebäude waren für die Trümmerfrauen nach dem Krieg urbane Minen. (dpa/pek)

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