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Christian Baldauf: Dieser Frankenthaler will Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz werden

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Von: Eliran Kendi

Christian Baldauf (CDU) steht vor einigen seiner Wahlplakate.
Christian Baldauf (CDU) ist Spitzenkandidat mit Chancen auf das Amt des Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz © Andreas Arnold/dpa

Frankenthal - Am 14. März wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Christian Baldauf will Malu Dreyer als Ministerpräsident beerben. Wer ist der Spitzenkandidat der CDU und wofür steht er.

Im zarten Alter von 15 Jahren bereits in der CDU! Ist Jugend nicht progressiv und Alter konservativ? Das Klischee vom rebellierenden Teenager trifft auf Christian Baldauf scheinbar nicht zu. Schon in jungen Jahren steht für den heute 53-Jährigen fest: Er will wertkonservativ sein. Fragt man den Spitzenkandidaten der CDU, wer ihn zu diesem frühen Schritt inspiriert hat, folgt wenig überraschend: Helmut Kohl. Rückblickend sagt der Frankenthaler Baldauf über den Oggersheimer Altkanzler an dessen dritten Todestag: „Helmut Kohl war ein ‚junger Wilder‘, der die CDU im Land entscheidend geprägt und modernisiert hat.

Mit diesem Elan zum Vorbild, macht sich der Spitzenkandidat der CDU daran, in die Fußstapfen seines Idols zu treten. Seit nunmehr 30 langen Jahren sitzt die CDU in Rheinland-Pfalz in der Opposition – Christian Baldauf will diese ewig anmutende Durststrecke beenden und der nächste Ministerpräsident werden.

NameChristian Baldauf
Geboren9. August 1967 in Frankenthal
FamilieVerheiratet; zwei Kinder
WohnortFrankenthal
FußballvereinFan des 1. FC Kaiserslautern; Dauerkartenbesitzer seit 1987
Soziales EngagementMitglied bei den Maltesern, den Johannitern und im Tierheim Frankenthal.
Hobbysu.a. Tennis, Tischtennis, Tauchen (400 Tauchgänge in aller Welt)

Christian Baldauf: Ausbildung und berufliche Karriere des CDU-Spitzenkandidaten

Bereits die geographische Nähe zwischen seiner Heimatstadt und Oggersheim legt eine Verbundenheit zur CDU-Ikone Kohl nahe: Christian Baldauf wächst nur einen Katzensprung entfernt in Frankenthal auf. Dort besucht er das Albert-Einstein-Gymnasium und legt 1986 das Abitur ab. Nach seinem Wehrdienst in Montabaur studiert er auf der anderen Rheinseite in Mannheim und Heidelberg Rechts- und Verwaltungswissenschaften.

Sein erstes Juristisches Staatsexamen legt er 1991 ab; immer heimatverbunden absolviert er sein Referendariat wieder in der Pfalz: Baldauf arbeitet unter anderem in der Verwaltungshochschule Speyer, in Neustadt bei der damaligen Bezirksregierung und in einer Kanzlei in Frankenthal. Nach einem kurzen Intermezzo als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Maria Böhmer legt Baldauf 1994 sein zweites Juristisches Staatsexamen ab. Nach der akademischen Ausbildung tritt er als Fachanwalt für Arbeits- und Dienstrecht in die Anwaltskanzlei Menzel und Kroll in Frankenthal ein. Bereits fünf Jahre später wird er Partner in der Frankenthaler Kanzlei Walter, Baldauf, Theobald Rechtsanwälte.

Christian Baldauf (CDU): Politische Laufbahn in Rheinland-Pfalz

Der Weg zur politischen Führungsposition geht in der CDU oftmals über die Jugendvereinigigung „Junge Union“, so auch bei Christian Baldauf. Zwischen 1992 bis 1996 führt er als Vorsitzender die Junge Union im Kreisverband Frankenthal, um anschließend von 1999 bis 2007 den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Frankenthal zu übernehmen.

Bereits seit seiner Zeit in der „Jungen Union“ ist der aufstrebende Politiker Mitglied des Frankenthaler Stadtrats. Im Jahre 2006 wird er schließlich zum Landesvorsitzenden der CDU gewählt. Zwei Jahre später wird er mit einem fulminanten Ergebnis im Amt bestätigt: 98,3 Prozent der Stimmen entfallen nach der Wahl auf den Mann aus Frankenthal.

Bis zu diesem Zeitpunkt geht die politische Laufbahn Baldaufs nur in eine Richtung: nach oben. Doch vier Jahre später folgt der erste Bruch: Knapp ein Jahr vor der Landtagswahl 2011 setzt die CDU in Rheinland-Pfalz ganz auf die junge Julia Klöckner als neue Führungsfigur. Mit überwältigender Mehrheit wird die damals 37-Jährige zur Spitzenkandidatin der CDU gewählt. Auch auf den Landesvorsitz verzichtet der Frankenthaler und rückt als stellvertretender Vorsitzender ins zweite Glied; gleiches gilt für den Fraktionsvorsitz im Landtag. und war bis zum Frühjahr 2018 erster stellvertretender Vorsitzender.

Erst nachdem Klöckner im März 2018 als neue Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft nach Berlin geht, wird er erneut Vorsitzender der Landtagsfraktion und ist damit auch Oppositionsführer im rheinland-pfälzischen Landtag. Im Juni 2019 wird Christian Baldauf durch den Landesvorstand der CDU schließlich als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz vorgeschlagen. Doch auch in diesem Durchgang stellt sich ihm ein parteiinterner Herausforderer in den Weg: Landrat Marlon Bröhr. Dieser erreicht jedoch bei der Abstimmung auf dem folgenden Landesparteitag lediglich 20 Prozent der Stimmen.

Damit erhält der Kohl-Bewunderer aus Frankenthal nach zwei gescheiterten Anläufen seiner Parteifreundin Klöckner das erste Mal die Chance Regierungschef zu werden.

Christian Baldauf (CDU) vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Wahlkampf im Schatten der Masken-Affäre

Fragt man Christian Baldauf warum er bereits als Teenager 1983 in die CDU eingetreten ist, verweist er gerne auf die damals von Helmut Kohl eingeleitete „geistig-moralische Wende“ als Inspirationsquelle. Doch nach 16 Kanzler-Jahren ist das Bild der CDU-Ikone ambivalent: Einerseits gilt er als Vater der Einheit und leidenschaftlicher Europäer, andererseits aber auch als unnachgiebiger Polarisierer und Drahtzieher hinter den „Schwarzen Partei-Konten“.

So trauern Freunde, Angehörige und Unterstützer des Altbundeskanzlers Helmut Kohl vor seinem Bungalow in Ludwigshafen-Oggersheim.
Christian Baldauf (l-r, CDU, stellv. Vorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz), Gabriele Bindert (CDU, Vorsitzende vom Kreisverband Frankenthal), Maria Böhmer (CDU, MdB) und Peter Uebel (CDU, OB-Kandidat Ludwigshafen) stehen am 19. Juni 2017 in Oggersheim (Rheinland-Pfalz) vor dem Haus des verstorbenen, ehemaligen Bundeskanzlers Kohl (CDU). © dpa/picture alliance

Letzteres will Baldauf mit Sicherheit am liebsten vergessen machen, doch ausgerechnet wenige Tage vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz sorgt eine andere politische Affäre für desaströse Negativ-Schlagzeilen: Der Masken-Skandal um die Bundestagsabgeordneten Nüßlein und Löbel hat auf den ersten Blick nichts mit der rheinland-pfälzischen CDU zu tun, dennoch werden Auswirkungen auf Wahltag erwartet. Der politische Gegner nutzt erwartungsgemäß die Gunst der Stunde und deutet den Skandal als „strukturelles Korruptions-Problem“ in der CDU.

Den rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidat bleiben daher nicht allzu viele Handlungsoptionen und so geht Christian Baldauf kurz vor der Landtagswahl in die Offensive und fordert beide unter korruptionsverdacht stehende Bundestagsabgeordnete auf, ihre Mandate sofort niederzulegen. Sollten sie sich weigern, sollte die Union sie aus der Fraktion ausschließen, fordert Baldauf.

Christian Baldauf: Wahlkampf für die rheinland-pfälzische CDU

Ungeachtet der Querelen in der Bundes-CDU vertritt der Spitzenkandidat hinsichtlich seiner politischen Positionen zumeist die klassische CDU-Linie – insbesondere bei der Sicherheitspolitik: Er setzt sich als Befürworter eines strengeren Strafrechts sowie einer bei Datenschützern umstrittenen verstärkten Videoüberwachung ein.

Mit Beginn der Corona-Pandemie versucht sich Baldauf zudem ein gesundheitspolitisches Profil zuzulegen: So fordert er im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung in Rheinland-Pfalz. Um dieses Ziel umzusetzen will Baldauf die Studienplätze für Medizin erhöhen und Stipendien mit Bindung an das Bundesland vergeben sowie die Förderung der Krankenhäuser vereinfachen.

Viele Oppositionspolitiker versuchen sich in der Corona-Krise über Lockerungs-Vorschläge und Öffnungs-Strategien zu profilieren – nicht so Christian Baldauf: Er geht den entgegengesetzten Weg und fordert Corona noch entschlossener zu bekämpfen: „Wer derzeit noch verlangt, alles so schnell wie möglich wieder zu öffnen, den fordere ich auf, bitte mal in die Krankenhäuser und Pflegeheime zu gehen, wo täglich hunderte Menschen sterben“, mahnt der CDU-Mann im Interview mit Onlineportal der „Zeit“. Damit distanziert sich Baldauf von der baden-württembergischen Parteifreundin und CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann, die beispielweise für eine möglichst schnelle Schulöffnung wirbt.

Christian Baldauf muss die potenziell tödlichen Auswirkungen einer Corona-Infektion im engsten Familienkreis mitansehen: Sein Vater ist Ende Dezember 2020 an Covid-19 gestorben. Für sogenannte „Corona-Leugner“ und „Impfgegner“ hat Baldauf nur kritische Worte übrig. Eindringlich appelliert er an die Menschen ihrer Verantwortung nachzukommen und sich impfen zu lassen.

Wahlplakate zur Landtagswahl 2021 von Malu Dreyer (SPD) und Christian Baldauf (CDU)
Wahlplakate zur Landtagswahl 2021 von Malu Dreyer (SPD) und Christian Baldauf (CDU) © Manngold/imago-images

Auch Bildungspolitisch zieht er mit einigen gewagten Versprechen in den Wahlkampf: Ob IT-Spezialisten an jeder Schule oder Sprachtests für angehende Grundschüler, in allen Belangen betont der CDU-Kandidat Verbesserungspotenzial zu sehen.

Ob der engagierte Wahlkampf ausreichen wird, damit Christian Baldauf die beliebte Landesmutter Malu Dreyer (SPD) als Regierungschef ablösen kann, entscheidet sich am Sonntag (14. März) – dann wird der Landtag von Rheinland-Pfalz zum 18. Mal neu gewählt. (esk)

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