Spaziergänger (65) tot

Tödliche Elefanten-Attacke: Polizei ermittelt

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Zirkuselefant „Baby“ (34) tötet am Samstag einen Menschen.

Buchen – Nach der tödlichen Attacke eines ausgerissenen Zirkus-Elefanten am Samstag ermittelt die Polizei. Wie kann so etwas passieren? Und wie gefährlich sind die Dickhäuter wirklich?

Eine tödliche Begegnung am Samstagmorgen in Buchen: Ein 65-Jähriger trifft bei Tagesanbruch beim Sammeln von Pfandflaschen auf den afrikanischen Elefanten „Baby“, der aus dem in der Nähe gastierenden Zirkus abgehauen ist.

Der Dickhäuter greift an – der Mann ist auf der Stelle tot.

Absicht oder Nachlässigkeit?

Nun muss untersucht werden, wie das Tier entlaufen konnte. Laut Polizei sei Fremdverschulden nicht ausgeschlossen!

Erste Ermittlungen ergeben, dass das Zelt, in dem die Elefantenkuh gehalten wurde, nach deren Flucht völlig unbeschädigt war. „Der Elefant kann sich nicht selber rauslassen. Also bleibt: Wurde er rausgelassen oder war er nicht richtig eingesperrt?“, so ein Polizei-Sprecher zur Deutschen Presseagentur.

Vor ihrem tödlichen Angriff war „Baby“ nicht angekettet, sondern nur durch einen Elektrozaun gesichert.

Nun wurde bekannt: Dieser Elefant zeigte nicht zum ersten Mal ein gefährliches Verhalten.

Laut dpa schleudert das Tier 2010 einen 24-jährigen Mann in die Luft, der einen neun Monate alten Jungen auf dem Arm hält. Der Mann verliert eine Niere, das Kind bricht sich ein Bein.

Zwei Jahre später bricht „Baby“ einem 12-Jährigen, der während einer Tierschau die Sicherheitszone betritt, mit dem Rüssel den Kiefer.

Tierschützer geben außerdem an, dass die Elefantenkuh bereits 2000 eine Frau schwer verletzt habe. Laut Polizei war dem Besitzer des Tieres allerdings bisher kein strafbares Verhalten vorzuwerfen.

Nette Riesen oder unberechenbare Killer?

Etwa 50 Elefanten führen in deutschen Zirkus-Manegen ihre Kunststücke auf. Doch was, wenn die Dickhäuter ausbrechen? Ist „Baby“ nur ein Einzelfall oder sind Zirkus-Elefanten generell gefährlich für uns Menschen? Durch den tragischen Vorfall wird die Debatte um die Tierhaltung im Zoo jetzt nur noch verschärft.

„Im Zirkus wird suggeriert, das sind ganz liebe Tiere, aber das ist nur die halbe Wahrheit“, so Experte Tobias Dornbusch, der für die European Elephant Group arbeitet.

Die Organisation zum Schutz von Zoo- und Zirkus-Elefanten gibt an, dass Zirkus-Elefanten im europäischen Raum seit 1980 mindestens 53 Menschen getötet und 145 verletzt haben.

Bei „Baby“ habe Dornbusch bei der Erstellung eines Gutachtens eine Verhaltensneurose beobachtet. Dies könne das Ergebnis von schlechter Haltung sein. „Das größere Wunder ist nicht, dass es einen Toten gab, sondern, dass es erst einen Toten gab und nicht noch viel mehr“, kommentiert er den tragischen Fall in Buchen.

Seit Jahrzehnten fordern Tierschützer ein Verbot von exotischen Tieren im Zirkus. „Alle 50 Elefanten, die es noch in Deutschland gibt, sind tickende Zeitbomben“, so Peter Höffken von „Peta“. Kritisiert werden vor allem zu kleine Gehege, häufige Transporte und durch Gewalt geprägte Dressur.

Während der Dressur der Dickhäuter würden Misthaken, Elektroschocker und vor allem Elefantenhaken eingesetzt. Laut Dornbusch sei ein Elefant eigentlich verhaltensgestört, wenn er sich das gefallen lasse. Eine sichere Haltung von Zirkuselefanten sei außerdem nicht möglich.

Zirkusleute sehen das jedoch anders: „Wenn man dem Tier Vertrauen schenkt und Respekt, gibt es keinen Grund, dass es unruhig wird oder verrückt spielt“, sagt Max Siemoneit-Barum, Tierschutzbeauftragter beim Circus Krone.

Und Dirk Candius vom „Aktionsbündnis Tiere gehören zum Circus“ sagt zum Vorfall in Buchen: „Wenn ein Mitglied der Zirkusfamilie dabei gewesen wäre, wäre es nie dazu gekommen.“ Es liege kein Tierschutz-, sondern ein Sicherheitsproblem vor.

Fest steht: Elefantenkuh „Baby“ wird nie mehr im Zirkus arbeiten. Der nordrhein-westfälische Safaripark Stukenbrock hat das 34-jährige Tier aufgenommen.

„Baby“ sei am Sonntag in Begleitung ihres bisherigen Besitzers in ihrem neuen Zuhause angekommen, so eine Sprecherin des Safariparks. Sie habe die Nacht gut überstanden und Kontakt zu Artgenossen aufgenommen.

>>>Elefant reisst aus und tötet Mann (65)

dpa/kab

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