3,5 Promille - ein fragwürdiger Rekord

Lkw-Kontrolle auf A5 und A6 – jeder 11. Fahrer betrunken! 

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Jemand da? Zwei Polizeibeamte wollen einen Lkw-Fahrer am Sonntagabend (13. Januar) auf Alkohol kontrollieren.  

Bruchsal/Hockenheim/Sinsheim - Am Sonntagabend führt die Polizei Sonderkontrollen zur Bekämpfung von Alkohol und Drogen auf Tank- und Rastanlagen durch. Die Bilanz und ein fragwürdiger Rekord:

Es ist um 19 Uhr, als die Beamten am Sonntag (13. Januar) mit einer Großkontrolle auf der Rastanlage in Bruchsal beginnen. Ihr Ziel: Die Bekämpfung von Alkohol- und Drogenkonsum bei Lkw-Fahrern. 

Da sich bundesweit immer wieder verheerende Verkehrsunfälle aufgrund alkoholisierter Lkw-Fahrer ereignen, ist die Verhinderung solcher ein wichtiges Anliegen der Polizei. Nicht zum ersten Mal wird bei Kontrollmaßnahmen festgestellt, dass Kraftfahrer zum Ende der vorgeschriebenen Ruhezeit an den Wochenenden häufig noch immer alkoholisiert sind.

Häufig alkoholisiert an Bord. Rastende Lkws vor der Beendigung ihrer Fahrverbots-Zeit.

Warum wird Kontrolle aber ausgerechnet am Sonntag durchgeführt? Ganz einfach: Am Sonntag gilt für alle Fahrer im Schwer- und Fernverkehr ein Fahrverbot bis 22 Uhr. Die Brummi-Fahrer, welche die Zeit bis dahin in ihren Führerhäusern verbringen, konsumieren während ihrer Rast häufig Alkohol, sodass sie die anschließende Weiterfahrt oft alkoholisiert beginnen. 

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Genau jene be- oder angetrunkenen Fahrer wollen die Polizisten aufspüren. In mehreren Teams, bestehend aus insgesamt 45 Beamten, durchkämmen sie den Parkplatz. Am Ende soll wirklich jeder rastende Lkw-Fahrer zur Kontrolle gebeten werden. Bei der Durchführung gehen die Beamten behutsam und systematisch vor. 

Das behutsame Vorgehen der Polizei

Nach und nach klopfen die Beamten an die Türen der Lkw-Fahrer. Sollte diese verschlossen bleiben und sich das Führerhaus beim ersten Klopfversuch nicht öffnen, wird nicht weiter und weiter versucht den Fahrer aus seinem Truck herauszuholen.Stattdessen erhält jeder ungeöffnete Lkw einen Aufkleber. Es gilt die Ruhezeit der Fahrer zu respektieren. Der Kontrolle entgehen können diese dank der Kennzeichnung dennoch nicht. 




Ab 22 Uhr kommt es nämlich zu einer Abfahrtskontrolle. Alle LKW, die ihre Parkplätze bis in die Nacht hinein verlassen und zur Weiterfahrt aufbrechen, werden spätestens dann von den Beamten gestoppt. Dabei kommen die vorher angebrachten Aufkleber ins Spiel. Sie dienen der Erkennung der noch ungeprüften Brummis. Bereits kontrollierte LKW dürfen sofort weiterfahren. 

Überraschung zu später Stunde. Drei Beamte wollen eine Alkoholkontrolle durchführen. Zum besseren Verständnis, erklären sie den Fahrern die Gründe. 

Dass die Kontrolle richtig und wichtig ist, zeigt sich bereits nach wenigen Minuten: Die ersten alkoholisierten Lkw-Fahrer werden schnell gefunden. Die Papiere werden eingezogen. Sobald die Fahrer ausgenüchtert und wieder fahrtauglich sind, erhalten sie ihre Dokumente zurück. Bis 00:30 Uhr sind die Beamten im Einsatz. Am Ende kann von einem Erfolg gesprochen werden. Die anfänglich ertappten Trinker bleiben nämlich nicht die letzten. 

Die Bilanz der Kontrolle

Insgesamt werden von den Beamten 204 Berufskraftfahrer kontrolliert. Bei 23 davon wird eine Alkoholisierung festgestellt. 14 Fahrern muss die Weiterfahrt untersagt werden, da sie einen Alkoholpegel von mehr als 0,5 Promille aufweisen. Bei einer Kontrolle auf der A61, A650 und A6 sind die Zahlen noch erschreckender! 

Positiv hervorzuheben ist, dass sich alle Kontrollierten während der Kontrolle kooperativ verhalten. Grund dafür ist auch, dass die Beamten den Kraftfahrer zum besseren Verständnis ausführlich den Sinn und Zweck der Maßnahmen erklären. Bleibt zu hoffen, dass dieses Verständnis nicht nur der durchgeführten Kontrolle, sondern der zukünftigen Alkoholvermeidung vor dem Fahrbeginn gilt. 

Zur gleichen Zeit führen 30 Beamte das Verkehrskommissariats Walldorf eine großangelegte Kontrollaktion auf Tank- und Rastanlagen der Region durch. Konkret: Am Hardtwald-Ost und -West, Kraichgau-Nord und -Süd sowie Am Hockenheimring-Ost und-West. Hier zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Fahrer scheinen dort aber renitenter zu sein. Einer trinkt sogar einfach weiter. 

3,5 Promille - ein fragwürdiger Rekordwert

Kurz vor Ende des Sonntagsfahrverbots und vor Beginn der Weiterfahrt werden auf den Anlagen insgesamt 474 Fahrer überprüft. 37 davon stehen mit einem Promillewert von mindestens 0,5 noch unter Alkoholeinfluss. 18 Fahrer weisen sogar Alkoholwerten von über einem Promille auf.

Wenn die Nacht zum Tag wird: In der ganzen Region sind Polizisten auf der Suche nach Alkoholsündern. 

Mit der ersten Großkontrolle dieser Art im neuen Jahr wird sogleich ein fragwürdiger Rekordwert festgehalten: Ein polnischer Lkw-Fahrer hat eine Stunde vor Ende des Fahrverbots noch 3,5 Promille in der Atemluft. Platz zwei belegt eintschechischer Fahrer mit knapp 2,9 Promille

Ein Fahrer verweigert die Herausgabe jeglicher Dokumente - wohl aufgrund seines Alkoholwerts von 1,4 Promille. Um eine Weiterfahrt zu verhindern, wird eine Sicherungskette an den Rädern seines Lkw angebracht.

Sechs Fahrer noch am Montagmorgen betrunken

Eine Nachkontrolleam Montagmorgen ergibt bei sechs Fahrern Promillewerte, die eine anhaltende Untersagung der Weiterfahrt erforderlich machen. Die beschlagnahmten Dokumente bleiben bis zur Erlangung der Nüchternheit der jeweiligen Betroffenen weiterhin in polizeilicher Verwahrung.

Der "Spitzenreiter" will bereits gegen 9 Uhr weiter fahren. Ein erneuter Alkoholtest ergibt noch immer einen Wert von über 1,7 Promille - seine Fahrt wird der Pole voraussichtlich erst in der Nacht oder am nächsten Tag fortsetzen können. Der Fahrer, welchem am Sonntag die Kette um die Räder seines LKW gelegt wird, kann seine Fahrt um 8 Uhr fortsetzen - bei einem Alkoholtest ist er bereits wieder fahrtüchtig.

Betrunken und unbelehrbar

Besonders erwähnenswert: Ein LKW-Fahrer hat am Sonntagabend um 22:10 Uhr einen Promillewert von knapp 1,5. Ihm scheint das egal zu sein. Er trinkt einfach weiter. Bei einer Nachkontrolle um kurz nach 8 Uhr am Montagmorgen hat er deshalb noch immer 1,4 Promille im Blut, sodass sich die Weiterfahrt bei ihm wohl ebenfalls um einen weiteren Tag verzögert. 

„Das Kontrollergebnis erhärtet die Annahme, dass sieben bis neun Prozent der osteuropäischen LKW-Fahrer Sonntags vor Fahrantritt alkoholisiert sind", so Polizeidirektor Dieter Schäfer, Chef der Verkehrspolizei Mannheim. 

„Der Europäische Verkehrssicherheitsrat berichtet bei seiner Sitzung im November 2018 in Den Haag, dass sogenannte Alkohol-Interlocks dazu beitragen, Rückfallquoten bei alkoholauffälligen Berufskraftfahrern zu verhindern. Alkoholschlösser sollten deshalb nach Erstauffälligkeit für den Betroffenen Pflicht werden. Das würde die Gefahr von Trunkenheitsunfällen deutlich reduzieren." Bei Alkohol-Interlocks handelt es sich um atemalkoholgesteuerte Wegfahrsperren. 

pm/chh

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