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Bodo Schiffmann schockt mit Juden-Vergleich – „Muss ja nicht zu Reichskristallnacht kommen“

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Von: Daniel Hagen

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Bodo Schiffmann schockt erneut mit einer widerwärtigen Aussage und Geschichtsrevisionismus. So vergleicht er Ungeimpfte mit Juden im dritten Reich.

Verschwörungsideologen wie Bodo Schiffmann nehmen mittlerweile auf Telegram kein Blatt mehr vor den Mund. Dort werden ungeniert Geschichtsrevisionismus betrieben, Fake-News geteilt und auch offen Andersgläubige beleidigt. Besonders schlimm ist aber, wie sich Querdenker und Ideologen mit den Juden im dritten Reich gleichsetzen, um sich als bedrohte Minderheit darzustellen. Dafür werden auf Demos und „Spaziergängen“ auch gerne mal „Judensterne“ mit dem Aufdruck „Ungeimpft“ getragen. Wie schlimm der Holocaust wirklich war, wird solchen Menschen wohl niemals in den Kopf gehen.

Aus seinem Exil im afrikanischen Tansania heraus schreibt Bodo Schiffmann auf Telegram eine Nachricht, die es wirklich in sich hat. „Warum schämen sich Menschen nicht. Warum darf man das nicht mit den dreißigern vergleichen? Zwischen 33 und 36 waren alle Menschen noch nicht so schlimm zu den Juden, wie heute zu den Ungeimpften“, schreibt der Arzt. Wie falsch diese Behauptung des 54-Jährigen ist, lässt sich mit einem kurzen Fakten-Check belegen.

NameBodo Schiffmann
Geboren20. Januar 1968 in Bonn-Beuel
EhepartnerinMechthild Schiffmann
AusbildungGauß-Gymnasium Worms (1988), Universität Heidelberg

Bodo Schiffmann: So schlimm ging es den Juden im dritten Reich

Bereits kurz nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 erreichen der Antisemitismus und die Repressalien gegen Juden einen neuen Höhepunkt. So beginnt ab dem 1. April des Jahres ein reichsweiter Boykott unter dem Motto: „Kauft nicht bei Juden“. Von aktuellen Geschäftsschließungen, weil aufgrund von Corona-Regeln und Lockdowns weniger Geld reinkommt, ist das meilenweit entfernt.

Demonstrieren mit Judenstern und Häftlingskleidung
Bodo Schiffmann schockt mit einem Vergleich zwischen Ungeimpften und Juden. (Fotomontage) © Boris Roessler/Hauke-Christian Dittrich/dpa

Schlimmer wird es aber ab dem 15. September 1935, als die „Nürnberger Gesetze“ erlassen werden. Fortan war es verboten, dass Juden und Nicht-Juden heiraten oder auch nur zusammen sein dürfen. Wer dem nicht gehorchte, bekam eine Strafe. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ wurde damals rigoros umgesetzt – in den 40er Jahren sogar mit Schutzhaft, Deportation und der Todesstrafe. Nichts davon lässt sich auch nur ansatzweise mit dem Los der Ungeimpften vergleichen, die Geimpfte heiraten und treffen dürfen und keine Verfolgung des Staates befürchten müssen, wenn sie nicht gegen Gesetze verstoßen. Anders sieht es aber bei Schiffmann aus, gegen den wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Unklar ist zudem, was er mit fast 700.000 Euro Spendengeldern gemacht hat.

Bodo Schiffmann: Querdenker-Arzt vergleicht Ungeimpfte mit Juden

„Vielleicht muß es ja nicht bis zu einer Reichskristallnacht kommen, bis man Vergleiche anstellen darf. Das Motto sollte eigentlich heißen „Wehret den Anfängen“ diese sind längst überschritten und leider mehr als vergleichbar“, schreibt Bodo Schiffmann weiter. Die „Reichspogromnacht“ fand am 9. November 1938 statt. In dieser Nacht des Terrors wurden zahlreiche Synagogen zerstört sowie Juden angegriffen und getötet. Aktuell ist es aber eher so, dass Querdenker und Ideologen zu Gewalt gegen den Staat aufrufen und andersdenkenden Politikern, Lehrern, Polizisten und Journalisten mit Gewalt und Verfolgung drohen.

Bodo Schiffmann bezieht sich mit seiner Kritik übrigens auf einen Artikel des Focus, in dem es um einen herzkranken Jungen aus Zypern geht, der nicht in einer Frankfurter Klinik behandelt werden darf – weil seine Eltern ungeimpft sind. Für den Arzt stelle das ein „Verbrechen gegen die Menschheit dar“ und die ausführenden Personen seien „unchristlich, unsozial und pervers“. Diese Worte stammen übrigens von einer Person, die alle Maskenträger als dumm bezeichnet, Bundeskanzler Olaf Scholz als „Nazi“ beschimpft und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach „Unzurechnungsfähigkeit“ attestiert. (Alle Zitate von Bodo Schiffmann sind unbearbeitet – also auch die Schreibfehler) (dh)

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