Gerichtsverfahren

Bluttest-Skandal in Heidelberg: Chef-Justiziar scheitert mit Klage vor Arbeitsgericht  

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Nach einem PR-Desaster folgt nun die erste Entlassung. (Symbolfoto)

Heidelberg - Der Skandal um den Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs weitet sich aus. Vorstandsmitglieder treten zurück. Auch der Chef-Justiziar ist seinen Job los:

  • Mediziner der Uniklinik Heidelberg haben neuen Bluttest entwickelt, der Brustkrebs anhand von Biomarkern erkennen soll
  • Kritik von Fachleuten über PR-Kampagne und den Umgang mit Ergebnissen, Ärzte fordern Rücktritt des Klinik-Vorstands
  • HeiScreen GmbH weist Vorwürfen zurück, die Einführung des Tests soll sich dadurch verzögern
  • Markus Jones, Geschäftsführer der Firma Technology Transfer Heidelberg, wird entlassen - und scheitert mit Klage vor Arbeitsgericht
  • Bluttest soll es noch gar nicht geben
  • Medizinische Fakultät finanziert Bluttest-Forschung seit Dezember 2018 aus eigenen Mitteln 
  • Mitglieder des Klinikvorstands treten zurück

Update vom 22. August: Der nach dem Bluttest-Skandal freigestellte Justiziar der Universitätsklinik Heidelberg ist vor dem Arbeitsgericht gescheitert. Der Leiter der Rechtsabteilung des Klinikums, Markus Jones, wollte mit einer einstweiligen Verfügung die Rückkehr an seinen Arbeitsplatz erzwingen. 

Das Arbeitsgericht entschied nach Angaben einer Sprecherin am Mittwoch in Heidelberg gegen eine solche Verfügung. Nach Angaben der Kammer hätte der Kläger darlegen müssen, weshalb seine Beschäftigung wichtiger sei als das Interesse des Uniklinikums an dessen Freistellung. Die vorgetragenen Gründe hätten nicht überzeugt. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei, dass Vorstand und Aufsichtsrat des Universitätsklinikums erklärt hätten, dass sie in den Kläger kein Vertrauen mehr haben. 

Der Chef der Frauenklinik Heidelberg, Christof Sohn, hatte bei einer Pressekonferenz am 21. Februar einen Bluttest als bald marktreifen Meilenstein bei der Brustkrebserkennung vorgestellt. Kritiker warfen ihm vor, angesichts fehlender Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift und hoher Fehlerquoten unbegründete Erwartungen zu schüren. 

Einer der Vorsitzenden einer externen Kommission zur Aufarbeitung des Bluttest-Skandals an der Uniklinik Hiedelberg, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner, hatte im Juli von „Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit“ in der Klinik gesprochen. Mehrere Beteiligte aus der Führungsriege des Klinikums haben das Unternehmen inzwischen verlassen oder ihren Rückzug angekündigt.

Heidelberg: Vorstandsmitglieder treten nach Bluttest-Skandal zurück

Update vom 30. Juli: Zwei weitere Vorstandsmitglieder kündigen ihren Rücktritt an. Das berichtet der SWR am Dienstag (30. Juli). Annette Grüters-Kieslich, leitende ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende, und Irmtraud Gürkan, kaufmännische Direktorin, werden den Vorstand verlassen. Grüters-Kieslich räume laut SWR ihren Platz Ende Oktober, Gürkan bereits am Mittwoch. Vor einer Woche hat der Dekan der Medizinischen Fakultät ebenfalls seinen Rücktritt im Vorstand angekündigt. 

Hintergrund für die Rücktritte seien scheinbar die Erkenntnisse einer Kommission, die sich mit dem Bluttest auseinandersetzt.

Bluttest-Skandal in Heidelberg: Kommission erhebt schwere Vorwürfe! 

Update vom 16. Juli: Die externe Kommission zur Aufarbeitung der Bluttest-Affäre an der Uniklinik Heidelberg sieht Versäumnisse an mehreren Stellen. Mehrere Beteiligte hätten den Chef der Frauenklinik, Christof Sohn, vor der Pressekonferenz am 21. Februar vor der frühzeitigen Veröffentlichung gewarnt.  „Sohn wusste von der mangelnden Validität der Testergebnisse“, sagte die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt bei der Vorstellung eines Zwischenberichts am Dienstag in Heidelberg. Nach Überzeugung des Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, wurde bei dem PR-Skandal in Heidelberg wissenschaftliche Verantwortung vernachlässigt. Die vom Aufsichtsrat der Uniklinik einberufene Kommission unter Leitung von Hohmann-Dennhardt und Kleiner soll Fehlverhalten aufdecken und Empfehlungen abgeben, um dieses künftig zu vermeiden. 

Heidelberg Bluttest-Skandal: Uniklinik finanziert Forschung seit Dezember selbst

Update vom 6. Juni: Die Medizinische Fakultät der Heidelberger Uniklinik finanziert die Forschung am umstrittenen Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung seit Dezember aus eigenen Mitteln. HeiScreen soll den Test entwickeln und vermarkten, beteiligt sich derzeit  aber nicht an Zahlungen für Laborleistungen und Mitarbeiter. Darüber berichtet der „SWR“.

Investor Jürgen B. Harder, der über eine Gesellschaft an HeiScreen beteiligt ist, soll die Forschung mit rund einer halben Millionen Euro finanziert haben. Als vertraglich festgelegte Testergebnisse ausblieben, war auch die vertragliche Grundlage für eine weitere Finanzierung dahin. Das gehe laut SWR aus einem internen Papier der Uniklinik hervor, die den Fall derzeit aufarbeitet. 

Oft gelesen: Uni Heidelberg zählt weiter zur Elite – und das gibt mächtig Kohle!

Heidelberg: Dekan erhöht Budget mit Mitteln der Fakultät

Zwar habe Harder angeboten, weitere 500.000 Euro zur Verfügung zu stellen, das Geld konnte die Uniklinik aber nicht annehmen, da man ohne vertraglichen Rahmen gegen die  Drittmittelrichtlinien Baden-Württembergs verstoßen würde. Um die Forschung weiterhin gewährleisten zu können, soll Prof. Andreas Draguhn, Dekan der Medizinischen Fakultät, im Dezember 2018 angeordnet haben, das Budget des Drittmittelkontos für die Bluttest-Forschung mit Mitteln der Fakultät zu erhöhen – immerhin um 300.000 Euro.    

Eine Maßnahme, die nicht nur bei der Rechtsabteilung Bedenken hervorruft. Auch im Wissenschaftsausschuss im baden-württembergischen Landtag wird das Thema angesprochen werden. Schließloch handele es sich um öffentliche Mittel, „die womöglich einer anderen Nutzung entzogen“ würden, so der forschungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Nico Weinmann, gegenüber dem SWR. Man müsse sicherstellen, dass „das Geld nicht verloren ist.“  

Heidelberg: Bluttest gegen Brustkrebs gibt es noch gar nicht

Update vom 29. Mai: HeiScreen nimmt Stellung zur dem Bericht der ‚SZ‘. Laut dem Unternehmen gebe es einen Bluttest, auch ein Prototyp sei bereits in der Entwicklung. 

Update vom 27. Mai: Nach dem PR-Desaster und der Entlassung von Markus Jonas folgt nun der nächste Schock: Der Bluttest gegen Brustkrebs soll es gar nicht geben. Diese Feststellung hat Tumorbiologe Magnus von Knebel Doeberitz in einem Schreiben festgehalten, das der Süddeutschen vorliegt. „Daher muss klar festgehalten werden, dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt.“ Weiter heißt es, dass es nicht einmal einen Prototyp gibt.

Heidelberg: Freistellung nach PR-Desaster um Brustkrebs-Bluttest

Update vom 20. Mai: Nach dem PR-Desaster um einen Brustkrebs-Bluttest folgt nun die erste personelle Konsequenz. Nach Informationen der RNZ handele es sich dabei um Markus Jonas, Geschäftsführer der Firma Technology Transfer Heidelberg (TTH). Dieser sei für den Umfang der Ermittlungen vorübergehend freigestellt worden. Die Firma ist für Ausgründungen des Uniklinikums zuständig und habe auch eine Rolle bei der Entstehung der HeiScreen GmbH gespielt. Jonas sei zudem die Schnittstelle zwischen dem Unternehmen und dem Klinikum gewesen. 

Unklar sei allerdings, ob es bei seinem Ausscheiden nur um den Bluttest geht. So gebe es nach Informationen der RNZ auch Vorwürfe, die in den Bereich des Strafrechtlichen reichen. Ob dies die letzte Entlassung in diesem Fall ist, bleibt abzuwarten.

In einer früheren Version des Artikels war die Rede davon, dass Markus Jonas entlassen wurde – dies stellte sich aber als falsch heraus. Die Freistellung sei mittlerweile beendet worden. 

Heidelberg: HeiScreen GmbH über Brustkrebs-Bluttest: Einführung verzögert sich

Update vom 6. Mai: Die Firma HeiScreen GmbH äußert sich auf ihrer Seite zu den Vorwürfen um den Bluttest gegen Brustkebs und der Berichterstattung der letzten Wochen. Darin erklärt die Geschäftsführung, dass es keine Verbindung zu einer Firma gebe, die einen ähnlichen Namen trägt – nämlich die HeiScreen NKY-China GmbH. Es gebe keine Hinweise auf einen Insiderhandel oder Markmanipulation. Dies ist dem Hersteller des Bluttests mehrfach vorgeworfen worden.

Zudem seien alle Pressemitteilungen und Interviews vom Universitätsklinikum Heidelberg und der HeiScreen GmbH miteinander abgestimmt gewesen. Das Forschungsteam an der Uni würde derzeit daran arbeiten, dass die Forschungsergebnisse zu dem Bluttest veröffentlicht werden. Fachgesellschaften, Mediziner und Statistiker hatten kritisiert, dass es zu dem Test keine Publikation in Fachmagazinen gab – das sei aber üblich und wichtig. 

Zudem seien zusätzliche klinische Studien in Planung, um mehr notwendige Daten zu sammeln. Die Forscher würden außerdem daran arbeiten, den Bluttest vom Labor auf eine massentaugliche Plattformen zu überführen. Es werde aber definitiv zu Verzögerungen bei der Markteinführung kommen. Die HeiScreen GmbH betont, dass der Test nicht als Früherkennung für Brustkrebs angekündigt worden sei und dass sie noch einen sinnvollen Anwendungsbereich dafür suchen. 

Heidelberg: CDU-Landtagsfraktion äußert sich zu Brustkrebs-Bluttest

Update vom 4. Mai: Die CDU-Landtagsfraktion hat die Uniklinik Heidelberg aufgefordert, in der Affäre um den umstrittenen Bluttest für Brustkrebs mit offenen Karten zu spielen. „Maximale Transparenz sieht anders aus“, sagt die Hochschulexpertin der Fraktion, Marion Gentges, der Deutschen-Presse-Agentur in Stuttgart. Die Forderung sei umso dringlicher, da es bei den Vorgängen auch um Steuergelder gehe, mit denen die Forschung zu der Innovation finanziert worden sei.

Heidelberg: PR-Skandal schade dem Ruf des Uniklinikums 

Der Wirbel um eine PR-Kampagne des Chefs der Frauenklinik, Christof Sohn, zu einer vermeintlich schon marktreifen Krebsfrüherkennungs-Methode schade dem Ruf der ältesten deutschen Universität und ihres Klinikums. Vernachlässigte Aufsichtspflichten des Wissenschaftsministeriums sehe sie aber nicht. 

Auch nach der Beantwortung einer Anfrage ihrer Fraktion an das Ministerium seien noch zahlreiche Fragen offen, die insbesondere das Klinikum beantworten müsse. „In den Antworten ist das Klinikum immer knapp zitiert worden.“ Je kürzer man sich fasse, desto weniger Blößen könne man sich geben, merkte die Juristin kritisch an. Auch sei das Ministerium erst im März dieses Jahres und damit sehr spät von den Vorgängen informiert worden

Heidelberg: Verdächtige zeitliche Überlappungen 

Der personelle Wechsel im Forscherteam zum Bluttest im Jahr 2017 wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, sagte Gentges. Auffällig seien auch manche zeitliche Überlappungen: Genau zu der Zeit, als das Referat Hochschulmedizin im Ministerium nicht besetzt gewesen sei, seien Frauenklinikchef Sohn, seine Kollegin und Projektleiterin Sarah Schott und der Unternehmer Jürgen Harder als Gesellschafter in die Klinikausgründung Heiscreen eingetreten. Diese Gesellschaft, an der Sohn 4,85, Schott 7,3, die Technology Transfer Heidelberg GmbH 48,63 und die MammaScreen Beteiligungs GmbH von Harder 39,22 Prozent halten, sollte den Test vermarkten. 

Von Heiscreen erwarte sie, die Kriterien für die Aufnahme von Gesellschaftern offenzulegen ebenso wie die Ergebnisse der Versammlung der Gesellschafter am vergangenen Montag. Diese hatten allerdings Stillschweigen vereinbart. Zudem sei eine Bundesförderung für das Forscherteam widerrufen worden - just als sich dessen Zusammensetzung geändert hatte und jungen Forschern gegen ihren Willen die Verantwortung dafür entzogen worden war. 

Heidelberg: Woher kam das Geld für die PR-Kampagne? 

Gentges will überdies erfahren, woher die 80.000 Euro kommen, die die PR-Kampagne rund um Sohns Präsentation im Februar dieses Jahres gekostet haben soll. Die Uniklinik verweist derzeit bei Anfragen der Medien auf mehrere Kommissionen, die gerade die Sachverhalte unter die Lupe nehmen.

Heidelberger OB Würzner äußert sich zum Bluttest-Skandal 

Update vom 30. April: Auch der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner äußert sich am Montag (29. April) zu dem Skandal um die umstrittene PR-Kampagne. Er fordert in dem Fall schnell Klarheit. „Das darf absolut nicht passieren an so einem Klinikum“, sagt Würzner. Er werde mittlerweile häufig darauf angesprochen und gefragt „Was ist denn bei euch los?

Der Oberbürgermeister hofft, dass die externe Expertenkommission den „äußerst kritischen“ Vorfall aufklärt. Zudem müsse das Klinikum sorgfältig darüber beraten, wie es mit Kooperationen aus der Wirtschaft umgehe. Dafür müsse es genaue Regeln geben. Eine Aberkennung des Exzellenzstatus der Universität fürchte Würzner aber nicht, da es sich um einen Einzelfall handele. 

PR-Desaster um Brustkrebs-Bluttest: Uniklinik-Vorstände fühlen sich „getäuscht und benutzt“

Update vom 28. April: Nach der umstrittenen PR-Kampagne zu einem möglichen Bluttest auf Brustkrebs hat der Vorstand des Universitätsklinikums Heidelberg schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben, das den Bluttest vermarkten sollte. „Wir fühlen uns hinters Licht geführt“, sagt die Vorstandsvorsitzende Annette Grüters-Kieslich der ‚Rhein-Neckar-Zeitung‘. Dem Vorstand des Klinikums sei nicht klar gewesen, dass es um ein breites Kampagnenkonzept gegangen sei. Die Kaufmännische Direktorin des Uniklinikums und stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Irmtraud Gürkan, erklärte dem Blatt: „Wir fühlen uns getäuscht und benutzt.“ 

Die Firma Heiscreen sollte den Bluttest vermarkten. Das Unternehmen, eine Ausgründung des Universitätsklinikums Heidelberg, und die Uni-Klinik selbst hatten am 21. Februar den neuen Test vorgestellt. In einer Pressemitteilung war von „einem Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ die Rede, eine Markteinführung sei „noch in diesem Jahr geplant“. An dem Vorgehen gab es deutliche Kritik: Es sei zu früh gewesen, um seriöse Aussagen über den Test zu machen, hieß es unter anderem. Es würden Frauen Hoffnungen gemacht, die möglicherweise nicht zu halten seien. In der Affäre um den nicht marktfähigen Bluttest ermittelt inzwischen auch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim. 

Heidelberg: Desaster um Brustkrebs-Bluttest – Auch Ex-Minister aus Österreich beteiligt?

Update vom 25. April: In den Skandal um den Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs ist nach Medienberichten auch der ehemalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser involviert sein. Das berichtet die „FAZ“. Deren Recherchen haben ergeben, dass Grasser an mehreren Beratungen teilgenommen haben soll, in denen der Einstieg von Jürgen B. Harder in die Firma Heiscreen vorbereitet wurde. 

Es habe auch Überlegungen gegeben, Grasser eine aktivere Rolle in der Firma zu geben, auch über eine Geschäftsführung wird spekuliert. Inzwischen wisse auch die Leitung der Uniklinik über die Beteiligung Grassers. Sowohl Grasser als auch Harder mussten sich wegen Korruption vor Gericht verantworten.  

Heidelberg: Bluttest-Skandal: Ärzte fordern Rücktritt von Klinikvorstand

Update 18. April: Nach dem PR-Desaster rund um den Brustkrebs-Bluttest nimmt der Druck auf die Heidelberger Uniklinik zu – aber auch im Inneren soll es brodeln. Nach Informationen der Rhein-Neckar-Zeitung soll ein Ärztlicher Direktor eine E-Mail an die Führungskräfte geschrieben haben, in der er den Rücktritt von drei Vorständen fordert. 100 Führungskräfte der Uniklinik Heidelberg sollen die Mail erhalten haben. 

Konkret richtet sich diese Rücktrittsforderung an den Dekan der Medizinischen Fakultät, Andreas Draguhn, der Leitenden Ärztlichen Direktorin Annette Grüters-Kieslich und der Käufmännischen Direktorin Irmtraut Gürkan. 

Nach Bluttest-PR-Desaster: Rücktrittsforderungen und Vorwurf der „kriminellen Absicht“ 

Ihnen wird vorgeworfen die umstrittene PR-Kampagne um den Brustkrebs-Bluttest der Firma Heiscreen mitgetragen zu haben. Der Chef der Heidelberger Frauenklinik präsentierte den Bluttest zur Früherkennung von Blutkrebs, unter anderem in der Bild-Zeitung als eine „Weltsensation“. Der Vorwurf: Der Vorstand hätte zuvor Kenntnis von der Veröffentlichung gehabt und sogar am Inhalt mitgewirkt und die Zustimmung für die Veröffentlichung erteilt haben. Dies wäre ein „grober administrativer und akademischer Fehler“ gewesen. 

Besonders als sich später herausstellte, dass der Test noch längst nicht marktreif sei. Der Verfasser der Mail kritisiert zudem, dass dem Test jede wissenschaftliche Grundlage fehle. Der Verfasser der Mail spricht sogar von kriminellen Absichten wenn sich herausstellen sollte, dass im Heiscreen-Gründungsvertrag von einer hundertprozentigen Zuverlässigkeit des Test ausgegangen würde. Der Test habe eine deutlich schlechtere Quote. 

Laut Verfasser hätte bisher niemand die Verantwortung für das PR-Desaster übernommen. Das „Katastrophale Krisenmanagemnet“ hätte dazu geführt, dass dem Vorstand das Vertrauen zur Aufklärung der Bluttest-Affäre durch den Aufsichtsrat entzogen worden sei. Außerdem würden die Staatsanwaltschaft und das LKA nun ermitteln. 

Heidelberg: Brustkrebs-Test – ein PR-Desaster? 

Update vom 4. April: Die Kritik um die PR-Kampagne von Christof Sohn reißt nicht ab. Nachdem der Chef der Heidelberger Frauenklinik den Bluttest als ,Meilenstein‘ angepriesen hat, verurteilt ihn die Fachwelt. Der Bluttest, der frühzeitig Brustkrebs erkennen soll, sei zu früh der Öffentlichkeit präsentiert worden. „Wenn aus wirtschaftlichen Interessen unüberprüfbare Ergebnisse an die Öffentlichkeit gegeben und damit ungerechtfertigte Erwartungen geweckt werden, wirft das einen Schatten auf das Image der Forschung", sagt der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Fachgesellschaften, Mediziner und Statistiker hatten das Vorgehen Sohns heftig kritisiert. Üblich sei vor einer Information der Öffentlichkeit eine Publikation in einem Fachjournal, wo Studien von Gutachtern bewertet würden, erklärt Bruns. Zu dem Bluttest lägen keine solchen Daten vor. Sich der kritischen Fachwelt zu stellen, sei aber ein wichtiges Mittel zur Qualitätssicherung. Sohn habe mit seiner Art der Kommunikation nicht nur der Wissenschaft, sondern auch sich selbst geschadet. Wenn er mit verwertbaren Ergebnissen in drei, vier Jahren an die Öffentlichkeit trete, werde er womöglich nicht ernst genommen. 

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit der umstrittenen PR-Kampagne um den Brustkrebs-Test. Das Uniklinikum Heidelberg hat Strafanzeige gegen unbekannt gestellt, weil es Anzeichen eines „unlauteren Vorgehens“ geben würde.

Heidelberg: Bluttest erkennt Brustkrebs: Doch nicht so zuverlässig wie gedacht?

Ob der von Sohn vorgestellte Bluttest eine sinnvolle Ergänzung zur Früherkennung von Brustkrebs sein kann, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen, sagt Bruns. „Die Idee ist großartig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einem Durchbruch zu sprechen, ist aber viel zu früh.

Die sogenannte Liquid-Biopsy-Methode basiert auf dem Nachweis krebsspezifischer Biomarker im Blut. Sonderlich zuverlässig ist er nach derzeitiger Datenlage allerdings nicht: Von 100 gesunden Frauen bekommen 30 fälschlicherweise einen Brustkrebsbefund, wie die Uniklinik bestätigt. „Falsch positive Befunde führen zu einer erheblichen psychischen Belastung betroffener Frauen", heißt es im Februar in einer gemeinsamen Stellungnahme von sieben Fachverbänden. Von 100 Frauen mit Brustkrebs werden zudem nur etwa 75 als krank erkannt. Bei der Mammografie betragen die Fehlerquoten nur Bruchteile dessen.

Heidelberg: Frühe Bluttest-Ankündigung hat eventuell finanzielle Hintergründe

Es steht außerdem der Verdacht im Raum, dass die frühe Ankündigung finanzielle Hintergründe hat. Sohn hat eine Unternehmensbeteiligung an ,Heiscreen‘ von vier Prozent und noch mehr Anteile an der Vermarktungs-Gesellschaft des Tests. Auch Oberärztin und Projektleiterin Sarah Schott ist mit im Boot. In dem Bereich locken Milliardengewinne.

Wenn Geld und Wissenschaft in einer Hand zusammenkommen, stellt sich schon die Frage nach Interessenkonflikten", sagt Bruns. Die Deutsche Krebshilfe sieht das ähnlich. Ihr Vorstandsvorsitzender Gerd Nettekoven sagt der ,Neuen Osnabrücker Zeitung‘, Sohn stelle offensichtlich wirtschaftliche Interessen in unverantwortlicher Weise vor das Wohl der betroffenen Frauen.

Heidelberg: Kritik um neuen Bluttest aus Heidelberg: Stillschweigen der Verantwortlichen

Derzeit schweigen die Verantwortlichen zu der enormen Kritik um den Bluttest. Weder von ,Heiscreen‘ noch von der Uniklinik und Sohn sind Stellungnahmen zu den Vorwürfen zu erhalten. Universtitätskliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb verweist auf die Aufarbeitung durch eine Kommission, die Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, leiten wird. Die weitere Zusammensetzung und die Fristen seien noch unklar. 

Die Uni in Heidelberg sieht allein die Klinik in der Verantwortung für die PR-Aktion Sohns. „Das ist keine Angelegenheit der Universität", sagt Uni-Sprecherin Marietta Fuhrmann-Koch.

Bluttest erkennt Brustkrebs: Uniklinik lässt umstrittene PR-Kampagne untersuchen

Update vom 26. März: Wie die Uniklinik Heidelberg mitteilt, lässt sie die umstrittene PR-Kampagne von ,Heiscreen‘ von externen Experten untersuchen. „Um alle Aspekte umfassend und aus neutraler Perspektive zu analysieren, wurde eine unabhängige Kommission aus überwiegend externen Experten eingerichtet“, heißt es vom Universitätsklinikum. Zudem sei noch eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt worden. 

Heidelberg: Bluttest erkennt Brustkrebs: Viel Kritik wegen Umgang mit Ergebnissen

Update vom 21. März: Der Bluttest für Brustkrebs-Erkennung sei laut Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik Heidelberg, „ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik". Allerdings erntet das Unternehmen dafür viel Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern. Unter anderem sind die Ergebnisse von Tests an Frauen laut Uniklinik bis heute nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert - wie es in der wissenschaftlichen Praxis üblich ist. Zudem wird bemängelt, dass die Wirksamkeit des Tests nur unzureichend beschrieben werden. 

Heidelberg: Bluttest erkennt Brustkrebs: Unternehmen entschuldigt sich bei Frauen

Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, sagt Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb am Donnerstag (21. März) der Deutschen Presse-Agentur. „Das bedauern wir sehr." Heiscreen hatte versprochen, dass der Test noch in diesem Jahr auf den Markt komme.

Die Uniklinik Heidelberg zieht Konsequenzen aus der umstrittenen PR-Kampagne zu dem neuen Bluttest für die Früherkennung von Brustkrebs. So sollen neue Regeln in Bezug auf „wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen" erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten hätten, sagt die Sprecherin. 

Brustkrebs früh erkennen: Wie funktioniert der neue Bluttest? Fragen und Antworten

Update vom 24. Februar: Wir haben bei HeiScreen, der eigens für den Bluttest gegründeten Gesellschaft, nachgefragt, wie die Innovation genau funktioniert und wann er auf den Markt kommt. 

Wie genau läuft der Bluttest für einen Patienten ab? „Der Bluttest läuft für die Teilnehmenden wie eine normale Blutabnahme, so wie man sie kennt. Die Blutprobe wird dann in ein Labor geschickt und ausgewertet“, erklärt Prof. Dr. Sarah Schott. 

Wie lange dauert die Auswertung des Bluttests? „Aktuell erfolgt die Auswertung in unserem Forschungslabor. Ziel ist es dies ebenfalls in der klinischen Routine anzubieten. Wir streben an, dass der Test bis zum Folgetag ausgewertet werden kann.“

Sollte ein Patient nach einem positiven Test trotzdem eine Mammographie machen? „Der Test gilt als Erweiterung, keinesfalls als Ersatz für bildgebende Diagnoseverfahren. Wann eine Mammografie sinnvoll ist, entscheiden die Ärzte gemeinsam mit den Patienten.“

Wann genau soll der Test auf den Markt kommen? „Das können wir leider noch nicht genau sagen.“

Wird der Test zunächst nur in Deutschland oder international auf den Markt kommen? „Der Test soll langfristig möglichst vielen Frauen angeboten werden können.“

Heidelberger Forscher und Ärzte entwickeln neuen Bluttest zur Brustkrebs-Erkennung

Meldung vom 22. Februar: „Dies ist ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg und ,Heiscreen‘. Gemeint ist der neue Bluttest,der noch in diesem Jahr in den Markt eingeführt werden soll. Neben dem MRTMammographie-Screening oder Ultraschall soll der neue Bluttest die Diagnosemöglichkeiten erweitern. 

Ärzte versprechen schonendes Verfahren für Patientinnen und schnelle Diagnose

Laut Uniklinik und ,Heiscreen‘ erkrankten im letzten Jahr 70.000 Frauen neu an Brustkrebs. Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht“, so Prof. Dr. Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationale Frauenheilkunde und Leiterin für Familiäre Krebserkrankungen an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. 

Für den Test seien nur wenige Milliliter Blut notwendig. Frauen aller Altersgruppen können den Test machen, vor allem Patientinnen unter 50 Jahren oder Frauen mit familiärer Hochrisikosituation für eine Brustkrebserkrankung. „Hier konnte eine Sensitivität von 80 bis 90 Prozent erreicht werden“, so die Mitteilung. 

Die Sensitivität gibt an, zu welchem Prozentsatz erkrankte Patientinnen durch den Test tatsächlich erkannt werden.

Heidelberg: Neuer Test für Brustkrebs-Erkennung: Analyse des Blutes

Im Labor werde der Heiscreen-Test ausgewertet. Das Blut wird dabei auf Biomarker untersucht, die Hinweise auf Tumore geben. So könne neben Brustkrebs auch Eierstockkrebs erkannt werden. 

Prof. Dr. Sarah Schott und Prof. Dr. Christof Sohn leiten zusammen das Projekt.

„Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen“, so Prof. Dr. Christof Sohn, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

Heidelberg: Aktuelle Ergebnisse des Bluttests

2016 wurde erstmalig das Patent des neuen Bluttests angemeldet. Danach wurde er weiterentwickelt und in den letzten 12 Monaten an 900 Frauen getestet – 500 waren bereits an Brustkrebs erkrankt, 400 nicht„Aktuelle Ergebnisse zeigen bei den 500 Brustkrebspatientinnen insgesamt eine Sensitivität von 75 Prozent. Altersabhängige Unterschiede konnten gefunden werden. Hier zeigt sich bei den unter 50-jährigen eine Sensitivität von 86 Prozent beziehungsweise bei den über 50-jährigen von 60 Prozent“, heißt es weiter. 

Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg entwickeln ersten marktfähigen Bluttest für Brustkrebs

Sensation! Heidelberger Mediziner entwickeln neuen Bluttest für Brustkrebs-Erkennung

Erstmeldung vom 21. Februar: Um Brustkrebs festzustellen, lassen Frauen eine Mammographie machen. Doch Ärzte und Forscher des Uniklinikums Heidelberg haben nun eine neue Methode für die Erkennung von Krebs gefunden: Ein BluttestBILD spricht bereits jetzt von einer medizinischen Sensation. Wie es in einem Bericht heißt, könne der Bluttest zu 75 Prozent eine Erkrankung feststellen. Wenn junge Frauen (ab dem 30. Lebensjahr) sich testen lassen, steige sogar die Treffsicherheit.

Heidelberg: Brustkrebs früher erkennen: Viele Vorteile beim neuen Bluttest

Wie Prof. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, der BILD erklärt, werde bei dem neuen Bluttest Botenstoffe, die aktive Zellen bei einer Krebserkrankung ins Blut aussenden, nachgewiesen. Der so genannte ,Heiscreen-Test' sei außerdem weniger aufwändig als eine Mammographie und könne Krebs aufzeigen, noch bevor er mittels bildgebender Verfahren sichtbar sei. Zudem könne er auch Eierstockkrebs erkennen.

Wann kommt der Bluttest für Brustkrebs-Erkennung auf den Markt? Und was soll er kosten?

Was der Test kostet und ob ihn die Krankenkassen übernehmen, ist nicht klar. Der Test soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen.

dpa/pm/jol

Quelle: Heidelberg24

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