Von der Gründung bis heute

BASF: Geschichte, Daten und Fakten zum größten Chemie-Konzern der Welt

Der Chemiekonzern BASF ist überall auf der Welt bekannt und macht mehrere Milliarden Euro im Jahr. Doch wie ist diese Firma entstanden und was bedeutet der Name?

  • BASF SE in Ludwigshafen am Rhein ist der größte Chemie-Konzern der Welt.
  • Von 1865 bis heute hat das Unternehmen viele Höhen und Tiefen erlebt.
  • Alles zur Geschichte der BASF.

Mitten in Ludwigshafen am Rhein entstand im 19. Jahrhundert eine Firma, die bis heute erfolgreich ist. Überall auf der Welt kennen die Menschen den Namen BASF. Doch die wenigsten kennen die Geschichte hinter dem Unternehmen oder wissen, wofür diese vier Buchstaben stehen. Und wie konnte eine kleine Firma aus Rheinland-Pfalz innerhalb von 150 Jahren zu einem der größten Chemie-Konzerne der Welt aufsteigen, die innerhalb eines Jahres mehrere Millionen Euro verdient? 

BASF: Anfänge in Ludwigshafen und Mannheim

Die Geschichte beginnt im Jahr 1861 mit einem Mann namens Friedrich Engelhorn. Der geborene Mannheimer gründete zusammen mit Carl ClemmNepomuk Spreng und Otto Dyckerhoff die Anilinfarbenfabrik Dyckerhoff, Clemm und Comp. In einem ehemaligen Hüttenwerk in Mannheim-Jungbusch produzierten sie Farbstoffe und verkauften diese weltweit. Da eine Fusion mit dem Verein Chemischer Fabriken in Mannheim scheiterte, gründeten Engelhorn und sieben weitere Teilhaber im April 1865 die Badische Anilin- & Soda-Fabrik – abgekürzt BASF. Direktoren des neuen Unternehmens wurden Friedrich Engelhorn, die beiden Chemiker Carl und August Clemm und der Techniker Julius Giese.

Da das bisherige Gelände zu klein wurde, sollte ein neues gekauft werden. Da aber der gewünschte Bereich am Tattersall zwischen der BASF und dem Verein Chemischer Fabriken in Mannheim versteigert werden sollte, entschied sich Engelhorn zu einem Standortwechsel über den Rhein. Im Mai 1865 erfolgte dann der erste Spatenstich. Ein weiterer Vorteil der damaligen Zeit war die Lage von Ludwigshafen am Rhein. Denn die Stadt gehörte seit 1815 zum Königreich Bayern. Und dessen damaliger König Maximilian II förderte die Ansiedelung von Industrieunternehmen.

BASF: Weltweite Erfolge und neue Niederlassungen

Die BASF konnte in den nächsten Jahrzehnten große Erfolge und Erfindungen vorweisen. So wurde ab 1880 mit der Erforschung der synthetischen Herstellung von Indigofarben begonnen. Das Ergebnis war die Heumann-Synthese, mit der größere Mengen Indigo hergestellt werden konnten. Im Jahr 1901 kamen zudem licht- und waschechten Indanthren-Farben von BASF auf den Markt – eine Weltneuheit! Ein Jahr später verstarb Friedrich Engelhorn im Alter von 81 Jahren. Aus seiner Ehe mit Marie Brüstling gingen zwölf Kinder hervor. 

Das aktuelle Symbol der BASF

Durch die Erfolge konnte das Unternehmen BASF auch im Ausland Niederlassung aufbauen. In den 1880er Jahren waren es noch Frankreich, Russland und die USA. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten alleine im Werk in Ludwigshafen 148 Chemiker, 75 Ingenieure, 305 kaufmännische Beamte sowie 6.207 Arbeiter. Bei der Weltausstellung 1900 in Paris war die BASF die größte chemische Fabrik der Welt!

BASF: Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich die BASF zunehmend mit der Erforschung der Ammoniaksynthese, die wichtig für die Rüstungswirtschaft wurde. Gleichzeitig wurde auch die Produktion von Düngemitteln aufgenommen. Die Eröffnung des Agrazentrums Limburgerhof war der Beginn der industriellen Agrarchemie in Deutschland. Weil es aber im Bereich Farben schlecht lief, schlossen sich der Dreierbund (BASF, Bayer und Agfa) und die Farbwerken Hoechst, Cassella, Kalle sowie Weiler-ter-Meer zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie zusammen. Ihr Gewinn wurde in eine gemeinsame Kasse gezahlt.

Im Ersten Weltkrieg produzierte die BASF Ausgangsstoffe für die Sprengstoff- und Schießpulverproduktion und Vorprodukte für Giftgas. In Haßmersheim am Neckar wurde 1916 das „Reichsschwefelwerk“ erbaut, das aber nach der Niederlage im Krieg und aufgrund des Versailler Vertrages stillgelegt werden musste. Die Produktionsanlagen der BASF wurden zudem von den Alliierten größtenteils demontiert und die Patente beschlagnahmt. Es folgte eine Unternehmenskrise! 

BASF: IG Farben und der Zweite Weltkrieg

Aufgrund wirtschaftlicher Probleme fusionierten die acht Unternehmen Agfa, BASF, Bayer, Cassella, Chemische Fabrik Griesheim-Elektron, Chemische Fabrik vorm. Weiler Ter Meer, Hoechst und Chemische Fabrik Kalle zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG – kurz IG Farben. Der Hauptsitz war in Frankfurt am Main, wo 1930 das IG-Farben-Haus erbaut wurde. Doch mit der Machtübernahme des Nationalsozialisten 1933 wurde die IG Farben zu einem Staats- und Kriegskonzern umgebaut. 

Das IG-Farben-Haus in Frankfurt am Main war Hauptsitz des Unternehmens. 

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 nutzte das Unternehmen Zwangs- und Fremdarbeiter sowie KZ-Häftlinge zur Arbeit. In Polen wurde bei der Stadt Monowitz ein Arbeitslager errichtet, in dem der synthetischen Kautschuk Buna produziert wurde. Es handelte sich um ein Nebenlager von Auschwitz. Ab dem Herbst 1941 wurde zudem das von IG Farben produzierte Schädlingsbekämpfungsmittel „Zyklon B“ in den Gaskammern mehrerer Konzentrationslager eingesetzt. Das führte zur industriell organisierten Massenermordung mehrerer Millionen Menschen!

BASF: Folgen des Zweiten Weltkriegs und Neuanfang

Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg besetzten alliierte Truppen Ludwigshafen. Das Werk der BASF war durch Bombenangriffe größtenteils zerstört worden. Das gesamte Konzernvermögen wurde beschlagnahmt. Im November 1945 wurde die IG Farben aufgelöst. Drei Jahre später wurden beim IG Farben-Prozess 13 leitende Vertreter des Unternehmens von einem amerikanischen Militärtribunal verurteilt. Ab 1952 wurde die IG Farben in mehrere Firmen aufgeteilt – dadurch gab es auch wieder die BASF.

BASF-Hochhaus bald weg!

Unter französischer Kontrolle begann die Produktion im Werk in Ludwigshafen wieder. In den 50er und 60er Jahren wurde die BASF zur Aktiengesellschaft, entwickelte neue Verfahren, baute Produktionsstätten in Europa, Amerika, Japan und Australien sowie weitere Unternehmensbereiche auf. Das neue Verwaltungszentrale der BASF, das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus, war 1957 das höchste Gebäude in Deutschland – musste aber im Jahr 2014 wegen Bauschäden und Asbestproblemen abgerissen werden! Seit dem 14. Januar 2008 ist der Chemie-Konzern zudem eine Europäische Gesellschaft und nennt sich BASF SE (Societas Europaea).

BASF: Aktuelle Zahlen und Geschäftsfelder

Laut dem BASF-Onlinebericht 2019 hat das Unternehmen im letzten Jahr einen Umsatz von 59,316 Millionen Euro gemacht. Weltweit arbeiten über 117.000 Personen für den Konzern. Allerdings verkündete der aktuelle Geschäftsführer Martin Brudermüller im Juni 2019, dass international 6.000 Stellen gestrichen werden müssen! Anfang 2018 hatte der Chemie-Riese einen Börsenwert von über 95 Milliarden US-Dollar

Die Hauptgeschäftsfelder sind Chemikalien, Kunststoffe, Veredelungsprodukte, Öl und Gas, Pflanzenschutz und Ernährung sowie Functional Solutions (zum Beispiel Sport- und Industrieböden oder Fließenkleber). im September 2019 wurde bekannt, dass die BASF sich von ihrer Bauchemie-Sparte trennen wird. Der US-Finanzinvestor Lone Star soll etwa 3,17 Milliarden Euro dafür zahlen. 

BASF: Wo befinden sich die Werke?

Wichtige Standorte der BASF befinden sich in sieben Ländern auf drei Kontinente verteilt. Dabei handelt es sich um Ludwigshafen am Rhein, Düsseldorf, Münster, Lemförde, Nienburg und Schwarzheide in Deutschland, Basel in der Schweiz, Antwerpen in Belgien, Port Arthur, Freeport und Geismar in den USA, Altamira in Mexiko, Kuantan in Malaysia sowie Nanjing in China. Ende 2019 wurde zudem mit dem Bau einer Anlage im chinesischen Zhanjiang begonnen. 

Eine Niederlassung der BASF befindet sich auch in Nanjing in China. 

Alleine das Werk in Ludwigshafen umfasst rund 2000 Gebäude auf einer Fläche von über zehn Quadratkilometern. Es besitzt einen eigenen Hafen, eine eigene Werksfeuerwehr und eine eigene Werksambulanz. 

BASF: Bekannte Erfinder des Unternehmens

Die BASF wäre ohne diese klugen Köpfe niemals so weit gekommen:

  • Heinrich von Brunck: Chemiker und Vorstandsvorsitzender, Vater der betrieblichen Sozialfürsorge.
  • Carl Clemm: Chemiker, Politiker und Unternehmer: Mitbegründer der BASF, Schüler von Justus von Liebig.
  • Carl Bosch: Chemiker, Techniker und Industrieller.
  • Fritz Haber: Chemiker und Nobelpreisträger für Chemie.
  • Alwin Mittasch: Chemiker und Naturwissenschaftshistoriker.
  • Matthias Pier: Industriemechaniker.
  • Walter Reppe: Chemiker, Vertreter der modernen Verfahrenstechnik.
  • Fritz Stastny: Chemie-Ingenieur und Erfinder, erfand das Styropor.
  • Georg Wittig: Chemiker und Träger des Nobelpreises für Chemie, Direktor des organisch-chemischen Instituts der Universität Heidelberg.

BASF: Wohnungen, eigenes Geld und Erholungsheime

Die BASF sorgte bereits seit dem 19. Jahrhundert für seine Mitarbeiter. So gab es eine betriebseigene Krankenfürsorge, Aus- und Fortbildungen, Wohnungsbau und Freizeitgestaltung. 1866 wurde eine betriebseigenen Ambulanz eingerichtet, 1875 folgte eine betriebliche Krankenkasse. Es gab sogar Erholungsheime für Arbeiter und deren Familie. 1873 wurde die 1873 wurde die Hemshof-Kolonie mit 384 Arbeiter- und 36 Aufseherwohnungen errichtet. 

Ab 1900 wurde die Kolonie Limburgerhof aufgebaut, die eine Volksschule und einen Betsaal umfasste. In den Jahren darauf kamen eine Speisehalle, eine Turnhalle, eine Bibliothek sowie das Gesellschaftshaus errichtet. Während der Inflation in der Weimarer Republik führte die BASF im Jahr 1923 sogar ein konzerneigenes Zahlungsmittel ein – den „Anilindollar“. Dieser wurde eine zeitlang die Ersatzwährung in der Region um Ludwigshafen. Als Vater der betrieblichen Fürsorge galt Heinrich von Brunck, der von 1884 bis 1906 Direktor der BASF gewesen war. 

BASF: Schwere Katastrophen im Laufe der Zeit

Das bislang größte Unglück in der Geschichte der BASF war die Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes am 21. September 1921. Damals flogen etwa 400 Tonnen Ammoniumsulfatnitrat in die Luft. Es wurden 559 Menschen getötet und 1977 verletzt! Noch in 75 Kilometern Entfernung wurden Gebäude durch die Detonation beschädigt.

Ein weiteres Unglück bei der BASF ereignete sich am 28. Juli 1948, als ein Eisenbahnkesselwagen mit 30 Tonnen hochentzündlichem Dimethylether explodierte. Dabei starben 207 Personen und fast 4.000 wurden verletzt.

Eine Explosion erschütterte im Jahr 2016 Ludwigshafen und forderte fünf Menschenleben.

Das letzte große

Unglück bei der BASF ereignete sich am 17. Oktober 2016

als ein Schweißer durch einen Fehler eine Explosionen auslöste

. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben und 44 wurden verletzt. Der Verursacher wurde im Anschluss zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. 

dh

Quelle: Ludwigshafen24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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