Ermittlungen gegen Gruppe

Baden-Württemberg: Inzidenz von 900 nach Wanderung – bleibt die „Corona-Tour“ ohne Strafe?

Eine Wandertour im Landkreis Tuttlingen machte eine kleine Gemeinde zum Corona-Hotspot (Symbolfoto)
+
Eine Wandertour im Landkreis Tuttlingen machte eine kleine Gemeinde zum Corona-Hotspot (Symbolfoto)

Baden-Württemberg: Nach einem Wanderausflug ins Donautal explodiert die Inzidenz in Mühlheim an der Donau auf fast 1.000. Jetzt fordern Politiker abschreckende Strafen:

Update vom 5. Februar: Während die einen sich strikt an Kontaktbeschränkungen halten, gehen andere in einer größeren Gruppen wandern und treffen sich zur Hütten-Gaudi. Der Wanderausflug von 14 Personen, der zu einem größeren Corona-Ausbruch in Mühlheim an der Donau gesorgt hat, bleibt für die Beteiligten wohl aber ohne strafrechtliche Konsequenzen.

Corona-Ausbruch in Mühlheim: Wussten Wanderer von Infektion?

Man gehe davon aus, dass die Wanderer keine Straftaten begangen hätten, sondern es sich um Ordnungswidrigkeiten handle, sagte Frank Grundke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil. Entgegen anderslautenden Berichten sei die Staatsanwaltschaft in dem Fall bislang nicht eingeschaltet.

Auch ein Sprecher der Polizei Konstanz sagte, man gehe bislang von Verstößen gegen die Corona-Verordnung und das Infektionsschutzgesetz aus. Voraussetzung für ein Körperverletzungsdelikt sei, das die infizierten Wanderer bei dem Ausflug schon von ihrer Infektion wussten. Davon gehe die Polizei derzeit nicht aus. Die Ermittlungen zu dem Fall könnten sich hinziehen. Es müssten 14 Beteiligte und weitere Zeugen befragt werden.

Corona-Ausbruch nach Gruppen-Wanderung: Politiker fordern Strafen

Bislang lassen sich 32 Corona-Fälle auf den Ausflug zurückführen, teilte ein Sprecher des Tuttlinger Landratsamts mit. Mühlheims Bürgermeister Jörg Kaltenbach hatte gegenüber der „Bild“-Zeitung zuletzt harte“ Strafen gefordert, wollte sich am Donnerstag (4. Februar) aber nicht mehr zu dem Thema äußern. „Es ist jetzt genug und muss wieder Ruhe einkehren“, teilte er schriftlich mit.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) nannte das Verhalten der Wanderer im Landtag in Stuttgart „unverantwortlich“. In einer Video-Botschaft hatte der Landrat des Kreises Tuttlingen, Stefan Bär, gesagt: „Das ist einer der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnung, die wir bisher kennengelernt haben.“ Das Selbstverständnis der Beteiligten sei wohl gewesen: „Wir können machen, was wir wollen. Es ist uns auch egal, was daraus wird.

Corona-Hotspot Baden-Württemberg: Entsetzen nach Wander-Ausflug ‒ Inzidenz bei fast 1.000

Update vom 4. Februar: Aus dem unverantwortlichen Wanderausflug samt anschließender Hüttengaudi einer 14-köpfigen Gruppe aus zehn verschiedenen Haushalten sind mindestens 25 Neu-Infektionen hervorgegangen. Unfassbar: Weil sich keiner der Clique an die Corona-Regeln gehalten hat, haben sich letztendlich alle gegenseitig angesteckt. Doch damit nicht genug: Da die Wanderer nach ihrem Trip trotz positiven Test und Quarantäne in den Schnee danach wieder normal zur Arbeit gehen, infizieren sie auch noch ahnungslose Kollegen mit Covid-19!

Für den entsetzten Mühlheimer Bürgermeister Jörg Kaltenbach steht fest, dass man sich bezüglich des Strafmaßes „im allerobersten Rahmen bewegt, dass es weh tun muss und eine abschreckende Wirkung hat“, wie der CDU-Politiker dem SWR sagt. Für Stefan Bär, Landrat im Kreis Tuttlingen, geht es „nicht mehr nur um Bußgeld, sondern um Straftatbestände, die zu prüfen sind“.

Inzwischen ist die Inzidenz in Mühlheim auf etwa 500 gesunken, im übergeordneten Landkreis Tuttlingen lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche bei 100,9.

Corona-Hotspot Baden-Württemberg: Unverantwortlicher Wanderausflug lässt Inzidenz in Städtchen explodieren

Erstmeldung vom 3. Februar: Tuttlingen - Während die Neu-Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter sinken, entwickelt sich eine kleine Gemeinde im Landkreis Tuttlingen zum absoluten Corona-Hotspot im Bundesland. Der Inzidenz-Wert im gesamten Bundesland lag am Dienstag bei 70,2 – in Mühlheim an der Donau allerdings bei fast 1.000. Auslöser des extremen Anstiegs: Ein Wanderausflug einer 14-köpfigen Gruppe, in der zwei Personen zuvor offenbar positiv auf Corona getestet wurden. Wie konnte es so weit kommen?

Baden-Württemberg: Mühlheim wird zum Corona-Hotspot – Inzidenz bei fast 1.000 wegen Wanderausflug

Wie bw24.de berichtet, brach die Wandergruppe am vergangenen Samstag von Mühlheim aus ins Donautal auf.* Am Ende der Wanderung verbrachten die 14 Personen offenbar noch gemeinsam Zeit in einer Hütte – und machten ihren Ausflug so zum Superspreader-Event. Denn aus der Wandertour, mit der die Gruppe aus Mühlheim klar gegen die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus verstieß, resultierten mindestens 25 Neu-Infektionen in der 3.600-Seelen-Gemeinde und ihrer Umgebung.

Baden-Württemberg: Corona-Hotspot Mühlheim – Wandertour mit 10 Haushalten endet fatal

Die Inzidenz in Mühlheim lag zwischenzeitlich bei einem Wert von 910 – ein trauriger Spitzenwert nicht nur in Baden-Württemberg sondern auch in Deutschland. „Die Wanderer stammten aus zehn Haushalten. Sie sind noch in einer kleinen Hütte eingekehrt“, schildert Mühlheims Bürgermeister Jörg Kaltenbach (CDU) gegenüber BILD. Die Gruppe soll stundenlang beieinander gesessen haben – ohne Abstand oder Maske. „Niemand aus der Gruppe hat sich an die Corona-Regeln gehalten, wie wir jetzt erfahren haben. Dabei haben sich Beteiligte gegenseitig angesteckt und später andere infiziert. Das muss hart bestraft werden!“, wird der Bürgermeister weiter zitiert.

Baden-Württemberg: Nach Superspreader-Wanderung – Staatsanwaltschaft ermittelt

Der massive Corona-Ausbruch in Mühlheim hat nun auch Auswirkungen auf die Firmen in der Gemeinde. In mindestens zwei Unternehmen sollen sich Mitarbeiter bei Kollegen angesteckt haben. Wie Landrat Stefan Bär am Wochenende in einer Video-Botschaft an seinen Landkreis Tuttlingen erklärte, gehe man sogar davon aus, dass noch weitere Betriebe betroffen sein könnten. Bär zeigte sich im Video sichtlich schockiert. „Das ist rücksichtsloses und egoistisches Verhalten.“ Für den Landrat sei das Verhalten der Wandergruppeeiner der massivsten Verstöße gegen die Corona-Verordnung, die wir bisher kennengelernt haben“.

Nach der Wandertour in Mühlheim wurden nun die Behörden eingeschaltet. Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen gegen die Gruppe aufgenommen, die aus dem beschaulichen Ort in Baden-Württemberg einen Corona-Hotspot gemacht haben. „Es geht nicht mehr nur um Bußgeldbescheide“, erklärt Landrat Stefan Bär. Man werde den Fall mit aller Härte und Konsequenz aufarbeiten. (kab/dpa) *bw24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare