Nebenwirkungen

AstraZeneca-Impfung: Besteht ein höheres Thrombose-Risiko für Raucher?

Viele Raucher fragen sich derzeit, ob und wie ihr „Laster“ die Corona-Impfung beeinflussen kann. Experten erklären, worauf sie achten müssen:

Die Schlagzeilen bezüglich der AstraZeneca-Impfung überschlagen sich in den letzten Monaten. Viele Menschen sind verunsichert und fragen sich, ob die vereinzelt beobachteten Nebenwirkungen ein hohes Risiko für sie darstellen. Der derzeitige Stand der Forschung lässt viele Fragen offen. Die beobachteten Fälle von Hirnvenenthrombosen waren zwar äußerst selten, dennoch ist der genaue Zusammenhang nicht geklärt. Beobachtet wurden die Fälle vor allem bei jungen Menschen; betroffen waren zudem mehr Frauen als Männer. Nachdem zwischenzeitlich die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, vorübergehend ausgesetzt wurde, wurde die Aufhebung Mitte März bereits wieder zurückgenommen. Der aktuelle Stand ist, dass die STIKO die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin nicht für Personen unter 60 Jahren empfiehlt. Verimpft wird der Wirkstoff trotzdem an Menschen unter 60 Jahren, allerdings nach ärztlichem Ermessen und nach Nutzen-Risiko-Abwägung.

Corona-Impfung: AstraZeneca und Rauchen – Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Unabhängig davon fragen sich viele Menschen nun, inwiefern Wechsel- oder Nebenwirkungen von AstraZeneca in Zusammenhang mit externen Faktoren wie etwa dem Genuss von Nikotin stehen könnten. Bekannt ist schließlich nicht erst seit heute, dass – auch unabhängig von der Impfung – Rauchen ein erhöhtes Risiko für Hirnvenenthrombosen darstellt. Inwiefern kann nun also Rauchen die möglichen Nebenwirkungen der AstraZeneca-Impfung verstärken und inwiefern kann Rauchen eventuell einen Einfluss auf die Impfung selbst haben? Was sollten Raucher beachten?

Höheres Risiko für Nebenwirkungen der AstraZeneca-Impfung für Raucher?

Inwiefern Rauchen ein zusätzliches Risiko für Thrombosen im Zusammenhang mit AstraZeneca darstellt, ist bislang noch nicht ausreichend geklärt. Da Rauchen aber per se bereits ein Risiko für das Auftreten von Thrombosen mit sich bringt, liegt der Verdacht nahe, dass somit auch das Risiko für das Auftreten von Thrombosen nach der AstraZeneca-Impfung erhöht ist.

Corona-Impfung: AstraZeneca und Rauchen – Sollten Raucher sich mit AstraZeneca impfen?

Bedeutet das nun, Raucher sollten sich lieber nicht mit AstraZeneca impfen lassen? So allgemein lässt sich diese Frage sicherlich nicht beantworten, waren schließlich die bis dato aufgetretenen Fälle von Hirnvenenthrombosen äußerst selten. Insofern kann nicht von einem kausalen Zusammenhang, erst recht nicht von einer eindeutig vorhersehbaren Neben- oder Wechselwirkung gesprochen werden. Eventuell auftretende Thrombosen können nicht ausgeschlossen werden, dies ist aber im Falle von Rauchern auch ohne eine Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin der Fall. Ähnliches gilt im Übrigen für Frauen, die die Pille einnehmen: Studien zu den Zusammenhängen zwischen Thrombosen und der Einnahme der Pille sind nicht neu, machten jedoch in den letzten Wochen vermehrt Schlagzeilen, als auch über die im Zusammenhang mit AstraZeneca aufgetretenen Thrombosen berichtet wurde. Studien dazu gibt es allerdings ebenfalls nicht.

AstraZeneca-Impfung – Rauchen kann Risiko für Thrombosen erhöhen

Wie sieht es aus bei einer gleichzeitigen Einnahme der Pille zusammen mit dem Konsum von Zigaretten in Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung? Es wurde tatsächlich – Zufall oder nicht – in einer Arbeitsgruppe ein Mechanismus zur Thrombozytenbildung im Fall von untersuchten Frauen festgestellt, welche rauchten und die Pille einnahmen und sich mit AstraZeneca impfen ließen, so eine Sprecherin der Thorax-Klinik in Heidelberg auf Nachfrage von HEIDELBERG24.

Corona-Impfung: Rauchen vor oder nach der Impfung nicht empfehlenswert?

Bei der Frage, inwieweit nun jedoch RaucherInnen den Konsum von Zigaretten unmittelbar vor oder nach der Impfung abstellen beziehungsweise zurückschrauben sollten, gibt es noch keine allgemeingültigen Empfehlungen. Eindeutige, kausale Zusammenhänge zwischen Rauchen von Nikotinzigaretten und einem verminderten Impfschutz sind nicht bekannt, allerdings schwächt Rauchen, genauso wie der Konsum von Alkohol, die Immunabwehr, so die Sprecherin der Thoraxklinik. Auch führt der Konsum von Nikotin generell zu Gefäßverengung, welche ursächlich sein kann für das Auftreten von Thrombosen. Ob Zigaretten nun einige Tage unmittelbar vor und nach der Impfung mit AstraZeneca einen Einfluss auf den Impfschutz beziehungsweise das Risiko einer Thrombose haben, sei dahingestellt. Anders als im Falle von Alkohol, wo eine Abstinenz von einigen Tagen vor und nach der Impfung durchaus sinnvoll ist, besteht die Schwächung des Immunsystems durch Nikotin eher in einem schleichenden Prozess und lässt sich nicht durch eine Abstinenz kurz vor bzw. nach der Impfung vermindern, so die Sprecherin der Thoraxklinik weiter.

Außerdem kommen wohl die wenigsten Raucher mal eben ein paar Tage ohne den Glimmstängel aus und sei es aufgrund einer anstehenden Impfung. Gleiches gelte im Übrigen auch für die – häufig sehr stark nikotinhaltigen – E-Zigaretten. Hier müsse man zudem noch bedenken, dass die meisten E-Zigaretten-Raucher meistens lange Zeit normale Zigaretten geraucht und somit ihren Körper bereits jahrelang einem sehr hohen Gehalt an Nikotin ausgesetzt haben.

Corona-Impfung: AstraZeneca und Rauchen – Kausaler Zusammenhang uneindeutig

Man dürfe nicht vergessen, dass natürlich die Forschungslage insgesamt noch sehr spärlich sei, da die Corona-Impfstoffe alle sehr neu sind und in einer sehr kurzen Zeit entwickelt wurden. Einschlägige Forschungen werden wohl in den nächsten Jahren und Jahrzehnten veröffentlicht werden. Fakt ist, wie bei so vielen anderen Risikofaktoren auch: je weniger, desto geringer das gesundheitliche Risiko, sei es nun Rauchen oder Alkohol. Und dass es natürlich vorteilhafter für den Körper ist, wenn er eine Immunreaktion bewerkstelligen kann, ohne vorbelastet zu sein durch andere Faktoren, die die Immunabwehr und die Lunge und die Gefäße nachweislich schädigen. Welchen Anteil die AstraZeneca-Impfung hierbei hat, ist dabei noch nicht eindeutig klar.

Corona-Impfung mit AstraZeneca: Raucher generell geschwächte Immunabwehr

Natürlich ist es keine Frage und längst jedem bekannt, dass eine generelle Einschränkung des Zigarettenkonsums ohnehin gesünder ist und – unter anderem – das Risiko für Hirnvenenthrombosen extrem senkt. Auch eine eventuelle Infektion mit dem Coronavirus ist für RaucherInnen riskanter, wie auch Top-Virologe Drosten schon feststellte: „Es ist sicherlich immer ein guter Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören – aber jetzt wahrscheinlich ein besonders guter.“ Der einfache Grund dafür: Alles was der Lunge schadet – so wie auch das Rauchen –, schwächt sie und macht sie somit weniger robust im Falle einer Atemwegsinfektion. Dies gilt besonders für das Coronavirus, bei dem die Lungen stark betroffen sind. Dies kann bei einer Infektion schnell zu schweren Krankheitsverläufen führen. Außerdem fassen sich Raucher häufiger ins Gesicht, wenn sie an der Zigartette ziehen. Aus diesen Gründen zählen RaucherInnen auch offiziell zu Risikogruppen.

Corona-Imfpstoff: Raucher müssen Risiko selbst abwägen

Um nun auf die brennende Frage zurückzukommen, inwieweit Rauchen die AstraZeneca-Impfung beeinflusst, so kann man nach derzeitigem Stand sagen: Einfluss auf die Impfwirkung hat das Rauchen nicht. Jedoch sind Raucher ohnehin einem stärkeren Thrombose-Risiko ausgesetzt, welches eventuell durch die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin verstärkt werden könnte. Inwieweit diese Tatsache nun RaucherInnen von der Impfung abhalten sollte, muss jede/r RaucherIn für sich selbst klären. (snh.)

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