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Nach Amokfahrt in Mannheim: Schuldunfähig? Täter muss in Psychiatrie

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Ein 36-jähriger Mann hat nach zwei Schreckenstaten zwei Menschen auf dem Gewissen. Ist der psychisch Kranke schuldunfähig? Das sagen Polizei und Staatsanwaltschaft:

Update vom 14. Juni, 17:10 Uhr: Nach den tragischen Ereignissen vom Sonntag (12. Juni) in Ellerstadt/Rheinland-Pfalz und Mannheim wurde der Tatverdächtige am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen und beim Amtsgericht Mannheim dem Ermittlungsrichter vorgeführt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen. Der Mann stand bisher in einem Krankenhaus unter polizeilicher Überwachung, war nicht vernehmungsfähig.

Im Rahmen der heutigen Vorführung beim Ermittlungsrichter wurde ein Unterbringungsbefehl erlassen und die einstweilige Unterbringung des Verdächtigen in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Die aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim sowie der Polizeipräsidien Mannheim und Rheinpfalz werden insbesondere wegen des Verdachts des Totschlags (Ellerstadt) sowie des dreifach versuchten Mordes und (eines vollendeten) Mordes betreffend das Geschehen in der Rhenaniastraße geführt, so die Ermittler weiter.

Amokfahrt in Mannheim: Täter war schon früher auffällig

Weitere Ermittlungen ergaben, dass bei der Staatsanwaltschaft Frankenthal im Jahr 2020 ein Verfahren gegen den Tatverdächtigen wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung wegen Schuldunfähigkeit eingestellt wurde. Für Baden-Württemberg dagegen liegen keine weiteren Erkenntnisse vor.

Zwei der drei verletzten Radfahrer befinden sich noch im Krankenhaus, schweben weiterhin in Lebensgefahr und sind noch nicht vernehmungsfähig. Alle vier in Mannheim geschädigten Personen kamen aus dem Rhein-Neckar-Raum und wurden in der Rhenaniastraße nach dem derzeitigen Stand zufällig Opfer.

Amokfahrt in Mannheim: Mann (36) tötet Vater und jagt Radfahrer – Täter schuldunfähig?

Erstmeldung vom 4. Juni, 10:11 Uhr: Nach den beiden schrecklichen Verbrechen eines 36-Jährigen ist das Entsetzen noch immer groß in der Pfalz und in Mannheim. Der dringend Tatverdächtige soll am Sonntagabend (12. Juni) kurz nach 18 Uhr zunächst seinen Vater (69) in Ellerstadt (Rheinland-Pfalz) getötet haben. Anschließend flüchtete er mit dem Auto seiner Mutter und startete eine tödliche Amokfahrt in Mannheim-Neckarau.

StadtteilMannheim-Neckarau
Einwohnerzahl29.956 (Stand: 31. Dez. 2015)
Fläche10,98 km²
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Nach Amokfahrt in MA-Neckarau: Noch zwei Radfahrer in Klinik

Warum der 36-jährige Mann auf seiner Flucht die rund 30 Kilometer nach Mannheim auf sich genommen hat und was er dort wollte, ist bislang noch unklar. „Das wissen wir noch nicht – das wird derzeit ermittelt“, so Erster Staatsanwalt Dr. Marc Schreiner auf Anfrage von MANNHEIM24.

Als sicher gilt: Der psychisch kranke Beschuldigte soll in der Rhenaniastraße in Mannheim auf einer Strecke von 1,5 Kilometern vier Radfahrer absichtlich gerammt haben. Noch am Tatort erlag eine 71-jährige Frau ihren schweren Verletzungen. Die drei anderen Radfahrer wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Einer der Männer konnte die Klinik schon wieder verlassen.

Am Sonntagabend (12. Juni) tötet ein Mann seinen Vater, fährt auf der Flucht in eine Radlergruppe und springt dann in den Rhein.
Am Sonntagabend (12. Juni) tötet ein Mann seinen Vater, fährt auf der Flucht vier Radfahrer um und springt dann in den Rhein. © PR-Video/René Priebe/dpa

Todesfahrt in Mannheim: Verdächtiger vor Schreckenstaten in psychischer Behandlung

Nachdem er die Radfahrer - zwei gemeinsam unterwegs plus zwei Einzelfahrer - brutal zu Sturz gebracht hat, lenkte er das beschädigte Auto noch einige Meter weiter zur Graßmannstraße. Bemerkenswert: Zu diesem Zeitpunkt wurde er noch nicht von der Polizei gesucht oder gar verfolgt. Dann ist er ausgestiegen, hat laut Zeugenaussage Teile seiner Kleidung ausgezogen und ist in den rund 100 Meter entfernten Rhein gesprungen. Die Wasserschutzpolizei hat ihn aus dem Wasser geholt.

Wie die Staatsanwaltschaft Mannheim mitteilt, habe sich der 36-jährige Deutsche laut bisherigen Ermittlungen aufgrund einer psychischen Erkrankung in ärztlicher Behandlung befunden. Bis etwa eine Woche vor seinen Schreckenstaten war er stationär in einer Klinik aufgenommen. Man geht davon aus, dass er die Taten in einem psychischen Ausnahmezustand verübt hat. Laut Informationen von bild.de soll der 36-Jährige seinen Vater erschlagen haben.

Sohn tötet seinen Vater (69) in der Pfalz – Leiche wird obduziert

Während die Obduktion des 69-Jährigen weitere Erkenntnisse bringen soll, wird sein Sohn noch im Laufe des Dienstag (14. Juni) dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Nach derzeitigem Wissensstand spricht für die Staatsanwaltschaft Mannheim, die auch die Ermittlungen zum getöteten Vater übernimmt, vieles dafür, dass der Täter schuldunfähig ist. Er soll per Unterbringungsbefehl vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

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Bislang polizeilich in Erscheinung getreten, ist der mutmaßliche Täter nicht. Auch auf eine politisch motivierte Tat deutet nichts hin.Beim zuständigen Polizeipräsidium Mannheim ist eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden. (pek)

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