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Xavier Naidoo: „Bekiffter Quatsch“ – Smudo und Kollegen ignorierten verstörte Ansichten

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Von: Daniel Hagen

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Xavier Naidoo fällt schon seit vielen Jahren mit seinen kruden Ansichten, die immer radikaler wurden, auf. Sänger Smudo erklärt im ZDF, warum die Radikalisierung so lange ignoriert wurde.

Viele Menschen glauben, dass Xavier Naidoo erst mit Beginn der Corona-Pandemie komplett in die Verschwörungsszene abgedriftet ist – das stimmt aber nicht. Genau genommen sorgt der Mannheimer schon seit den 1990er Jahren mit einigen Aussagen für Verwirrung. So zeigt ein alter Artikel der Bravo aus dieser Zeit, dass Xavier Naidoo wegen Gott keine Autogramme geben wollte.

NameXavier Kurt Naidoo
Geboren2. Oktober 1971 in Mannheim
AlbenNicht von dieser Welt, Live, Hin Und Weg, Telegramm für X
ElternEugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Trotz Antisemitismus und Verschwörungsmythen – Xavier Naidoo wurde gefeiert

Solche religiösen Aussagen sind nicht wirklich gefährlich. Doch seit etwa 2009 werden die Worte des Musikers plötzlich radikaler und besorgniserregender. Songs wie „Raus aus dem Reichstag“ oder „Verschieden“ strotzen vor antisemitischen Inhalten, in den Jahren darauf beginnt Naidoo in TV-Shows seine Verschwörungsmythen mit Reichsbürger-Inhalten zu verbreiten, bevor er 2014 auf einer Demo dieser Szene auftritt.

Doch trotz all dieser öffentlichen Skandale wird Xavier Naidoo niemals „gecancelt“, wie man es heutzutage nennen würde. Stattdessen gewinnt der Musiker aus Mannheim weiterhin Preise, bekommt mit „Sing meinen Song“ seine eigene Show auf Vox und soll 2015 sogar für Deutschland zum Eurovision Song Contest fahren.

Wegen ESC-Absage: Solidarität-Bekundung für Xavier Naidoo

Aufgrund der Skandale gibt es allerdings zu viel Gegenwind und das Projekt Xavier Naidoo zum ESC wird nicht durchgeführt. Kurz darauf veröffentlichte Marek Lieberberg in der „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“, eine Anzeige, in der der Tourneeveranstalter zusammen mit rund 100 Promis seine Solidarität mit dem Mannheimer bekundete.

Auf der Liste standen damals Namen wie Farid Bang, Tim Bendzko, Yvonne Catterfeld, Bülent Ceylan – der sich mittlerweile zum Sinneswandel von Xavier Naidoo geäußert hat –, Jan Josef Liefers, Michael Mittermeier, Til Schweiger, Rolf Stahlhofen und Thomas D. von „Die Fantastischen Vier“. Doch wieso standen all diese Menschen hinter dem Sänger, wenn er doch so offen seine Mythen verbreitete?

ZDF-Doku „Die Spur“ befasst sich mit Radikalisierung von Xavier Naidoo

Sänger Smudo – neben Thomas D. ein Mitglied der Fantastischen Vier –, hat in einem Interview eine mögliche Antwort darauf. Im ZDF-Doku-Format „Die Spur“ ist am Mittwochabend (4. Mai) eine Folge veröffentlicht worden, die Xavier Naidoos Radikalisierung beleuchtet. Die Redakteure Salwa Houmsi und Milan Panek schreiben für ihre Recherche alle Unterzeichner der Liste an.

Nur einer davon will sich zu dem Thema interviewen lassen – und der steht nicht mal auf der Liste. Es handelt sich dabei um Sänger Smudo, dessen Bandkollege Thomas D. für die ganze Band unterschrieben hat. Der gebürtige Hesse findet, dass der „Mechanismus“ eine Gefahr für die Gesellschaft im Allgemeinen sei. Wenn man „spinnen“ wolle, dann solle man das für sich tun und nicht andere mit hineinziehen.

Smudo klärt auf: Darum hat niemand die Radikalisierung von Xavier Naidoo ernst genommen

„Wie Alkohol eine Gefahr für eine Familie sein kann, kann Glaube und radikaler Glaube an Verschwörungserzählungen dazu führen, dass man eine ganze Gesellschaft destabilisieren kann, weil sie ja einfach parlamentarische und demokratische Mechanismen verunglimpft“, sagt Smudo im Interview.

Der Musiker erklärt anschließend auch, warum die Radikalisierung von Xavier Naidoo in der Branche so lange ignoriert wurde. „Ich habe das für einen spinnerten, bekifften Quatsch gehalten und habe das unterschätzt“, gibt Smudo zu. Auch andere Kollegen hätten viel über die Ansichten Naidoos geredet und diese mit der „Kifferei“ begründet.

Netz-Expertin sicher: Entschuldigung von Xavier Naidoo reicht nicht auf

Was am Ende wirklich zur Radikalisierung vom Sänger geführt hat und ob er sich wirklich davon losgesagt hat – wie Xavier Nadioo vor kurzem in einem Entschuldigungs-Video behauptet – weiß nur der Mannheimer selbst. Mit seiner kruden Weltanschauung hat der Sänger allerdings zahlreiche Brücken hinter sich abgebrannt. Über das Entschuldigungs-Video von Xavier Naidoo berichtet auch tz.de.

„Man kann nicht erwarten, mit einem 3 Minuten Statement ist eine zehn Jahre lange Unterstützung teilweise hochgradig rechtsextremer Gruppierungen einfach vom Tisch“, sagt die Netz-Expertin Katharina Nocun im Interview mit dem ZDF. Dass Xavier Naidoo nach all den Jahren also plötzlicher wieder ein Comeback in Deutschland feiert, ist wohl eher unwahrscheinlich. (dh)

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