Manipulation der Abstimmung

Xavier Naidoo: „Rapbellion“ der Impfgegner – Fans kapern MANNHEIM24-Umfrage

Xavier Naidoo und andere Rapper haben als „Rapbellions“ einen Song herausgebracht. Dieser wird aber auf vielen Plattformen gesperrt – eine Telegramgruppe ruft nun zur Manipulation einer MANNHEIM24-Umfrage auf.

Update vom 26. Mai, 20:10 Uhr: MANNHEIM24 wird vorgeworfen, im Beitrag über die „Rapbellions“ die Unwahrheit zu verbreiten. „Sie hetzen wieder und feiern die Zensur unseres Meisterwerks“, heißt es in der Telegramgruppe „Fakten Frieden Freiheit“. Inhaltlich belegt, werden die Vorwürfe nicht. Stattdessen wird dazu aufgerufen, an der MANNHEIM24-Abstimmung teilzunehmen – augenscheinlich mit Erfolg. Auf die Frage „Sollte der Song ‚Ich mach da nicht mit‘ überall gelöscht werden, haben bis um 16:58 Uhr 273 Personen abgestimmt. Ein große Mehrheit, genau 76,56 Prozent, befürwortet zu diesem Zeitpunkt die Löschung des umstrittenen Songs.

Xavier Naidoo: Verschwörungsfans manipulieren Abstimmung. Zwischen 17 und 19 Uhr kippt das Ergebnis.

Nach dem Abstimmungsaufruf von „Fakten Frieden Freiheit“ wendet sich das Blatt jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Um 19:02 Uhr haben bereits 5.110 User abgestimmt: 70,32 Prozent positionieren sich im Sinne der Verschwörungsanhänger und lehnen ein Verbot ab.

Xavier Naidoo: Plattformen löschen Song – Fans wittern Zensur

Erstmeldung vom 26. Mai, 11:35 Uhr: Mit „Ich mach da nicht mit“ veröffentlicht Xavier Naidoo einen weiteren Song, in dem es um den Widerstand gegen die vermeintliche „Corona-Diktatur“ in Deutschland geht. Das Lied der Gruppe „Rapbellions“ schießt kurz darauf in mehreren Charts ganz nach oben – was von zahlreichen Verschwörungsideologen und Rechtsextremen gefeiert wird. Doch die Freude währt nicht lange. Denn die meisten Anbieter nehmen den Skandal-Song schnell wieder aus ihrem Sortiment. Die Fans der „Rapbellions“ wittern nun „Zensur“ aus der Politik.

NameXavier Kurt Naidoo
Geboren2. Oktober 1971 in Mannheim
AlbenNicht von dieser Welt, Hin und Weg
ElternEugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Xavier Naidoo: Song der „Rapbellions“ auf YouTube, Spotify und Co. gelöscht

Euer Gift kommt nicht in unsere Körper rein“, „Mach Alarm, bewaffne dich, vernichte den Tiefen Staat“, „Verpasse der Wache jetzt einen Tritt“. Dabei handelt es sich nur um ein paar der problematischen Aussagen aus dem Lied „Ich mach da nicht mit“. Neben der Verbreitung von Verschwörungsmythen wie, dass es sich bei dem Corona-Impfstoff um tödliches Gift handele, wird auch an mehreren Stellen zu Gewalt aufgerufen. In einem Teil des Videos wird sogar ein Impfzentrum gesprengt. Über die Gefahren dieser Aussagen berichtet Ruhr24.de.

Nach kurzem Erfolg werden das Video und der Song aber auf immer mehr Plattformen gesperrt. So ist der Original-Upload auf YouTube nach kurzer Zeit gelöscht worden. Zwar gibt es zahlreiche ReUploads auf anderen Kanälen, doch auch diese werden wieder gelöscht. Das Unternehmen aus den USA begründet die Löschung mit dem Verstoß gegen die Community-Richtlinien. Darin heißt es, dass keine Fehlinformationen über Covid-19 oder die Impfungen verbreitet werden dürfen. Mit dieser Erweiterung der Richtlinie will YouTube verhindern, dass die Plattform für Fake-News über das Coronavirus genutzt wird. Wenn Xavier Naidoo den Impfstoff also als „Gift“ bezeichnet, reicht das schon für eine Löschung des Videos.

Xavier Naidoo: „Ich mach da nicht mit“ belegt Platz 1 auf Amazon

Doch auch andere Unternehmen ziehen nach. Während „Ich mach da nicht mit“ in den iTunes-Charts kurzzeitig auf Platz 2 landet, wird der Song kurz darauf von der Seite genommen. Auch Spotify, Apple Music und Bandcamp ziehen nach. Ein paar Seiten verkaufen das Lied noch – unklar ist allerdings, wie lange. Auf TikTok werden Ausschnitte des Songs mittlerweile nachvertont, um die eigene Haltung gegen die vermeintliche „Corona-Diktatur“ zu zeigen. Und natürlich gibt es mehrere andere Seiten, auf denen das Lied weiterhin angehört werden kann.

„Ich mach da nicht mit“ schafft es für kurze Zeit auf Platz 2 der iTunes-Charts.

So kann der Song der „Rapbellions“ weiterhin auf Amazon gekauft werden und belegt da sogar Platz 1 der Hip-Hop und Rap-Alben. In den Kommentaren feiern hunderte Personen die Künstler und sich selbst für ihren „Widerstand“ und verteilen fleißig fünf Sterne. Dass Amazon manchmal etwas länger braucht, um gegen Verschwörungsideologen vorzugehen, hat sich schon im Umgang mit den Produkten von Attila Hildmann gezeigt. Erst nach Monaten, in denen der mittlerweile in die Türkei geflohene Koch Antisemitismus und Hetze auf Telegram verbreitet hat, sind seine Produkte auf der Plattform aus dem Verkehr gezogen worden.

Xavier Naidoo: Fans sprechen von Zensur

Die Fans der „Rapbellions“ und Xavier Naidoo sprechen bei den Löschungen natürlich sofort von Zensur. „Warum hat die Partei und Staatsführung unter Leitung von unserer Generalsekretärin, Angst vor einem Sänger aus Mannheim“, schreibt zum Beispiel ein User auf Twitter. Doch ob wirklich Angela Merkel oder andere Politiker den Song und das Video löschen lassen, ist eher unwahrscheinlich.

Viel eher greifen die meist US-amerikanischen Unternehmen mittlerweile hart gegen Fake-News durch – was auch die „Rapbellions“ zu spüren bekommen. Mit Zensur, die laut Definition von staatlicher Stelle kommt, hat das aber nichts zu tun. Schließlich bräuchte es in einer richtigen Diktatur mit echter Zensur mehr als nur ein paar Klicks, um das „verbotene“ Lied im Internet zu finden. (dh) MANNHEIM24.de und Ruhr24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Franz-Peter Tschauner/dpa/Screenshot/Youtube/Beatus TV

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