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Xavier Naidoo: Corona, Mythen und Flucht – die Chronologie seines Absturzes

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Von: Daniel Hagen

Xavier Naidoo verbreitet schon seit Jahren Verschwörungsmythen. Doch mit Beginn der Corona-Pandemie schlittert der Sänger von Skandal zu Skandal. Die Chronologie seines Abstiegs:

Das Jahr 2020 lief komplett anders als erwartet. Die Corona-Pandemie hält nach dem ersten Ausbruch im chinesischen Wuhan plötzlich die ganze Welt in Atem. Ab März ist auch Deutschland von ersten Fällen und neuen Maßnahmen – wie einem Lockdown – betroffen. Doch auch etwas anderes breitet sich unaufhaltbar aus. Es handelt sich um Verschwörungsmythen über die Ursache und den Ursprung des Coronavirus. Xavier Naidoo gehört zu den Promis, die mit ihren Erzählungen und Fake-News besonders aufgefallen sind. Das Ergebnis: seine jahrzehntelang aufgebaute Karriere geht steil bergab. Doch wie genau hat der Abstieg des Xavier Naidoo begonnen? Die Chronologie seines tiefen Falls.

NameXavier Kurt Naidoo
Geboren2. Oktober 1971 in Mannheim
AlbenNicht von dieser Welt, Live, Hin Und Weg, Telegramm für X
ElternEugene Naidoo, Rausammy Naidoo

Xavier Naidoo: Abstieg beginnt mit Aus bei DSDS

10. März 2020: „Ich hab fast alle Menschen lieb. Aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt? Da muss ich harte Worte wählen, denn keiner darf meine Leute quälen.“ Diese Zeilen stammen aus einem kurzen Lied, das Xavier Naidoo in einem Video singt und auf der Plattform Telegram hochlädt. Der Clip wird gefunden und verbreitet. Sofort entbrennt ein Shitstorm, weil sich der Mannheimer in dem Lied rassistisch gegen Flüchtlinge äußert.

11. März 2020: Auch RTL sieht den kurzen Clip und trifft eine schnelle Entscheidung. Xavier Naidoo wird als Juror bei Deutschland sucht den Superstar rausgeworfen und ersetzt. Über Twitter distanziert sich das Medienunternehmen von rassistischen Aussagen und fordert eine Stellungnahme des Sängers. Noch am selben Tag postet Naidoo eine Antwort. Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm fremd und der Song sei falsch interpretiert worden – so wie schon „Marionetten“.

Xavier Naidoo: RTL ausgenutzt für neues Album

16. März 2020: Nachdem Xavier Naidoo eine große Diskussion mit seinem Song ausgelöst hat und sich mehrere Weggefährten – wie die Söhne Mannheims – öffentlich von ihm distanziert haben, sorgt der Sänger für den nächsten Skandal. In einem weiteren Video redet Naidoo über „Fridays for future“ und verkündet, dass der Teufel hinter der Protestbewegung stecke. Der Grund dafür: FFF stehe für die Teufelszahl 666.

27. März 2020: „Ich habe mir die Reichweite von RTL zunutze gemacht“, sagt Xavier Naidoo in einem Interview. Weiter erklärt der Sänger, dass er ein „patriotisches Album“ herausbringen wolle, durch das er wohl nicht mehr an so einer Show wie DSDS teilnehmen können werde. Damit wird klar: Naidoo hat den Skandal selbst ausgelöst, um für sich Werbung zu machen.

Xavier Naidoo weint vor der Kamera – wegen Verschwörungsmythos

2. April 2020: Ein neues Video taucht auf und lässt Zweifel an Naidoo psychischer Gesundheit aufkommen. Weinend berichtet der 49-Jährige über einen widerlichen Verschwörungsmythos. Demnach sollen Kinder auf der ganzen Welt in Bunkern eingeschlossen sein, um sie zu quälen. Die dadurch freigesetzten „Adrenochrome“ sollen im Anschluss Mitglieder der Eliten, zu denen auch Politiker und Promis gehören, trinken, um dadurch ewig jung zu bleiben. Der Grund für seine Tränen sei aber ein andere: „In verschiedenen Länder auf der Erde sind viele Kinder aus Pädophilen-Netzwerken befreit – aber nicht so wie ihr denkt.

Xavier Naidoo bricht in einem Video in Tränen aus und spricht über eine krude Verschwörungstheorie.
Xavier Naidoo bricht in einem Video in Tränen aus und spricht über eine krude Verschwörungstheorie. © Screenshot Youtube

10. April 2020: Das rechte Magazin „Compact“ will ein Buch über Xavier Naidoo veröffentlichen und bezeichnet den Sänger als „modernen Helden des Landes“. Der Verlag hat auch die Bücher andere Personen herausgebracht – wie zum Beispiel vom Faschisten Björn Höcke. Das Werk  „Naidoo: Sein Leben, seine Lieder, seine Wut“ kostet für Vorbesteller 8.80 Euro.

Xavier Naidoo: Klage und Rache-Album gegen Regierung

13. April 2020: „Sie bringen unsere Alten um. Wenn ich Ihnen Böse wollte, dann könnte ich sagen, wir wissen, dass Sie die Rentenkassen geplündert haben und wollen jetzt, dass so viel wie möglich Rentner – ich will es gar nicht aussprechen.“ Mit diesen Vorwürfen wendet sich Xavier Naidoo an Angela Merkel, Jens Spahn und Christian Drosten. Der Mannheimer wolle sogar noch einen Schritt weitergehen und gegen die Corona-Verordnung klagen.

2. November 2020: In einem Interview mit einem anderen Verschwörungsideologen aus Mannheim erzählt Xavier Naidoo, dass er ein Rache-Album gegen Politiker und Promis plane. „Da geht es manchen Politikern direkt an den Kragen in den Texten, auch manchen Musikkollegen. Einfach ein Rundumschlag mit allen Themen, mit denen man sich unbeliebt machen kann in Deutschland“, erklärt der Sänger. Kurz zuvor hat er bereits den Song „WohnHAFT in Deutschland“ auf Telegram veröffentlicht.

Xavier Naidoo: Nach Spanien geflohen

In den letzten Monaten ist es eher ruhig um Xavier Naidoo geworden. Der Mannheimer ist wohl ins spanische Andalusien geflohen und verbreitet von dort weiter seine Verschwörungsmythen. Auch andere Ideologen, wie Attila Hildmann, Michael Wendler und Bodo Schiffmann, haben sich ins Ausland abgesetzt. Hildmann in die Türkei, wo er in einer Luxusvilla lebt, Wendler in die USA und Schiffmann nach Afrika – wohl nach Tansania.

Xavier Naidoo mit einem Mikrofon in der Hand.
Xavier Naidoo ist bereits 2014 vor Reichsbürgern in Berlin aufgetreten. © Michaela Ellguth/Geisler-Foto/dpa

Neben den großen Skandalen hat Xavier Naidoo seine Fans auch immer wieder mit seiner kruden Weltanschauung geschockt. So glaubt der Mannheimer daran, dass die Erde flach sei und es kein Weltall gebe. Zudem ist der 49-Jährige seit vielen Jahren Anhänger der Reichsbürger. Diese Gruppe glaubt, dass Deutschland weiterhin besetzt und kein richtiger Staat sei. (dh)

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