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Aktenzeichen XY: „Wie James Bond-Geschichte“ – bleibt Mannheimer Fall von 1965 ungeklärt?

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Von: Daniel Hagen

Aktenzeichen XY - Ein mysteriöser Fall hält die Mannheimer Kriminalpolizei im Jahr 1965 in Atem. Bis heute ist nicht geklärt, was genau mit dem Ehepaar Gaum passiert ist.

Das Ehepaar Inger und Josef Gaum aus Mannheim führt ein ganz normales Leben – bis zum 3. Mai 1965. Obwohl der Kriminalfall sogar bei Aktenzeichen XY im ZDF gezeigt wird, bleibt er bis heute ungelöst: Der Fall mutet an wie eine erfundene James Bond-Geschichte. Aber es ist kein Fall für James Bond. Es ist ein Fall aus der Wirklichkeit unserer Tage“, erklärt der Moderator Eduard Zimmermann in der Folge vom 24. Januar 1969. Während bei einer Person zumindest klar ist, was mit ihr passierte, fehlt von der anderen seit damals jede Spur.

SendungAktenzeichen XY... ungelöst
SenderZDF
Erstausstrahlung20. Oktober 1967
ModeratorRudi Cerne

Aktenzeichen XY: Mysteriöser Kriminallfall aus Mannheim

Das Ehepaar Gaum lebt im Jahr 1965 in Mannheim. Inger ist Hausfrau, Josef leitender Angestellter und Wertpapierspezialist der Rheinischen Hypothekenbank. Kinder haben sie keine. Die gebürtige Dänin Inger bringt am 3. Mai Konserven in den Keller und trifft dabei eine Nachbarin. Danach wird die damals 39-Jährige nie wieder gesehen. Am selben Tag verlässt ihr Ehemann Josef früher als sonst seine Arbeitsstelle und fährt zu seiner Bank. Dort hebt der Wertpapierspezialist insgesamt 20.000 Mark ab. Am nächsten Morgen erscheint Gaum nicht mehr bei der Arbeit und meldet seiner Sekretärin telefonisch, dass er eine Reifenpanne habe. Danach herrscht Funkstille.

Der Tod von Josef Gaum und seine letzten Jahre stellen die Polizei vor ein Rätsel. © Screenshot/ Dailymotion

Weil sich sein Vater und seine Schwester Sorgen machen, betreten sie – zusammen mit der Polizei Mannheim und dem Hausmeister – vier Tage später die Wohnung des Ehepaars. Dort wirkt alles wie immer. Nichts weist auf eine Flucht oder eine längere Reise hin. Josefs Vater findet in einem Schrank zudem 15.000 Mark. Als Vater und Schwester drei Tage später mit Beamten der Kriminalpolizei wieder kommen, ist das Geld plötzlich weg. Der Hausmeister erinnert sich an nächtliche Geräusche im Treppenhaus.

Aktenzeichen XY: Ermittler finden durch Zufall neue Spur

Erst Monate später gibt es eine neue heiße Spur – und zwar durch einen Zufall. Die Kriminalpolizei erfährt durch eine Rechnung von einem Autounfall des Paares am 10. Mai – also eine Woche nach ihrem Verschwinden. Eine Streife der Polizei wird Zeuge des Unfalls auf der Strecke zwischen Mannheim und Heidelberg. Bei dem Fahrer handelt es sich um Josef Gaum. Dieser wird kurz darauf von den Beamten etwa drei Kilometer von seiner Wohnung entfernt abgesetzt. In dieser Nacht hat auch der Hausmeister die Geräusche im Treppenhaus gehört. Der Bankangestellte könnte also damals sein Geld geholt haben. Warum die Beamten nichts von der Abgängigkeit des Ehepaares wissen, obwohl ihr Revier nur einige Kilometer von Mannheim entfernt ist, ist nicht bekannt.

Wieder vergehen mehrere Monate, bis es ein Lebenszeichen von Josef Gaum gibt. In der Schweiz will der Wertpapierspezialist am 23. Dezember 1965 eine Summe von 15.000 Mark abheben, um sich ein Grundstück zu kaufen. Da sein Konto zu diesem Zeitpunkt aber schon gesperrt ist, geht das nicht. Die Kriminalpolizei erfährt aber davon und weitet die Ermittlungen auf die Schweiz aus – jedoch ohne Erfolg.

Aktenzeichen XY: Spur führt nach Schweiz, Österreich und Liechtenstein

Der weitere Verlauf dieses mysteriösen Falls führt nach Österreich. Kurz nach der Ausstrahlung der Folge von Aktenzeichen XY wird bekannt, dass Josef Gaum einen Tag nach seinem Unfall bei Heidelberg in Stuttgart ein neues Auto gekauft hat. Dafür hat er einen falschen Namen angeben – und zwar Baum. Mit dem Wagen fährt der Bankangestellte anschließend nach Tirol. Mehrere Personen erkennen den Vermissten während der ZDF-Sendung, der sich in Imst in Tirol wohl als Dr. Josef Braune aus Frankfurt-Rödelheim ausgibt.

Dort soll sich Gaum sogar mit einer Kellnerin verlobt und teure Reisen nach Italien und Liechtenstein unternommen haben – weshalb ihm im Dezember 1965 wohl das Geld ausgeht. Unter dem Vorwand, sich einer Operation in der Schweiz zu unterziehen, reist der Wertpapierspezialist auch dorthin und besucht eine Bank. Noch am selben Tag, dem 23. Dezember, wird ein brennendes Auto im Bregenzer Wald gefunden. Obwohl die Nummernschilder entfernt und das Nationalitätenkennzeichen abgekratzt ist, können die Ermittler den Halter des Wagens bestimmen. Es handelt sich um das Auto, das sich Josef Gaum unter falschem Namen in Stuttgart gekauft hat.

Aktenzeichen XY: Josef Gaum wird tot aufgefunden

Drei Monate später nimmt der Fall ein tragisches Ende: Am 28. Dezember 1966 wird eine Leiche aus dem Bodensee gezogen. Der Tote ist gut gekleidet und hat nichts in den Taschen, außer einer Box spezieller Streichhölzer und zwei Zementblöcke. Es handelt sich hierbei um Josef Gaum. Obwohl er eine Schusswunde im Kopf hat, ergibt die Obduktion, dass er ertrunken ist. Außerdem hat der Bankangestellte zum Zeitpunkt seiner Todes Alkohol im Blut. Man vermutet, dass seine Leiche bereits seit 12 Wochen im Wasser getrieben ist.

Seit 1965 wird Inger Gaum vermisst. © Screenshot/ Dailymotion

Dieses plötzliche Ende stellt die Ermittler der Kriminalpolizei Mannheim vor ein Rätsel. Laut Hauptkommissar Reinhard Weißmann, der in der Sendung von Aktenzeichen XY zu Gast gewesen ist, habe es keinen „plausiblen Grund“ für einen Suizid von Josef Gaum gegeben. Zudem könne nicht zu 100 Prozent geklärt werden, wie der Mannheimer gestorben ist. Von seiner Frau Inger Gaum fehlt auch weiterhin jede Spur. Trotz einer Belohnung von 3.000 Mark kann der Fall niemals wirklich aufgeklärt werden.

Bis heute wird bei Aktenzeichen XY nach vermissten Menschen oder deren Mördern gesucht. So wie im Fall von Baris Karabulut der seit 18. März 2019 vermisst wird. Die Ermittler gehen von dem schlimmsten aus. Ebenfalls wird nach Petra Schetters gesucht, die vor zwei Jahren zu einem Friedhof gegangen und danach nie wieder gesehen worden ist. (dh)

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