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Aktenzeichen XY: „Wer hat mich ermordet?“ – Ungewöhnliches Plakat soll Mörder überführen

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Von: Katja Becher

Millionen Zuschauer verfolgten diesen rätselhaften Mordfall aus Bayreuth schon bei „Aktenzeichen XY“. Jetzt greifen die Ermittler bei der Suche nach dem Täter zu einem ungewöhnlichen Mittel:

Ein 24-Jähriger will nachts mit seinem Rad auf einem unbeleuchteten Weg nach Hause fahren, als er im Dunkeln angegriffen wird. Der mit einem Messer bewaffnete Täter bringt den jungen Mann brutal um – „mit absolutem Tötungswillen“, wie es von der „Soko Radweg“ später heißen wird. Auch mehr als zehn Monate nach der schrecklichen Tat am 19. August 2020 in Bayreuth tappen die Ermittler im Dunkeln. Nach der Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY“ greifen sie zu einer außergewöhnlichen Methode, um den Mörder des jungen Mannes doch noch zu schnappen.

Aktenzeichen XY (ZDF): Etliche Hinweise zu rätselhaftem Mordfall in Bayreuth

Wenn die Ermittlungen ins Stocken geraten, wenden sich die Behörden oft an die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ – wie zum Beispiel im rätselhaften Vermissten-Fall von Baris Karabulut. Im April 2021 verfolgten Millionen ZDF-Zuschauer den Fall des getöteten Daniel W. im Fernsehen. Die Leiche des 24-Jährigen wurde am 19. August 2020, gegen 0:45 Uhr auf einem Radweg in Bayreuth von Passanten gefunden. Fest steht, dass es in dieser Nacht keinen Kampf gab und dem Opfer nichts gestohlen wurde. Der grausame Verdacht: Den 24-Jährigen traf es vermutlich völlig zufällig. Der wohl männliche und ortskundige Täter habe sich anscheinend „ein für ihn austauschbares Opfer“ ausgesucht, heißt es von der Polizei.

Ein Holzkreuz erinnert in Bayreuth an den 24-Jährigen, der im Sommer 2020 mit einem Messer getötet wurde.
Ein Holzkreuz erinnert in Bayreuth an den 24-Jährigen Radfahrer, der im Sommer 2020 getötet wurde. © Gregor Bauernfeind/dpa

Obwohl die 30-köpfige Soko „Radweg“ bei ihrem Ermittlungen Hilfe von den Profilern der Operativen Fallanalyse in Bayern erhielt, stellt der Fall des getöteten Radfahrers die Ermittler noch heute vor ein Rätsel. Nach Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY“ gingen zwar etliche Hinweise bei der Polizei ein – doch auch diese brachten die Ermittler nicht auf eine heiße Spur.

Was nach dem Mord in Bayreuth nach fast einem Jahr bleibt, ist auch die Frage nach dem „Warum?“. Musste Daniel W. sterben, weil jemand seine Tötungsphantasie ausleben wollte? Ein Tatmotiv, dass sich die Profiler durchaus vorstellen können. Das Bedürfnis zu töten sei eventuell durch Gewaltdarstellungen forciert worden. Häufig zeigten solche Täter eine hohe Affinität zu Waffen.

Rätsel um Mord an Radfahrer (24): Ermittler starten ungewöhnliche Plakat-Aktion

„Nichts bringt uns unseren Sohn zurück. Aber es wäre natürlich leichter, wenn man wüsste, warum das Ganze geschehen ist“, sagt der Vater des Opfers. Die Familie versuche, in den Alltag zurückzufinden. „Das gelingt stückweise. Aber es holt uns immer wieder ein“, sagt er. Mit der Hoffnung, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, haben die Angehörigen nun einer ungewöhnlichen Ermittlungsmethode der Polizei zugestimmt.

«Wer hat mich hier ermordet?» steht auf einem großen Plakat mit Foto des Opfers neben dem Tatort.
„Wer hat mich hier ermordet?“ steht auf einem großen Plakat mit Foto des Opfers neben dem Tatort. © Daniel Karmann/dpa

Seit dem 11. Juni steht, etwas mehr als hundert Meter von dem Tatort in Bayreuth entfernt, ein Plakat mit einem Foto des 24-Jährigen. Daneben steht der Satz: „Wer hat mich hier ermordet?“ Im Kreis der Ermittler sei diese ungewöhnliche Aktion kontrovers diskutiert worden, sagt Alexander Czech, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Manche seien skeptisch angesichts der ungewohnten Methode gewesen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir sowas in ähnlicher Weise schon mal in Oberfranken hatten“, sagt er. Mit den klassischen Ermittlungsmethoden war man zuvor nicht zum Erfolg gekommen – auch nicht mit der Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY“.

Plakat-Aktion in Bayreuth: „Wer hat mich ermordet?“ Ermittler und Familie hoffen auf Antworten

Das Plakat mit dem Foto von Tobias W. soll den Mordfall in Bayreuth nochmal in Erinnerung rufen. „Es kann immer mal jemand dabei sein, der keine Zeitung liest“, sagt Polizeisprecher Czech. „Jeder noch so kleine Hinweis kann entscheidend sein.“ Neben der Zeugensuche kann der Satz aber noch anders interpretiert werden: Als klagende Anrede in Richtung Täter. Das Anliegen der Familie sei, dass der Fall für die Menschen in den Fokus rücke, die an der Stelle vorbeikämen, sagt der Vater. Zudem hoffe er - „auch wenn ich die Wahrscheinlichkeit für sehr gering halte“ - dass der Täter eventuell einen Anstoß bekomme, sich zu stellen. (kab mit dpa)

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