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Ukraine-Krieg: „Diktator Putin“ entsetzt internationale Presse - nur Russland sieht es ganz anders

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Ein Mann fotografiert ein zerstörtes Wohnhaus in einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
In Europa herrscht wieder Krieg. Ein Mann fotografiert ein zerstörtes Wohnhaus in einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew. ©  Daniel Leal/AFP

Russland hat einen Militärschlag auf die Ukraine gestartet. Die internationale Presse ist erschüttert. Putin habe sich zum Diktator gewandelt, Europa könne in Not geraten.

Moskau/München - Dramatische Entwicklungen im Ukraine-Konflikt* halten die Welt in Atem: Russlands Präsident Wladimir Putin* geht unerbittlich vor. Russland hat sein Nachbarland Ukraine angegriffen, attackierte Flughäfen und militärische Stützpunkte. Das russische Militär ist bereits bis zur Hauptstadt Kiew vorgerückt, es gibt Raketenangriffe und heftige Gefechte.

Der Ukraine-Konflikt und der jetzt daraus resultierende Krieg dominiert die Berichterstattung von Zeitungen weltweit. Die Presse verfolgt das Handeln des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Unverständnis und Entsetzen. Die russische Regierungszeitung Rossijskaja verbreitet dagegen eine komplett andere Sichtweise - die naturgemäß dem Weltbild und der Propaganda von Wladimir Putin entspricht. Wichtige Pressestimmen von Freitag, 25. Februar, sind hier zusammengefasst.

Ukraine-Konflikt in den internationalen Presse: „New York Times“ befürchtet neuen Kalten Krieg

„New York Times“ (USA): „Was jetzt klar ist, ist, dass Putin Europa in den gefährlichsten Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg gestoßen hat (...). Er hat eine Fortsetzung des Kalten Krieges begonnen, eine möglicherweise gefährlichere, weil seine Behauptungen und Forderungen keinen Boden für Verhandlungen bieten und weil Russland mit seinem nuklearen Arsenal in der Lage ist, einen massiv zerstörerischen Cyberkrieg zu beginnen. (...) In seinen beiden Fernsehansprachen in dieser Woche zeigte (US-Präsident) Joe Biden die Entschlossenheit und Ruhe eines erprobten Anführers und das westliche Bündnis demonstrierte angesichts des russischen Angriffs eine seltene Einigkeit. Der Westen ist am stärksten, wenn er für seine gemeinsamen Werte und gegen einen gemeinsamen Feind zusammensteht. Wie schwierig es auch sein mag, unser Schmerz wird nichts im Vergleich zu den Qualen des ukrainischen Volkes durch eine einmarschierende Armee sein.“

Ukraine-Krieg: „Putin ist nun auf Peking angewiesen“

„Die Presse“ (Österreich): „Putin hat freie Bahn. Die westliche Welt hat außer Worten und Sanktionen nichts dagegenzuhalten. Die Abschreckung des Westens hat nicht funktioniert. (...) Psychologisierungen sind meistens ein wenig hilfreiches politisches Analysemittel. Doch in diesem Fall drängt sich die Frage geradezu auf, ob Putin unter verzerrter Wahrnehmung und an einem Cäsarenwahn in fortgeschrittenem Stadium leidet. Lüge, Krieg und Einschüchterung - das sind seine Methoden.

Die internationale Gemeinschaft darf ihn damit nicht durchkommen lassen. Doch sie wird es tun, denn es gibt keine internationale Gemeinschaft. Die Welt ist tief gespalten. China wird dem Verbündeten in Moskau nicht in den Rücken fallen - und ihn danach als Juniorpartner an sich ketten. Den Weg in den Westen hat sich Putin verbaut. Er ist nun ganz auf Peking angewiesen.“

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: Westen „lacht“ über Völkermord an Russen

„Rossijskaja“ (Regierungszeitung Russlands): „Der kollektive Westen ist weder bereit, die achtjährige Tötung von Zivilisten im Donbass* durch ukrainische Nationalisten als Kriegsverbrechen anzuerkennen noch als Genozid. Darüber hinaus lachen Vertreter der euro-atlantischen Welt - die im Laufe der Jahrhunderte viel Erfahrung gesammelt haben mit der Massenvernichtung von Menschen aus ethnischen oder anderen Gründen (...) - immer noch über die bloße Vorstellung, dass die Ermordung von Russen oder Russisch sprechenden Menschen als Völkermord bezeichnet werden kann.“

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: „Hoffnung, dass Putins Plan nicht aufgeht“

„Neue Züricher Zeitung“ (Schweiz): „Russland muss geschwächt und international so weitgehend wie möglich isoliert werden - politisch und wirtschaftlich. Es gilt, der russischen Bevölkerung und erst recht den Wirtschaftsmagnaten und der übrigen Moskauer Elite die verheerenden Folgen von Putins inakzeptablem Tun deutlich zu machen. Dazu gehört eine langfristig angelegte Politik des Westens, die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen* zu verringern. Denn die Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas haben es dem Kreml maßgeblich ermöglicht, seine Streitkräfte auszubauen und zu einer Gefahr für ganz Europa zu machen.

Russland hängt wirtschaftlich stärker vom Westen ab als umgekehrt - und diese Abhängigkeit macht den Kreml verletzlich. Isoliert von der Welt und um Teile seiner Einnahmen gebracht, kann dieses Regime nicht überleben. So düster die Lage derzeit in der Ukraine ist, besteht dennoch die Hoffnung, dass Putins Plan nicht aufgeht. Sein skrupelloser Angriff wäre dann nicht der Vorbote eines Triumphs, sondern der Anfang vom Ende seiner Herrschaft.“

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: „Seit 1939 nicht mehr eine solche Bedrohung“

„La Stampa“ (Italien): „Wladimir Putin hat sich von einem zynischen Autokraten zu einem Militärdiktator entwickelt, der nicht nur die Ukraine, sondern ganz Europa angreift. Seit 1939 standen wir nicht mehr vor einer solchen Bedrohung. Die Invasion, die sich in wenigen Stunden von den Provinzen Donezk und Luhansk über das ganze Land ausbreitete, zeigt deutlich - für diejenigen, die noch Zweifel haben - Putins Absichten. Der russische Präsident schert sich wenig um europäische Sicherheitsarchitektur, Rüstungskontrolle oder Risikominderung. Wenig interessieren ihn die Zusicherungen, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten wird, für Jahrzehnte.“

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: „Krieg könnte sich allzu leicht ausbreiten“

„Washington Post“ (USA): „Der Konflikt mag - für den Moment - auf die östlichen Gebiete Europas begrenzt sein. Aber Russlands Krieg könnte sich allzu leicht ausbreiten und weltweit destabilisierende Auswirkungen haben. Und wieder einmal werden die Vereinigten Staaten aufgefordert, zu reagieren. (US-Präsident Joe) Biden kann und muss (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin entschieden entgegentreten.

Dieses Land hat ein Interesse am Frieden und an der Stabilität Europas, einem Kontinent mit fast 750 Millionen Einwohnern, der alles andere als unbedeutend ist: Die Amerikaner teilen mit ihm ein langjähriges Bekenntnis zur Demokratie, unzählige Familienbande und mehr als eine Billion US-Dollar an jährlichem Handel, von dem Millionen Arbeitsplätze abhängen.

Zu verhindern, dass dieser Kontinent unter die Herrschaft eines feindlichen Hegemonen gerät - wie es 1914, 1939 und während des Kalten Kriegs fast der Fall war - ist seit Jahrzehnten ein essenzielles Interesse der USA. (...) Tatsächlich könnten die Folgen schädlicher und dauerhafter sein als jeglicher Aufruhr, der sich aus den wirtschaftlichen Sanktionen, begrenzten Truppeneinsätzen und anderen Maßnahmen ergibt, die Biden angekündigt hat.“

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: Putins Täuschungen erfordern Stärkung der Nato

„The Times“ (Großbritannien): : „Die Ukraine ist kein Mitglied der Nato und kann sich nicht auf Artikel 5 berufen, der alle Mitglieder dazu verpflichtet, einem angegriffenen Nato-Land zur Hilfe zu eilen. Das hindert die Nachbarländer der Ukraine jedoch nicht daran, jede erdenkliche Unterstützung zu leisten. Sogar Deutschland, das bisher zögerte, Waffen zu schicken, hat zugegeben, dass es das Ausmaß von Putins Doppelzüngigkeit und seines Strebens unterschätzt hat. Berlin gehört nun zu denjenigen, die auf die härtesten Maßnahmen dringen, um dem russischen Staat politischen und wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. (...)

Wenn Putin glaubt, dass die Ukraine nur der erste Schritt zur Ausdehnung Russlands auf seine zaristischen Grenzen einschließlich Finnlands ist, muss ihm jetzt gezeigt werden, dass die Nato genauso bereit ist, ihn zurückzuweisen, wie sie es bei Stalin und seinen Nachfolgern war. Die wichtigste Konsequenz aus Putins zynischen Täuschungen kann nur die sofortige Stärkung der Nato sein.“ 

Pressestimmen zum Ukraine-Konflikt: „Putin hat Westen zum Narren gehalten“

„De Standaard“ (Belgien): „Der russische Präsident hat zahllose europäische Spitzenpolitiker zum Narren gehalten, eine List nach der anderen ersonnen und seinen Krieg genau zu dem Zeitpunkt begonnen, als der UN-Sicherheitsrat eine Krisensitzung abhielt. Ein zynischerer Umgang mit der internationalen Rechtsordnung ist kaum denkbar. Und doch ist es nur allzu leicht, führende Politiker wie Emmanuel Macron* und Olaf Scholz* als leichtgläubige Narren abzutun. Als die Chamberlains des 21. Jahrhunderts. Die harte Realität ist, dass Putin nie nach denselben Regeln spielen musste wie seine westlichen Gegner. Ein Staatschef, der sich nicht vor seinem Volk verantworten muss, der seine Kritiker in den Kerker wirft und über eine schlagkräftige Armee verfügt, kann es sich leisten, zu lügen, Friedensvereinbarungen zu verletzen und 200.000 Soldaten gegen ein Nachbarland einzusetzen.“

Ukraine-Mahnung des „Guardian“: Sanktionen könnten Westen in Rezession stürzen

„Guardian“ (Großbritannien): „Großbritannien und die EU haben ‚massive‘ Sanktionen versprochen, aber noch Stunden nach dem Einmarsch stritten sich die Staaten darüber, wie weit sie gehen sollten. Ein weiterer Anstieg der Energiepreise könnte die Länder in eine galoppierende Inflation und möglicherweise in eine Rezession stürzen, mit der Gefahr einer politischen Destabilisierung und einer weiteren Spaltung, wenn die Bürger darum kämpfen müssen, über die Runden zu kommen.

Putin hat Grund zu der Annahme, dass er die Reaktion überstehen kann. Nord Stream 2 liegt nun zwar auf Eis, doch der Bau war nur ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland begonnen worden. Die Freunde der Ukraine müssen deutlich machen, dass es dieses Mal anders ist, mit einer nachhaltigen und groß angelegten Reaktion.“

Ukraine-Krieg: „Irish Times“ warnt - „Europa tritt in eine neue dunkle Ära“

„The Irish Times“ (Irland): „Durch Wladimir Putins Entscheidung, in die Ukraine einzumarschieren, die mitten in der Nacht verkündet wurde, als russische Panzer einrollten, tritt Europa in eine neue dunkle Ära und eine seiner schlimmsten Sicherheitskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Eine atomar bewaffnete Diktatur hat einen massiven und unprovozierten Angriff gegen einen wichtigen demokratischen Staat in Europa begonnen. (...)

Russlands Angriff auf die Ukraine sollte Europa aus seiner Selbstgefälligkeit nach dem Kalten Krieg wachrütteln. Es ging davon aus, dass die Globalisierung Kriege zwischen Staaten verhindern würde. Es dachte, Putin sei ein rationaler Akteur mit begrenztem Risikoappetit. In beiden Punkten lag es falsch. Die Geschichte - und letztlich auch das russische Volk - werden hart mit Putin ins Gericht gehen. Aber künftige Generationen werden den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht verzeihen, wenn sie sich in dieser dunklen Stunde dabei versagten, sich gegen ihn - und solidarisch an die Seite der Ukraine - zu stellen.“

Ukraine-Konflikt aus dänischer Sicht: „Putins primitive Gewaltlogik darf nicht gewinnen“

„Politiken“ (Dänemark): „Wer Macht hat, hat Recht. So vereinfacht scheint Wladimir Putin zu denken. Russlands Invasion ins Nachbarland Ukraine ist die erste größere Landoffensive in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, und mit seiner verwerflichen und rechtswidrigen Entscheidung hat Putin sowohl sein eigenes Land als auch den Rest der Welt in eine gigantische Krise gestürzt.

Auf kurze Sicht ist es unmöglich, Russlands Invasion zu stoppen. Aber umso wichtiger ist es, dass Putins primitiver Gewaltlogik auf lange Sicht nicht gestattet werden darf, zu gewinnen. Der Angriff auf die Ukraine ist nämlich nicht nur ein Angriff auf ein einzelnes Land. Es ist ein Angriff auf die gesamte regelbasierte Weltordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg mühsam aufgebaut wurde. Russland muss gezwungen werden, seine Aggression einzustellen und ukrainischen Boden zu verlassen. Wird das einfach? Nein. Wird das Zeit brauchen? Vermutlich. Es ist ein Kampf, den wir nicht verlieren dürfen. Die Alternative wäre Chaos und das Recht des Stärkeren.“

Frankreich kommentiert Ukraine-Krieg: „Sowas hat man seit 1945 nicht mehr erlebt“

„Le Parisien“ (Frankreich): „Nach dem 11. September 2001 wird der 24. Februar 2022 als das zweitwichtigste Datum in die Geschichte des 21. Jahrhunderts eingehen: als Datum der Rückkehr des Krieges in Europa. So etwas hat man seit 1945 nicht mehr erlebt. Niemand wollte glauben oder sehen, dass der russische Präsident Wladimir Putin so weit gehen würde. (...) Es wurde vergessen, wie wertvoll und zerbrechlich Frieden und Stabilität sind.“ (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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