1. Mannheim24
  2. Politik & Wirtschaft

FBI jagt „Putins Koch“: 250.000 Dollar für entscheidenden Hinweis

Erstellt:

Von: Tobias Utz

Kommentare

Jewgeni Prigoschin
Jewgeni Prigoschin im Jahr 2016 in St. Petersburg. (Archivfoto) © imago stock & people / Imago Images

Ein Vertrauter Wladimir Putins rekrutiert in russischen Gefängnissen Soldaten für den Ukraine-Krieg. Derweil sucht ihn das FBI, jedoch wegen anderer mutmaßlicher Vergehen.

+++ 17.00 Uhr: Jewgeni Prigoschin soll Berichten zufolge neue Kämpfer für die Söldner-Gruppe „Wagner“ rekrutieren (s. Erstmeldung). Dafür hat er offenbar mehrere Gefängnisse in Russland nach „Mördern und Räubern“ durchforstet. Das FBI ist bereits seit geraumer Zeit hinter „Putins Koch“, wie Unternehmer Prigoschin genannt wird, her. Allerdings wollen die US-Behörden den Vertrauten des russischen Präsidenten nicht wegen des Ukraine-Kriegs, sondern wegen möglicher Manipulation, schnappen. Ihm wird eine „mutmaßliche Beteiligung an einer Verschwörung zum Wahl-Betrug“ in den USA vom FBI vorgeworfen.

Prigoschin soll unter anderem hinter eine Troll-Farm und einer Social-Media-Kampagne im Kontext von verschiedenen US-Wahlen stecken. Als Zeitraum der Beeinflussung werden die Jahre zwischen 2014 und 2018 genannt. Elf weitere Personen sollen beteiligt gewesen sein. Für Hinweise, die zur Festnahme Prigoschins führen, hat das FBI eine Belohnung von 250.000 US-Dollar ausgesetzt.

News zum Ukraine-Krieg: Schwere Verluste – „Putins Koch“ sucht in Gefängnissen neue russische Soldaten

Erstmeldung vom Montag, 8. August, 09.00 Uhr: Moskau – Jewgeni Prigoschin, enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, wurde offenbar in mehreren Gefängnissen gesichtet. Dabei soll es sich vornehmlich um Straflager gehandelt haben. Ziel war einem Medienbericht zufolge, neue Kämpfer für die Söldner-Gruppe „Wagner“ anzuheuern. Das berichtet das unabhängige Medienprojekt Mediazona, das unter anderem von Aktivistinnen der Gruppe „Pussy Riot“ gegründet wurde.

Mehrere Gefangene aus den russischen Regionen Tula und Jaroslawl erklärten dem Medienprojekt, dass ein kleiner, glatzköpfiger Mann einen Besuch abgestattet hätte: Dabei soll es sich um Jewgeni Prigoschin handeln, auch bekannt als „Putins Koch“. In den Gefängnissen soll er den Gefangenen die Freiheit und eine Bezahlung in Gold angeboten haben, falls sie für Russland in der Ukraine kämpfen, heißt es. „Meine Leute gehen in afrikanische Länder und lassen innerhalb von zwei Tagen nichts am Leben. Und jetzt machen sie es mit ihren Feinden in der Ukraine genauso“, soll der Putin-Vertraute dabei offenbar vor den Häftlingen gesagt haben.

News zum Ukraine-Krieg: Russland sucht neue Soldaten

Denjenigen, die das Angebot annähmen, seien von Prigoschin circa 100.000 Rubel monatlich – umgerechnet rund 1620 Euro – plus eine Prämie in gleicher Höhe versprochen worden. Für den Fall eines „würdigen“ Todes erhalte die Familie des Kämpfers fünf Millionen Rubel, rund 80.000 Euro. Ähnliches hatte ein Kampfpilot aus Russlands Armee, der ebenfalls von der „Wagner“-Gruppe angeheuert wurde, berichtet. Russland schickte bereits vor geraumer Zeit Straftäter aus heimischen Gefängnissen in die Ukraine. Dem Bericht nach ist die „Wagner-Gruppe“ insbesondere an „Mördern und Räubern“ für ihre Vorhaben interessiert. Die Söldnertruppe war bereits vor dem Ukraine-Krieg in zahlreichen Ländern in Kämpfe verwickelt, unter anderem in Mali und in Syrien.

Ukraine-Krieg
Russland sucht offenbar neue Söldner für die Armee. (Archivfoto) © Alexey Maishev / Imago Images

Die angesprochenen Rekrutierungsaktionen der „Wagner“-Gruppe bestätigte zudem das britische Verteidigungsministerium, bereits vor mehreren Wochen. Dabei setze die Truppe vor allem auf zuvor abgelehnte Bewerber und verurteilte Kriminelle, hieß es im Lagebericht. Diese seien militärisch kaum beziehungsweise schlecht ausgebildet. Das Ministerium vermutete deshalb, dass die rekrutierten Soldaten vor allem schwere Verluste kompensieren und Lücken füllen sollen. Bei Kämpfen um die Städte Lyssytschansk und Popasna (beide im Oblast Luhansk) seien sie bereits zum Einsatz gekommen. Alle genannten Angaben sind nicht unabhängig prüfbar. Sie entstammen mehrheitlich Kriegsparteien im Ukraine-Konflikt.

News zum Ukraine-Krieg: Jewgeni Prigoschin als „Putins Koch“ bekannt

Bei Jewgeni Prigoschin handelt es sich allerdings um kein unbeschriebenes Blatt: Prigoschin saß in der Sowjetunion wegen Raubs, Betrugs und Prostitution Minderjähriger für mehrere Jahre im Gefängnis. Erst später wurde er Unternehmer, Chef einer berüchtigten Troll-Fabrik und Unterstützer der Söldnergruppe „Wagner“. Außerdem bewirtete er hohe Staatsgäste und den Präsidenten und wurde zu einer Art Proviantmeister von Russlands Armee. Daher stammt der eingangs erwähnte Spitzname „Putins Koch“. (tu mit dpa/AFP)

Auch interessant

Kommentare