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Bürgermeister von Mariupol: Russen haben 1300 Hochhäuser abgerissen – mit den Leichen darin

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Von: Patrick Mayer, Bettina Menzel, Christoph Gschoßmann, Franziska Schwarz

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Der Bürgermeister von Mariupol beschuldigt Russland, tausende Hochhäuser mit Leichen darin abgerissen zu haben. Der News-Ticker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg.

Update vom 11. Juni, 21.14 Uhr: Bei Mariupol soll ein russisches Fahrzeug auf eine Mine aufgefahren sein. Dabei seien drei russische Besetzer gestorben, teilte ein Mitarbeiter des Bürgermeisters von Mariupol am Samstagabend auf Telegram mit. Indes soll es ukrainischen Truppen gelungen sein, im Nordwesten von Slovjansk eine russische Offensive abzuwehren. Das berichtete der Generalstab der ukrainischen Armee am Samstag auf Facebook. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite verifiziert werden.

Ukraine-Konflikt: Kämpfe um Großstadt Sjewjerodonezk halten an

Update vom 11. Juni, 19.25 Uhr: Die Kämpfe um die Großstadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine halten nach Angaben des ukrainischen Militärs weiter an. Die russische Armee habe die zivile Infrastruktur in der Stadt sowie im benachbarten Lyssytschansk und drei weiteren Orten beschossen, teilte der Generalstab der ukrainischen Armee am Samstag per Facebook mit.

Die ukrainischen Soldaten seien dabei, sich Angriffen der Russen in Sjewjerodonezk zu widersetzen. In dem Vorort Metelkino sei ein Angriff erfolgreich abgewehrt worden, die russische Armee habe sich zurückgezogen, hieß es in dem Lagebericht. In einem weiteren Vorort hielten die Kämpfe an. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Die strategisch wichtige Industriestadt Sjewjerodonezk ist die letzte Großstadt im Gebiet Luhansk, die sich noch nicht vollständig unter russischer und prorussischer Kontrolle befindet. Gekämpft wird um sie bereits seit Wochen.

Ukraine, Sjewjerodonezk: Während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk in der Region Luhansk liegen ausgebrannte Autowracks am Rand eines Wegs
Ukraine, Sjewjerodonezk: Während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk in der Region Luhansk liegen ausgebrannte Autowracks am Rand eines Wegs (Archivbild, 9. Juni 2022). © Oleksandr Ratushniak/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Russland hat wohl 1300 Hochhäuser in Mariupol abgerissen, ohne die Leichen zu bergen

Update vom 11. Juni, 10.48 Uhr: Russische Truppen, die die zerstörte ukrainische Stadt Mariupol besetzt haben, haben wohl 1.300 Wohnhochhäuser abgerissen, ohne sorgfältig Hunderte von unter den Trümmern begrabenen Leichen zu bergen. Das sagte der ukrainische Bürgermeister von Mariupol Vadym Boychenko am Freitag. In einem CNN vorliegenden Telegramm des Stadtrats sagte Boychenko: „Fast 50 bis 100 Menschen wurden unter fast jedem zerstörten Haus getötet, und in Mariupol wurden 1.300 Hochhäuser zerstört.“

Der Bürgermeister, der aus Mariupol geflohen ist, sprach über Erzählungen seiner in der Stadt verbliebenen Bürger: „Anfangs haben die Besatzer die Bewohner von Mariupol in den sorgfältigen Abbau der Trümmer einbezogen.“ Als die Russen die tatsächliche Anzahl der unter den Trümmern gefundenen Leichen sahen, hätten sie die Anwohner sofort aus dem Gebiet vertrieben. „Die tatsächliche Zahl der Leichen unter den Trümmern zerstörter Häuser ist erschreckend.“ Die getöteten Bewohner würden laut dem Bürgermeister zusammen mit dem Betonschutt auf Deponien gebracht.

Die Ruine eines zerstörten Wohngebäudes in Mariupol.
Die Ruine eines zerstörten Wohngebäudes in Mariupol. © IMAGO/Vladimir Gerdo

Russische Agentur: Mehr als 800 000 Neurussen in vergangenen Jahren im Donbass

Update vom 11. Juni, 10.03 Uhr: In den ostukrainischen Separatistengebieten haben laut russischer Nachrichtenagentur Tass in den vergangenen drei Jahren mehr als 800 000 Menschen die russische Staatsbürgerschaft auf vereinfachtem Weg erhalten. Nur knapp ein Prozent der Anträge von Bewohnern der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk sei abgelehnt worden, meldete Tass am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium in Moskau. Kremlchef Wladimir Putin hatte im April 2019 ein Dekret erlassen, dem zufolge Ukrainer im Donbass leichter russische Staatsbürger werden können.

Die vielen Neurussen dienen dem Kreml Kritikern zufolge als Instrument, um seinen Einfluss in der Ostukraine auszuweiten. Auch in Gebieten, die Russlands Truppen seit Kriegsbeginn Ende Februar dieses Jahres besetzt haben, sollen russische Pässe verteilt werden. Auf diesem Weg sollen etwa die Regionen Cherson und Saporischschja enger an Moskau gebunden werden. Auch der russische Rubel soll dort als Zahlungsmittel eingeführt werden.

Ukraine-Krieg: Nach Regierungsangaben rund 10.000 tote Soldaten

Update vom 11. Juni, 6.39 Uhr: Seit dreieinhalb Monaten läuft der russische Angriffskrieg. Nach Regierungsangaben sind dabei etwa 10.000 ukrainische Soldaten getötet worden. Ein Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj machte die Zahl in der Nacht zum Samstag öffentlich. In der Ostukraine gehen unterdessen die Kämpfe ohne große Veränderungen des Frontverlaufs weiter. Die ukrainische Seite spricht von Erfolgen ihrer Artillerie dank westlicher Munition - und appelliert, das Tempo der Waffenlieferungen zu erhöhen.

„Russland will jede Stadt im Donbass zerstören, „jede“ ist keine Übertreibung. Wie Wolnowacha, wie Mariupol“, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache am Freitagabend. „All diese Ruinen in einst glücklichen Städten, schwarze Spuren von Bränden, Krater von Explosionen - das ist alles, was Russland seinen Nachbarn, Europa und der Welt geben kann.“

Die Zahl von etwa 10.000 getöteten ukrainischen Soldaten stammt vom Präsidenten-Berater Olexij Arestowytsch. Er nannte sie in einem seiner regelmäßigen Youtube-Videointerviews mit dem russischen Oppositionellen Mark Feygin. Diese Woche hatte Verteidigungsminister Olexij Resnikow bereits gesagt, dass aktuell täglich bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet würden. Arestowytsch betonte, dass auf ukrainischer Seite auch zu Beginn des Krieges rund 100 Militärangehörige pro Tag gestorben seien. Auf Feygins Frage, ob man also von rund 10.000 getöteten Soldaten insgesamt ausgehen könne, antwortete er: „Ja, so in etwa.“

Ukraine-Krieg: Dringlicher Ruf nach schnelleren Waffenlieferungen

Laut Arestowytsch werden dauerhaft mehr russische als ukrainische Soldaten getötet. Am Freitag seien die Angriffe der ukrainischen Artillerie mit westlicher Munition besonders effizient gewesen, sagte er und gab die Schätzung von rund 600 getöteten russischen Soldaten ab. Mit Blick darauf appellierte der Selenskyj-Berater an den Westen, viel schneller Waffen und Munition zu liefern. Die ukrainische Regierung sei zwar für die bisherige Hilfe sehr dankbar, ohne die man vermutlich bereits hinter den Dnipro-Fluss zurückgedrängt worden wäre. Er verstehe aber die Langsamkeit bei den Lieferungen nicht. Um die russische Aggression zurückzuschlagen, brauche die Ukraine unter anderem schnell mehr Artillerie-Feuerkraft, betonte Arestowytch.

Update vom 10. Juni, 20.45 Uhr: Sjewjerodonezk ist derzeitiges Epizentrum des Ukraine-Kriegs. Die ukrainische Armee meldete am Freitag einen Dauerbeschuss der ostukrainischen Stadt. Ihre Stellungen würden Tag und Nacht beschossen.

Bei anhaltend schweren Kämpfen im Donbass sind die russischen Truppen nach ukrainischen Angaben von Freitagmorgen zuletzt auf den Verkehrsknotenpunkt Bachmut vorgerückt. Sie drohen damit, den Nachschub für das Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk abzuschneiden.

Prorussische Separatisten: Chemiewerk in Sewerodonezk ist angeblich umzingelt

Update vom 10. Juni, 16.20 Uhr: Die prorussische Separatisten haben eigenen Angaben zufolge die Chemiefabrik in Sjewjerodonezk umzingelt. In den vergangenen Tagen waren die russischen Truppen bereits weit ins Zentrum der Stadt im Donbass vorgerückt, nachdem die ukrainischen Streitkräfte sie zwischenzeitlich zurückschlagen konnten.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Gefechte um die 10.000-Einwohner-Stadt als eine der schwersten Schlachten des Krieges mit Russland bezeichnet. Zuletzt hatte sich angedeutet, dass die Ukraine Sjewjerodonezk (Deutsch: Sewerodonezk) nicht halten kann. In dem Chemiewerk sollen sich neben den Verteidigern unbestätigten Berichten zufolge auch Hunderte Zivilisten aufhalten. Bislang hatte die ukrainische Armee einen kompletten Rückzug über das Ufer des Siwerskyj Donez abgelehnt.

Update vom 10. Juni, 15.30 Uhr: Große Verluste auf Seiten der Ukraine? Die russische Armee hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht auf Freitag einen Flughafen und eine Panzerfabrik in der Ostukraine angegriffen. „Auf dem Flughafen Dnipro wurde mit hochpräzisen Boden-Luft-Raketen Luftfahrtechnik der ukrainischen Streitkräfte vernichtet, im Raum Charkiw Produktionskapazitäten zur Reparatur von Waffentechnik“, erklärte der Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Unabhängig überprüfen lassen sich die Informationen nicht.

Konaschenkow behauptete ferner, dass an der Front insgesamt mehr als 500 ukrainische Soldaten getötet sowie 13 Panzerwagen, 9 Artilleriegeschütze, 6 Raketenwerfer und 16 Militärfahrzeuge zerstört worden seien. Ferner seien zwei Kampfjets und fünf Drohnen abgeschossen worden, heißt es aus der russischen Hauptstadt.

Angriffe nördlich von Kiew: Artillerie-Einschläge bei Tschernihiw in der Oblast Sumy

Update vom 10. Juni, 14.10 Uhr: Wie das ukrainische Innenministerium berichtet, hat Russland Mörser und Artillerie auf das Grenzgebiet bei Tschernihiw in der Oblast Sumy abgefeuert.

So sind laut Kiew im Gebiet Nowhorod-Siverskyi über 20 Explosionen registriert worden. Es wurden demnach bislang keine Opfer gemeldet. Tschernihiw mit seinen rund 280.00 Einwohnern liegt knapp 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kiew.

Russische Truppen vor Bachmut: Verkehrsknotenpunkt im Donbass ist schwer umkämpft

Update vom 10. Juni, 13.45 Uhr: Die russischen Truppen rücken nach ukrainischen Angaben im Donbass weiter vor. Die Invasoren stünden mittlerweile vor dem Verkehrsknotenpunkt Bachmut, heißt es aus Kiew. Somit könnte der Nachschub für das Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk abgeschnitten werden. Um die Stadt, die einst 100.000 Einwohner hatte, wird seit Wochen in der Region Luhansk erbittert gekämpft. 

„Der Feind hat in Richtung Wosdwyschenka – Roty angegriffen, teilweise Erfolg gehabt und setzt sich an den eingenommenen Stellungen fest“, teilte der ukrainische Generalstab an diesem Freitag in seinem Lagebericht mit. Die genannten Ortschaften befinden sich nur etwa zehn Kilometer südwestlich von Bachmut. Die Stadt mit einstmals rund 70.000 Einwohnern liegt geografisch genau zwischen den Großstädten Donezk, Luhansk, Sewerodonezk und Kramatorsk. Von hier aus können verschiedene Verkehrswege im Donbass mit Artillerie beschossen werden. Bislang hatten die russischen Truppen vergeblich versucht, in Richtung Kramatorsk vorzustoßen.

Heftige Kämpfe im Donbass: Russische Invasionstruppen haben Artillerie-Übermacht

Update vom 10. Juni, 13.30 Uhr: Im Donbass wüten weiter heftige Kämpfe zwischen den russischen Invasionstruppen und den ukrainischen Verteidigern. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Wadym Skibitsky, hat im Gespräch mit dem britischen „Guardian“ gewarnt, der Ukraine fehle Artilleriemunition.

Auf eine ukrainische Artillerieeinheit kämen zehn bis 15 Artillerie-Stellungen der Russen. „Dies ist nun ein Artilleriekrieg“, wird Skibitsky von der der britischen Zeitung zitiert. Sein Land sei fast ausschließlich auf westliche Waffenlieferungen angewiesen und benötige mehr Munition für die Haubitzen sowie für andere Geschütze.

Update vom 10. Juni, 13.10 Uhr: Die russischen Besatzer räumen die Trümmer in Mariupol weg. Der Strand füllt sich wieder. Dabei ist die Zukunft der Stadt im Ukraine-Krieg weiter offen. Jetzt droht auch noch ein Cholera-Ausbruch.

Im Krieg mit Russland: Ukrainische Armee rückt in der Region Charkiw wieder vor

Erstmeldung vom 10. Juni: Charkiw - „Wir bewegen uns allmählich in der Region Charkiw voran und befreien unser Land“, so Wolodymyr Selenskyj im Ukraine-Krieg über die Lage an Kriegstag 107. Laut dem ukrainischen Generalstab erlitten die Truppen von Wladimir Putin in der Region schwere Verluste - und wollen nun nicht mehr kämpfen. Das berichtet der Kyiv Independent.

Es soll sich bei den verweigernden Soldaten um eine motorisierte Infanterieeinheit des 1. Armeekorps handeln. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine, die Region Charkiw grenzt an die mittlerweile fast vollständig von den russischen Truppen eingenommene Region Luhansk.

Ukraine-News: Kiew hat laut Moskau 480 Soldaten an einem Tag verloren

Noch vor zwei Tagen, am 8. Juni, hatte die russische Seite hohe Verluste bei den ukrainischen Kämpfern verkündet, und zwar bei den Gefechten um den Donbass in der Ostukraine. Insgesamt habe die Ukraine (in allen Kampfgebieten zusammen) binnen 24 Stunden mehr als 480 Soldaten verloren.

Ukraine-Krieg: Ein ukrainischer Kämpfer hält im Juni 2022 in Chuguiv in der Region Charkiw die Stellung.
Aufnahme vom 10. Juni: Ein ukrainischer Kämpfer in der Region Charkiw © SERGEY BOBOK/AFP

Das Verteidigungsministerium in Moskau erwähnte dabei auch Raketenangriffe auf eine Panzerfabrik in Charkiw. Rund um die Millionenstadt seien außerdem mehrere Gefechtsstände und Truppenansammlungen sowie Stellungen von Raketenwerfern mit Luft-Boden-Raketen beschossen worden. Der ukrainische Generalstab hingegen vermeldete Anfang des Monats, der Feind sei im Norden in Charkiw ebenso in die Defensive gegangen wie im Süden des Landes.

Derweil droht auch rhetorisch eine weitere Eskalation. Ein Putin-Propagandist drohte Deutschland mit einer Invasion. (AFP/dpa/frs)

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