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Luftwaffen im Vergleich: Ukraine kämpft mit alten Jets gegen besser ausgerüstetes Russland

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Von: Andreas Schmid

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Russische Kampfjets
„SU-30SM“-Kampfjets der russischen Luftwaffe. (Symbolfoto) © Evgeny Biyatov/Imago Images

Die russische Luftwaffe ist der ukrainischen deutlich überlegen. Im Ukraine-Krieg wird teils noch mit alten Sowjetjets gekämpft.

Kiew – Der Ukraine-Krieg* findet in unterschiedlichen Bereichen statt. Auf militärischer Ebene gibt es Attacken vom Boden aus, drohende Kämpfe in Tunnel – und Angriffe aus der Luft. In diesem Bereich scheinen russische Truppen überlegen. Allein, was die Ausstattung der Luftwaffe betrifft.

Denn: Russland hat nicht nur die modernere, sondern auch deutlich größere Luftwaffe. Nur die USA haben mehr einsatzfähige Helikopter als Russland. Während die ukrainischen Truppen Russland an Land immer wieder zurückdrängen können, haben sie in der Luft deutlich weniger Chancen.

Ukraine-Krieg: „Wir haben keine echte Luftüberlegenheit“

Die Ukraine arbeitet teils noch mit Fliegern aus der Sowjetzeit, also vor 1991. Ein Nachteil in der Luft. „Wir haben fast jeden Tag Verluste in unserer Luftwaffe“, sagt ein ukrainischer Kampfjetpilot der Washington Post. „Sie werden das nicht im Fernsehen sehen, weil im Moment alles geheim ist, aber wir haben tatsächlich eine Menge Verluste.“ Deshalb müsse die Ukraine* mit Russland* „technisch auf Augenhöhe“ sein. „Unser mentaler Vorteil allein reicht nicht aus, um mit diesen Technologien zu kämpfen. Wir können leider keine echte Luftüberlegenheit erreichen.“

Die Ukraine konnte den Luftraum vergleichsweise umkämpft halten. Dennoch fliegt das russische Militär nahezu jede Nacht Luftangriffe über das Land. Dabei geht es nach Kremlangaben vor allem um die Zerstörung militärischer Objekte. Am Dienstag (12.04.2022) beschoss Russland unter anderem ein Luftabwehrraketensystem sowie ein Munitionslager und eine Flugzeughalle mit ukrainischer Luftwaffentechnik. Es gibt aber auch Vorwürfe, Zivilbevölkerung anzugreifen.

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj* fordert schon lange eine Flugverbotszone über der Ukraine. Die Nato lehnt dies ab, weil sie befürchtet, damit in einen direkten Konflikt mit Russland zu kommen. Hintergrund ist die Frage, was passiert, wenn Russland trotz Verbot in ukrainischen Luftraum eindringt. Die Position, eine solche Flugverbotszone zu verhängen, hätte eigentlich nur die Nato* – die dann auch dafür verantwortlich wäre, Verstöße zu kontrollieren und sanktionieren. Die Folge: eine direkte Konfrontation zwischen Nato und Russland – und womöglich eine weitere Eskalation im Ukraine-Konflikt*.

Ukraine-Krieg: Ukraine fordert Flieger - und bekommt wohl Sowjetjets

Statt einer Flugverbotszone fordert Selenskyj mittlerweile weitere Kriegslieferungen: Kampfjets und moderne Luftabwehrsysteme. Im Westen werden die Forderungen der Ukraine derzeit noch diskutiert. Zur Debatte stehen etwa MiG-29-Kampfjets, die in der Sowjetunion entwickelt wurden. Die Slowakei aber auch Polen könnten diese Jets wohl bereitstellen.

Der Vorteil: Ukrainische Truppen sind mit den sowjetischen Modellen vertraut. Der Nachteil: Um die Jets nicht direkt an die Ukraine zu übergeben, sollten die Flugzeuge zuerst an die US-Streitkräfte überstellt werden. Dieser Vorstoß wurde von den USA abgelehnt. Eine solche Maßnahme könnte zu einer direkten Konfrontation zwischen Nato-Kräften und russischem Militär führen, was eine Eskalation des Krieges nach sich ziehen könnte, hieß es zur Begründung.

Außerdem scheint es fraglich, inwiefern die Bereitstellung alter Sowjetjets der Ukraine weiterhelfen soll. Derartige Flieger besitzen sie ja bereits. Zudem gibt es Berichte, wonach die polnischen Lieferungen letztlich sogar älter als die ukrainischen Bestände sein sollen. Sie würden aus den 1980er Jahren stammen, berichtete der britische Independent.

Ukraine-Krieg: Vergleich der Luftwaffe (Quelle: World Air Forces)

Anzahl an ... (Stand: 2021)UkraineRussland
... Jagdflugzeugen/Jets981504
... Transportflugzeuge30401
... Helikopter1741927

Ukraine-Krieg: „Der Feind kontrolliert den Himmel nicht“

Diskussionen gibt es auch um die Bereitstellung von Stinger- und Strela-Raketen. Sie können vom Boden aus abgefeuert werden. Mit solchen Abwehrsystemen konnten die ukrainischen Streitkräfte einige Helikopter und vereinzelt Kampfflugzeuge abschießen. Sie sind jedoch ungenau und schwer zu bedienen. Die Ukraine wünscht sich modernere Flugabwehr-Raketensysteme.

Insgesamt liegen die ukrainischen Forderungen nach Waffen und die Angebote des Westens weit auseinander. Die Ukraine gibt sich dennoch siegessicher. Luftwaffen-Chef Generalleutnant Mykola Oleschtschuk sagte Anfang April: „Der Feind hat den ukrainischen Himmel nicht kontrolliert und kontrolliert ihn nicht.“ Auch der Krieg in der Luft geht weiter. (as) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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