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SPD-Kanzlerkandidat Scholz will Reiche stärker besteuern – mit Konsequenzen für sich selbst

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Von: Kai Hartwig

Keine 100 Tage mehr, dann ist Wahltag. Nun wagt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz einen Vorstoß und bringt eine Steueränderung ins Spiel. Die würde auch ihn treffen.

Berlin – Die Sozialdemokraten mussten sich in den vergangenen Jahren immer wieder anhören, ihre einstigen Kernkompetenzen zu vernachlässigen: Eine Politik auch für den „kleinen Mann“ mit eher geringem Gehalt zu machen und soziale Missstände zu bekämpfen. Als Teil der großen Koalition mit CDU* und CSU* schien die SPD* ihre Identität zu verlieren.

Damit möchte Finanzminister Olaf Scholz* im Wahlkampf 2021 offenbar aufräumen. Der SPD-Kanzlerkandidat positionierte sich jetzt in einer Steuerfrage deutlich.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz: Menschen mit „hohen Einkommen“ sollten mehr Steuern zahlen

„Ich finde es richtig, wenn jemand mit einem so hohen Einkommen wie ich mehr Steuern zahlt“, sagte Scholz im Interview mit der Bild am Sonntag. Dem Boulevardblatt gegenüber bezifferte der SPD-Politiker sein eigenes Gehalt auf „gut 200.000 Euro brutto im Jahr“.

Scholz bekräftigte, sich seiner exponierten Stellung bewusst zu sein. „Mit meinem Gehalt ist man in Deutschland reich“, sagte er. Doch Scholz kündigte an, sich für mehr Steuergerechtigkeit einsetzen zu wollen, sollte er die Bundestagswahl* am 26. September gewinnen. „Ich weiß, was ein Lkw-Fahrer oder eine Krankenschwester verdient“, führte der Sozialdemokrat an: „Deshalb will ich als Kanzler das Steuersystem ändern.“

Olaf Scholz: SPD-Kanzlerkandidat will Spitzensteuersatz anders verteilen

Für Scholz ist der aktuelle Spitzensteuersatz von 42 Prozent bei der Einkommenssteuer ungerecht verteilt. Der Finanzminister möchte dafür sorgen, dass dieser „erst sehr viel später“ greift. Zudem „sollen Singles künftig erst ab einem Jahresbruttoeinkommen oberhalb von 100.000 Euro, Verheiratete oberhalb von 200.000 Euro den künftigen Spitzensatz zahlen.“ Im Gegenzug müssten „die obersten vier Prozent Topverdiener“ mit ein wenig mehr Steuerzahlungen rechnen. Für die Superreichen „wird es dafür etwas teurer“, ergänzte Scholz.

Auf die Frage, warum er die entsprechenden Schritte nicht schon als Bundesfinanzminister in Angriff genommen habe, hatte der frühere SPD-Vorsitzende eine einfache Antwort. „Weil ich noch nicht im Kanzleramt sitze“, entgegnete Scholz. (kh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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