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Zwischen Verlusten und 31 Dollar im Monat: Russlands Soldaten auf Raubzug

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Von: Tobias Utz

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Russlands Truppen leiden unter militärischen Verlusten und schlechter Versorgungslage. Doch ihr Ziel ist nicht Putins Herrschaft über die Ukraine, sondern ihre Beute.

Kiew – Der Ukraine-Konflikt, der mindestens seit der illegalen Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 tobt, entwickelt sich spätestens seit Russlands Invasion Ende Februar zu einer Tragödie. Auf russischer Seite sollen im Ukraine-Krieg bereits fast 40.000 Streitkräfte gefallen sein, für die ukrainische Seite gibt es kaum Daten. Die Bemühungen der russischen Armee verändern sich ständig, zuletzt wurde der Fokus auf die vollständige Eroberung des Donbass gelegt. Anschließend sollen zahlreiche Schein-Referenda in besetzten Gebieten folgen, um eine vermeintliche Rechtsgrundlage für die Besatzung zu liefern.

Russlands Soldaten leiden seit dem ersten Tag der Invasion. Die Berichte schrecklicher Zustände im Militär häufen sich seit Monaten. Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte bereits mehrere Mitschnitte von Telefonaten. Ihren Frauen und Lebensgefährtinnen berichteten die Kämpfer von den Zuständen im Krieg. Teil davon: Plündereien und Raubzüge.

News zum Ukraine-Krieg: Schlechte Versorgung der russischen Armee

Diese sind offenbar essenzieller Bestandteil der Versorgung für die Soldaten. Da das russische Militär kaum taugliche Nachschubrouten auftut, um die Armee zu versorgen, erscheint dies nur logisch. Das Magazin Foreign Policy analysierte für unsere Redaktion, dass dies auf allen militärischen Ebenen stattfindet – vom einfachen Fußsoldaten bis zum Offizier. Die Basis dafür wurde längst intern gelegt. Als Rechtfertigung für Raubzüge soll die Armee Plünderungen legalisiert haben.

Der Verteidigungsnachrichtendienst der Ukraine berichtete Mitte März folgendes: „Aufgrund erheblicher logistischer Probleme und überlasteter Kommunikationswege ist sie nicht in der Lage, ihre Einheiten ordnungsgemäß mit Treibstoff, Lebensmitteln, Ausrüstung, Munition und Rotation zu versorgen.“ Die russische Armee erlaubte etwas, was bereits seit Wochen geschah, als sie ihre Truppen anwies, sich vom Land zu ernähren und „bis auf weiteren Befehl zur ‚Selbstversorgung‘ überzugehen.“

Russischer Soldat im Ukraine-Krieg
Ein Soldat der russischen Armee auf Patrouille. (Archivfoto) © Alexander Nemenov / AFP

Teil der Armut im Heer ist auch die schlechte Bezahlung. Umgerechnete 31 US-Dollar im Monat soll ein russischer Soldat im Ukraine-Krieg verdienen. Dies ist offenbar dennoch ausreichender Anreiz, um für Russland zu kämpfen. Viele der Kämpfer stammen aus ländlichen, armen Teilen des Landes und haben dort keine Perspektive. Um den schlechten Sold auszugleichen, rücken Plünderungen wiederum in den Mittelpunkt.

News zum Ukraine-Krieg: Beute wird zum Spielball der Offiziere

Diese werden auch zum Spielball in strengen Hierarchien der Armee: Offiziere sollen sich der Analyse zufolge die Kriegsbeute ihrer Untergebenen aneignen. In sozialen Netzwerken, wie Twitter, kursieren zahlreiche Fotoaufnahmen von Lastwagen voller Haushaltsgegenstände, unter anderem Waschmaschinen. Diese sollen offenbar nach Russland gebracht werden.

Die russische Regierung hat längst dafür gesorgt, dass weitere Soldaten für den Ukraine-Krieg infrage kommen. Die Altersgrenze wurde angehoben, sodass die teils schweren Verluste der Streitkräfte kompensiert werden können. Das US-Thinktank „Institute for the Study of War“ (ISW) analysierte zudem kürzlich, dass Russland Freiwilligenbataillone für den Kampf aufbaut. Laut ISW nutzt Russland „die Rekrutierungsbemühungen privater Militärfirmen, um Kampfkraft zu generieren“, und stellt fest, dass die Wagner-Gruppe aktiv für den Einsatz in der Ukraine rekrutiert.

News zum Ukraine-Krieg: Vergewaltigung als Waffe

Mit der Armut nimmt unter den russischen Soldaten auch die Gewaltbereitschaft zu. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ berichtete vor wenigen Tagen von Folterungen der ukrainischen Zivilbevölkerung. Insbesondere in den besetzten Gebieten Cherson und Saporischschja soll das der Fall sein. Im Bericht heißt es, dass russische Soldaten in den Regionen „Zivilisten gefoltert, unrechtmäßig festgenommen und gewaltsam verschwinden“ haben lassen. Kriegsgefangene seien in der Ukraine zahlreichen Foltermethoden ausgesetzt. Russische Soldaten setzen unter anderem Vergewaltigung als Kriegswaffe ein. (tu mit AFP/dpa)

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