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Nord Stream 1 nimmt Gastransport nicht wieder auf - Siemens äußert Zweifel an Russlands Begründung

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Von: Astrid Theil, Linus Prien

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Endpunkt der Ostseepipeline Nord Stream 1
Endpunkt der Ostseepipeline Nord Stream 1 © IMAGO/ BildFunkMV

Aus der Ostseepipeline Nord Stream 1 wird wohl doch kein Gas mehr fließen. Grund für den Ausfall der Lieferungen sei ein Ölaustritt in der Kompressorstation.

Update vom 3. September, 14.00 Uhr: Die Bundesnetzagentur bezweifelt Russlands Begründung für den Gas-Stopp durch die Pipeline Nord Stream 1. „Die von russischer Seite behaupteten Mängel sind nach Einschätzung der Bundesnetzagentur technisch kein Grund für die Einstellung des Betriebs“, schreibt die Behörde in ihrem aktuellen Lagebericht zur Gasversorgung. Am Freitag hatte der Staatskonzern Gazprom mitgeteilt, kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1 zu liefern. Zuvor hieß es, dass nach Abschluss der dreitägigen Wartungsarbeiten Gas wieder exportiert werden würde. Der genannte Grund: Ein Ölaustritt in der Kompressorstation Portowaja. Bis dieser gestoppt sei, könne kein Gas mehr fließen.

Zweifel an dieser Darstellung kamen bereits von Siemens Energy, dem Hersteller der betroffenen Turbinen. Ein derartiger Befund stelle keinen technischen Grund für eine Einstellung des Betriebs dar, hieß es einer Mitteilung des Unternehmens. Trotzdem ist die Bundesnetzagentur grundsätzlich aber gelassen. Eine weitere Verschlechterung der Situation könne nicht ausgeschlossen werden. „Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.“

Gazprom: Gaslieferungen durch die Ukraine anstatt über Nord Stream 1

Update vom 3. September, 11.40 Uhr: Gazprom will nach dem Ausbleiben der Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 mehr Erdgas über eine durch die Ukraine führende Pipeline nach Europa exportieren. Allein am Samstag (3. September) sollen 42,7 Millionen Kubikmeter Erdgas durch die Pipeline fließen. Dies kündigte das russische Unternehmen an. Am Freitag waren an der Einfüllstelle Sudscha 41,3 Millionen Kubikmeter Gas registriert worden, die durch die ukrainische Pipeline geliefert wurden.

Diese Mengen reichen allerdings nicht aus, um den Ausfall des Gases auszugleichen, das normalerweise über die Pipeline Nord Stream 1 exportiert wird. Freitagabend hatte Gazprom überraschend mitgeteilt, die für Samstag geplante Wiederaufnahme der Gaslieferungen über Nord Stream 1 bis auf weiteres auszusetzen. Der hauptsächlich dem russischen Staat gehörende Konzern machte ein Öl-Leck verantwortlich. Dies konnte nicht unabhängig bestätigt werden.

Nord Stream 1: Russland liefert weiter kein Gas

Update vom 2. September, 22:41 Uhr: Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 wird von diesem Samstag an anders als angekündigt weiter kein Gas fließen. Das teilte der Staatskonzern Gazprom am Freitagabend bei Telegram mit. Grund sei ein Ölaustritt in der Kompressorstation Portowaja. Bis zur Beseitigung bleibe der Gasdurchfluss gestoppt.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte am Freitagabend, die Meldungen von Gazprom zur Kenntnis genommen zu haben. Weiter berichtete sie: „Wir kommentieren diese in der Sache nicht, aber die Unzuverlässigkeit Russlands haben wir in den vergangenen Wochen bereits gesehen und entsprechend haben wir unsere Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit von russischen Energieimporten unbeirrt und konsequent fortgesetzt. Dadurch sind wir jetzt wesentlich besser gerüstet als noch vor einigen Monaten.“

Doch kein Gas durch Nord Stream 2: Siemens Energy bezieht Stellung

Gazprom zufolge ist das Leck in der Kompressorstation bei den gemeinsam mit Experten von Siemens Energy erledigten Wartungsarbeiten festgestellt worden. Das ausgetretene Öl sei an mehreren Stellen gefunden worden. Es sei nicht möglich, den sicheren Betrieb der letzten dort noch verbliebenen Gasturbine zu garantieren. Schon in der Vergangenheit sei es zu solchen Ölaustritten gekommen, hieß es. Ein Brief über die Beanstandungen am Aggregat Trent 60 mit der Nummer 24 und über die notwendigen Reparaturen sei an den Chef von Siemens Energy, Christian Bruch, gegangen.

Siemens Energy teilte auf Anfrage mit, dass man die jüngsten Meldungen zur Kenntnis genommen habe. „Als Hersteller der Turbinen können wir lediglich feststellen, dass ein derartiger Befund keinen technischen Grund für eine Einstellung des Betriebs darstellt.“ Solche Leckagen beeinträchtigten im Normalfall den Betrieb einer Turbine nicht und könnten vor Ort abgedichtet werden - das sei ein Routinevorgang im Rahmen von Wartungsarbeiten. Auch in der Vergangenheit sei es durch das Auftreten dieser Art von Leckagen nicht zu einem Stillstand des Betriebs gekommen.

Siemens Energy sei aktuell nicht mit Wartungsarbeiten beauftragt, stehe aber bereit, hieß es weiter. In der Verdichterstation Portowaja stünden außerdem genug weitere Turbinen für einen Betrieb von Nord Stream 1 bereit.

Erstmeldung vom 2. September, 20.00 Uhr: Wie der Nachrichtensender n-tv berichtete, soll durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 ab diesem Samstag anders als angekündigt weiter kein Gas fließen. Das teilt der Staatskonzern Gazprom bei Telegram mit. Grund sei ein Ölaustritt in der Kompressorstation. Am Freitag waren auf der Seite der Betreibergesellschaft Nord Stream ab Samstagmorgen, 02.00 Uhr wieder Liefermengen wie vor dem aktuellen Lieferstopp vorgemerkt. Diese sogenannte Nominierung ist eine Vorabinformation für Gasnetzbetreiber. Die am Freitag veröffentlichten Daten reichten zunächst nur bis Samstagmorgen, 06.00 Uhr.

Nord Stream 1: Ursprünglicher Lieferstopp wegen Wartungsarbeiten

Gazprom hatte seine Lieferungen nach Deutschland durch Nord Stream 1 am Mittwochmorgen gestoppt, nach eigenen Angaben wegen turnusgemäßer Wartungsarbeiten an einer Kompressorstation. Der russische Konzern schickte bis Mittwoch täglich rund 33 Millionen Kubikmeter Gas durch die Pipeline, das sind 20 Prozent der möglichen Liefermenge.

Als Grund für diese Reduzierung gibt Gazprom die Wartung einer Turbine von Siemens an, die wegen der Sanktionen des Westens nicht nach Russland geliefert werden könne. Die Bundesregierung hält diese Argumentation für nicht nachvollziehbar.

Nord Stream 1: „Klarer Sachstand“ erst Samstagmorgen

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin sagte, es gebe zwar erste Daten der Netzbetreiber, die über erste Nominierungen Auskunft geben. „Wir müssen hier dennoch zur Vorsicht raten.“ Nominierungen könnten auch zurückgenommen werden. „Einen klaren Sachstand“ werde es erst im Laufe des Samstagmorgen geben, sagte die Sprecherin. „Wir beobachten die Lage sehr genau.“

Der Lieferstopp seit Mittwoch war bereits der zweite in diesem Sommer und schürt die Furcht vor Versorgungsengpässen im Winter. Der Westen wirft Moskau bei der Energieversorgung Erpressung vor. Nach der Verhängung westlicher Sanktionen gegen Moskau wegen des Einmarschs in der Ukraine hatte Russland bereits mehrfach seine Gaslieferungen nach Europa reduziert. Die russische Regierung wiederholte auch am Freitag, die Gaslieferungen könnten jederzeit wieder ausfallen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, derzeit arbeite in der Pipeline Nord Stream 1 nur eine Turbine - „es gibt keine technischen Reserven“. Daher sei die Verlässlichkeit „des ganzen Systems“ gefährdet. (lp/AFP)

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