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Putin bereitet sich auf „langen Krieg“ vor

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Von: Christian Stör

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Auch ein Sieg Russlands im Donbass wird wohl nicht zum Ende des Ukraine-Kriegs führen. 

Moskau/Washington, D.C. – Seit fast 80 Tagen tobt der Ukraine-Krieg. Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Was aber, wenn Russland den Feldzug im Donbass erfolgreich abschließt? Auch das würde nach Ansicht der US-amerikanischen Geheimdienste keinen Unterschied ausmachen.

Angeblich bereitet sich der russische Präsident Wladimir Putin nämlich auf einen längeren Kampf in der Ukraine vor. Dies ist zumindest die Meinung der US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines, die in einer Anhörung des Senats in der Hauptstadt Washington am Dienstag (10. Mai) davon sprach, dass Putin noch immer Pläne verfolge, die über die Ostukraine hinausgingen. „Wir gehen davon aus, dass sich die strategischen Ziele Putins wahrscheinlich nicht geändert haben“, so Haines. Die Verlagerung der russischen Streitkräfte in den Donbass sei wohl nur vorübergehend.

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Konkret ist damit die benachbarte Republik Moldau gemeint. Schon im April hatte ein russischer General erklärt, zu den Zielen der russischen Offensive in der Ukraine gehöre es, eine Landverbindung durch die Südukraine bis in die pro-russische Separatistenregion Transnistrien zu schaffen. Dort beobachtet der ukrainische Generalstab derzeit nach eigenen Angaben, dass sich bewaffnete Gruppen und russische Truppen auf einen Einsatz vorbereiten. Die russischen Streitkräfte in dem Gebiet befänden sich „inmitten der Vorbereitungen für den Kampf“, erklärte der ukrainische Generalstab.

Wladimir Putin hält in Moskau eine Videokonferenz ab.
Wladimir Putin geht wohl davon aus, dass der Ukraine-Krieg noch lange dauern wird. © Mikhail Metzel/Imago Images

Auch aus diesem Grund warnte Haines vor einer weiteren Eskalation des Ukraine-Konflikts. Die Ungewissheit des Kampfes, der sich zu einem Zermürbungskrieg entwickle, bedeute in Verbindung mit dem Missverhältnis von Putins Ambitionen und den militärischen Fähigkeiten Russlands einen „unvorhersehbaren und potenziell eskalierenden Kurs“ in der Zukunft.

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„Da sowohl Russland als auch die Ukraine glauben, dass sie militärisch weiter vorankommen können, sehen wir zumindest kurzfristig keinen gangbaren Verhandlungsweg“, sagte Haines. Putin rechne wohl auch damit, dass die Entschlossenheit der USA und der EU angesichts von Inflation und Lebensmittelknappheit nachlasse.

Haines betonte, die USA seien immer noch der Ansicht, dass Moskau auch künftig eine „nukleare Rhetorik“ einsetze, um die USA und den Westen davon abzuhalten, die Unterstützung für die Ukraine zu erhöhen. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass Präsident Putin den Einsatz von Atomwaffen wahrscheinlich nur dann genehmigen würde, wenn er eine existenzielle Bedrohung für den russischen Staat oder das russische Regime wahrnehmen würde“, so Haines. (cs/dpa)

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